Anklage gegen Bio-Puten-Vermarkter

Die Staatsanwaltschaft Bielefeld hat gegen Berthold Franzsander Anklage beim Landgericht Paderborn erhoben. Sie wirft dem einstigen Bio-Vorzeigeunternehmer gewerbsmäßigen Betrug vor. Er soll im Zeitraum von Januar 2005 bis Dezember 2007 an bundesweit 685 Kunden Bio-Geflügelfleisch verkauft haben, das mit konventionellem Geflügelfleisch vermischt war. Den Schaden beziffert die Staatsanwaltschaft auf 1,3 Millionen Euro. Franzsander bestreitet Betrugsabsichten. Wie Oberstaatsanwalt Klaus Pollmann dem Branchenmagazin BioHandel erläuterte, habe Franzsander im angegebenen Zeitraum von zwei Betrieben konventionelle Frischware (Huhn und Pute) bezogen, diese gemeinsam mit Bio-Geflügelfleisch gelagert und dabei ununterscheidbar vermengt. Mindestens 50 Prozent der eingekauften konventionellen Ware sei für die Herstellung von Bio-Produkten verwendet worden. Fast 700 Geschädigte gefunden Die Staatsanwaltschaft hat die Vorgänge zu 72 Fällen zusammengefasst und insgesamt 685 Geschädigte ausfindig gemacht. Sie haben Bio-Preise gezahlt für Erzeugnisse, die aufgrund der Vermischung als konventionell anzusehen waren. Um den Schaden abzuschätzen, haben die Strafverfolger vom gezahlten Bio-Preis 50 Prozent abgezogen (also halbiert) und als konventionellen Preis definiert. Die Differenz zwischen den Preisen summierte sich bei den 685 Geschädigten auf 1,3 Millionen Euro. Andersrum gerechnet: Franzsander soll innerhalb von drei Jahren für 2,6 Millionen Euro Bio-Geflügelprodukte verkauft haben, die keine waren. Keine Ermittlungen wegen Futter- und Fleischvermischung Den Vorwurf, dass Franzsander von 2005 bis 2008 über 3.000 Tonnen konventionelles Futter kaufte und vermutlich regelwidrig an sein Bio-Geflügel verfütterte, haben die Staatsanwälte nicht weiterverfolgt. Es war nach Angaben von Pollmann zu kompliziert, im Einzelfall nachzuweisen, welche Bio-Tiere durch die konventionelle Fütterung ihre Bio-Eigenschaft verloren hatten und wer durch den Verkauf des Fleisches als Bio-Produkt geschädigt wurde. Aufgrund juristischer Probleme wurde auch der Vermischung von Fleisch im Jahre 2008 nicht weiter nachgegangen. Eingestellt hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen Roswitha Franzsander und einen ehemaligen Geschäftsführer. Beiden sei eine Mitwisser- oder Mittäterschaft nicht nachzuweisen gewesen. Franzsander bestreitet Betrugsabsicht Der Angeklagte habe die Vermischung von konventioneller Ware mit Bio-Produkten eingeräumt, sagte Pollmann. Franzsander sei aber davon ausgegangen, dass nach den Richtlinien der EU-Ökoverordnung ein Zukauf von konventioneller Ware zulässig sei, wenn nicht genug Bio-Ware vorhanden ist. Zudem hätten sich die Richtlinien ständig geändert. Mit dieser Einlassung bestreitet Franzsander, dass er vorsätzlich und damit betrügerisch gehandelt habe. Nach Angabe örtlicher Medien will der einstige Bio-Unternehmer prüfen, ob er vom Land Nordrhein-Westfalen Schadenersatz in Millionenhöhe fordern könne. Seine von den Betrugsvorwürfen betroffenen Firmen habe im Laufe des letzten Jahres Insolvenz anmelden müssen und wurden abgewickelt.

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