Was ist Naturkost?

Gemeint sind Lebensmittel, die aus Bio-Anbau stammen, gesund und vollwertig sind sowie ethische Kriterien erfüllen. Aber was heißt das genau? Zum Beispiel:

Naturkost ist …

1. … ökologisch

Naturköstliche Lebensmittel stammen aus biologischem Landbau. Bio-Bauern fördern und erhalten den natürlichen Kreislauf, der von einem gesunden und aktiven Boden über robuste Pflanzen und Tiere letztendlich zu gesunden und vollwertigen Nahrungsmitteln führt. Der Hof wird hier als Einheit gesehen, vergleichbar mit einem lebenden Organismus.

Die Bodenfruchtbarkeit verdanken die alternativen Landwirte in erster Linie der Natur. Chemisch-synthetische Dünger oder Pflanzenschutzmittel haben dabei nichts verloren. Angebaut werden ausschließlich Pflanzen, die zum Klima sowie den jeweiligen Bodenbedingungen passen. Sinnvolle Fruchtfolge, Grün- und organische Düngung, zum Beispiel aus kompostiertem Stallmist, fördern die Fruchtbarkeit. Schädlinge und Krankheiten werden mechanisch (Abschütteln, Ablesen, Hacken, Jäten) oder biologisch durch den Einsatz von Nützlingen oder unbedenklichen Pflanzenschutzmitteln abgewehrt.

Fazit: Ökologischer Landbau ist umweltfreundlich. Er schützt Trinkwasser, Boden und Klima, vermeidet Rückstände von Chemie in Boden und Lebensmitteln und schont die Rohstoffreserven.

Die Öko-Zugabe: Auf vielen Bio-Bauernhöfen findet man Hecken und Nistplätze für Tiere, die auf konventionellen Höfen schon lange verschwunden sind.

2. … ethisch

Der Öko-Landbau nimmt Rücksicht auf alle Lebewesen und steht für artgerechte Tierhaltung. Oberstes Prinzip ist auch hier das Denken und Handeln in Kreisläufen. Der eigene Ackerbau erzeugt Futter für Mensch und Vieh, die Tiere liefern im Gegenzug Mist und Jauche als Dünger für die Pflanzen. Auf dem Hof leben nur so viele Tiere, wie dort ernährt und großzügig untergebracht werden können.

Alle Tiere erhalten artgerechtes Futter. So gibt’s getrockneten Klee, Luzerne und Gras für die Kühe im Winter, im Sommer leben und fressen sie auf der Weide. Die Ställe haben nichts mit den engen Boxen der Massentierhaltung gemein. Spaltenböden, auf denen die Tiere kaum stehen oder liegen können, gehören nicht auf den Bio-Hof. Dafür aber helle, gut durchlüftete Unterkünfte. Schweine, Kühe und Hühner leben hier (fast) nach eigener Façon. Das führt dazu, dass sie seltener für Krankheiten anfällig sind. „Vorsorge“ und Therapie aus den medizinisch-chemischen Labors der Fleischindustrie werden damit überflüssig. Selbstverständlich tabu sind Wachstumshormone oder -regulatoren sowie genmanipuliertes Erbgut in der Zucht.

Ethisch bedeutet aber auch: Der Landwirt soll angemessene Preise für seine Produkte erzielen. Das ist eine Grundvoraussetzung für ein befriedigendes Auskommen. Bauern in Dritt-Welt-Ländern zahlt der Bio-Handel faire Preise, die über den Welthandelspreisen liegen. Langfristige Abnahmeverträge sichern den Bauern als Handelspartnern Planungssicherheit. Dies alles ermöglicht den Aufbau einer Infrastruktur, etwa für Schulen und medizinische Versorgung. Dadurch, dass im Bioanbau Pestizide verboten sind, werden landwirtschaftliche Helfer und Bauern dieser Gesundheitsgefährdung nicht mehr ausgesetzt. Auch das ist ethisches Handeln.

3. … kontrolliert biologisch

Bio-Produkte haben schon einiges hinter sich, bis sie in den Regalen der Naturkostläden oder auf dem Wochenmarkt landen. Strenge Kontrollen und Richtlinien der Verbände, in denen die meisten Bio-Bauern organisiert sind, begleiten sie von der Saat bis zur Verarbeitung. Von welchem Acker die Möhre stammt und wo die Kuh zu Hause ist, die Milch für den Käse liefert, ist schnell nachvollziehbar und jederzeit transparent. Bio-Lebensmittel sind die am strengsten kontrollierten Lebensmittel in Deutschland.

