Ernährung nach den Fünf Elementen: Harmonie von Hitze und Kälte

Die Ernährung nach den Fünf Elementen ist die Übertragung der Traditionellen Chinesischen Ernährungslehre auf die bei uns im Westen gebräuchlichen Lebensmittel. Sie ist auch sehr gut für Vegetarier geeignet.

Die Chinesische Ernährungslehre sieht ihre Funktion vor allem darin, über eine vollwertige Ernährung den Organimus so zu stärken, daß sich Krankheit erst gar nicht ausbreiten kann. Am wichtigsten ist die Erkenntnis: „Lebensmittel üben nach dem Verzehr eine thermische Wirkung im Körper aus“. Das soll bedeuten, es gibt Lebensmittel, die den Menschen von innen her abkühlen, und andere, die ihn von innen her erwärmen.

Einteilung nach Yin und Yang

Die Kost wird demnach gemäß dem Yin-Yang-Prinzip eingeteilt: Yin steht für Kälte und Flüssigkeit, Yang steht für Wärme und Trockenheit. Stark yinhaltige Nahrungsmittel haben eine kühlende Wirkung auf den Organismus (wie Kiwi, Orange, Ananas, Wassermelone, Gurke, Tomate, Schwarztee, Wasser). Weniger yinhaltige Nahrungsmittel haben eine erfrischende thermische Wirkung (Apfel, Birne, Avocado, Paprika, Blumenkohl, Bananen, Sauermilchprodukte, Dinkel, Reis, Gerste). Erfrischende Getränke sind Apfelsaft, Pfefferminz-, Kamillen- und Früchtetee.

Werden Obst und Gemüse in gekochter Form verzehrt, so kann der Körper laut der chineischen Lehre diese Speisen leichter in Säfte umwandeln. Erfrischende Speisen ergänzen immer wieder aufs Neue die Körperflüssigkeit.

Im Yin-Yang-Gleichgewicht stehen neutrale Nahrungsmittel. Dazu gehören alle Kohlsorten, Karotten, grüne Bohnen, Hülsenfrüchte, Hirse und Mais. Als Getränk ist Traubensaft zu nennen.

Yanghaltige Nahrungsmittel sind Süßkirsche, Aprikose, Trockenobst, Nüsse, Kürbis, Fenchel, Lauch, Knoblauch, Meerrettich, Gewürze, Hafer, Grünkern, Fleisch und Fisch. Als Getränke wirken erwärmend: Anis-, Fenchel-, Yogi- und Mu-Tee.

Zuviel Hitze macht aggressiv

Zuviel Kälte (Yin) im Körper führt nach chinesischer Auffassung zu Stauungen, die sich später als Krankheit äußern. Zuviel Hitze (Yang) im Körper zieht aggressives Verhalten und Schlafstörungen nach sich. Die Ernährung nach den Fünf Elementen ist deshalb immer auf einen Ausgleich bedacht. Daraus läßt sich auch erklären, daß jahreszeitlich verschieden gegessen wird.

Große Beachtung schenkt die chinesiche Ernährungslehre seelisch-geistigen Zuständen wie Freude, Zorn, Wut (Yang) oder Trauer, Frustration und Angst (Yin). Diese Gefühle können den Menschen erhitzen oder abkühlen. Aber über die Temperaturwirkung der Lebensmittel läßt sich ein Ausgleich schaffen.

Rein wissenschaftlich sind all diese thermischen Wirkungen der Nahrung noch nicht nachgewiesen. Die Alltagserfahrung hat jedoch auch im Westen viele Menschen von der Zweckmäßigkeit der altchinesichen Lehre überzeugt. Wer häufig friert, wird sich möglicherweise an folgenden Speiseplan halten: Auf ein erwärmendes Frühstück mit Fenchel-, Anis- oder Yogitee folgt am Mittag eine Gemüsesuppe mit vielen Gewürzen oder ein Gemüseeintopf.

Anders wirkt es sich aus, wenn man morgens ein Obstfrühstück oder Müsli mit Joghurt zu sich nimmt und dazu ein Glas Orangensaft oder Schwarztee trinkt und mittags ein Käsebrot und einen Salat ißt. Wer häufig friert, wird an diesem Tag an Füßen und Händen eine Kälte verspüren, die Freude und Aktivität bremst. Jedoch werden Menschen mit innerer Hitze genau die gegeteiligen Erfahrungen machen. Ihnen wird die Kälte aus dem zweiten Beispiel guttun, und die Hitze des erstgenannten Speiseplans wird sie übermäßig reizen.

Hilfe gegen trockene Haut

Aufschlußreich ist auch das Wissen um die befeuchtende beziehungsweise trockene Wirkung von Lebensmitteln, vor allem im Zusammenhang mit Gewichtsproblemen oder häufig auftretenden Erkältungen. Bei einer zu starken Austrocknung der Körperflüssigkeiten, die sich mit einem Taubheitsgefühl an Händen und Füßen, trockener Haut, innerem Hitzegefühl, Gereiztheit, Schlafstörung und eventueller Blässe äußert, ist folgendes zu beachten: Der Verzehr von stark gebratenem Fleisch, von Kaffee, Schwarztee und Rotwein sollten auf ein Minimum zu reduziert werden. Streß und Schlafmangel verstärken die Austrocknung zusätzlich.

Für den Laien ist es nicht immer leicht, sich selbst richtig einzustufen, da es die unterschiedlichsten Yin-Yang-Klassifizierungen gibt: Yin-übergewichtig, Yang-übergewichtig, Yin-mager, Yang-mager. In solch einem Fall ist es angebracht, sich von einer qualifizierten Person beraten zu lassen.

Bleibt noch zu erklären, woher diese Kostform ihren Namen hat. Das hängt mit der Lehre von den fünf Elementen zusammen, die auf dem Yin- und Yangprinzip basiert. Nach der altchinesichen Vorstellung lassen sich alle Phänomene des Kosmos, also auch die Nahrungsmittel, folgenden Elementen zuordnen: Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser.

Vermittelt wird diese Zuordnung über die Geschmacksrichtungen: Sauer bezieht sich auf das Element Holz, bitter auf Feuer, süß auf Erde, scharf auf Metall und salzig auf Wasser. Überhaupt kommt dem Geschmack eine zentrale Bedeutung zu, denn ihm wird eine direkte Wirkung auf die Organe zugesprochen. Sauer wird der Leber zugeordnet, bitter dem Herzen, süß der Milz, scharf der Lunge und salzig den Nieren. Bei der Zubereitung der Gerichte wird folgerichtig darauf geachtet, daß in einem Gericht alle fünf Geschmacksrichtungen (Fünf-Elemente-Ernährung) vertreten sind.

Marianne Lang, Ernährungsberaterin und Buchautorin