4. … kreativ und alternativ

In den siebziger Jahren wurden die kleinen Bioläden mit ihren selbstgezimmerten Regalen noch skeptisch beäugt. Im Vergleich zu den brandneuen Supermärkten wirkten sie anachronistisch und exotisch. Heute sind Bioläden vertrauter, vieles wurde auch professioneller. Unkonventionell bleibt die Naturkost-Branche trotzdem.

Bio-Landwirte setzen beim Landbau auf Tradition, bei der Vermarktung gehen sie aber gerne neue Wege oder entdecken alte neu. Bekannt ist mittlerweile das Gemüse-Abo, bei dem frisches Gemüse direkt nach Hause geliefert wird. Pfiffig ist auch das Konzept „rent a Baum“, bei dem Verbraucher Obstbäume pachten und die Früchte ernten können. Die Bauern pflegen dafür die Bäume und Streuobstwiesen drumherum.

Naturkostläden unterstützen auch bewusst ihr individuelles Publikum. Ob Vegetarier, Veganer, Makrobiotiker, Vollwert- oder Sonnenköstler – hier finden alle die passenden Lebensmittel.

5. … fair

Naturkost bedeutet mehr Gerechtigkeit im Welthandel – auf nationaler und internationaler Ebene. Für die Handelspartner in der „Dritten Welt“ bedeutet das, dass sie für ihre Produkte relativ hohe Preise erhalten, von denen sie ihren Lebensunterhalt gut bestreiten können. Und: Es bleibt genug übrig, um Gemeinschafts-, Umweltschutz- und Entwicklungsprojekte auf die Beine zu stellen.

Ein Effekt des fairen Handels, von dem wir VerbraucherInnen profitieren, ist die besondere Qualität der Lebensmittel. Wenn Kaffee- oder Bananenbauern angemessen bezahlt werden und in ein stabiles wirtschaftliches und soziales Netz eingebunden sind, dann bekommen wir hochwertige Ware. Darauf ist Verlass.

6. … frisch und aromatisch

Die Rohstoffe für Naturkost kommen in vielen Fällen direkt vom Feld, idealerweise ohne lange Transportwege. Das vermeidet umweltbelastenden Lärm und Abgase. Zahlreiche Naturkostfachgeschäfte bemühen sich verstärkt um regional erzeugte Lebensmittel. Das fördert die Bauern der Region, trägt zur Nachhaltigkeit bei (saisonale Produkte, kurze Transportwege) und die Lebensmittel sind besonders frisch, was sich positiv auf den Nährstoffgehalt auswirkt.

Das erkennen und schmecken auch immer mehr Spitzenköche. Viele von ihnen bevorzugen Bio-Produkte.

7. … gesund

Vom Tier- und Umweltschutz der ökologischen Landwirtschaft profitiert auch unsere Gesundheit. Das Gemüse ist deutlich weniger mit Nitrat und Rückständen aus Kunstdüngern und Pflanzenschutzmitteln belastet als das aus konventionellem Anbau. Der Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen ist deutlich höher als bei konventionell angebautem Obst und Gemüse. Für einige Lebensmittel konnten sogar mehr Nährwerte festgestellt werden.

8. … vollwertig

Vollwertige Ernährung ist beides: modern und gesund. Sie beinhaltet viel Obst und Gemüse, Getreide, Milch und Milchprodukte, wenig Eier, Fleisch und Fische, Meerestiere und noch weniger Zucker und Weißmehl. Hochwertige, frische, abwechslungreiche und möglichst unverarbeitete Kost ist die Basis dieser Ernährungslehre, die ausdrücklich den Bio-Landbau unterstützt. Sie vereint Genuss mit Qualität, das heißt frisches, unbelastetes Gemüse und Obst, mit einer umweltfreundlichen und sozial gerechten Wirtschaftsweise.

9. … schnell

Bratlinge, Burger, Saucen, Suppen, Brotaufstriche und tiefgekühlte Fertiggerichte aus dem Naturkostladen – sie alle sind schnell zubereitet und schmecken (fast) wie selbstgemacht. Auch wenn Essen in einer ruhigen und entspannten Atmosphäre vorzuziehen ist, wenn’s mal drunter und drüber geht, ist Naturkost mit schnellen und gesunden Gerichten zur Stelle.

10. … gut verpackt

Von Anfang an waren ökologische Ziele mit dem Naturkost-Gedanken verbunden. Dazu gehören umweltschonende Herstellungsverfahren ebenso wie geringer Transportaufwand und ökologisch verträgliche Verpackungen. Diese müssen energie- und ressourcenschonend hergestellt und möglichst wiederverwendbar sein. Die spätere Entsorgung soll unproblematisch und ohne giftige Rückstände für die Umwelt erfolgen.