Palmöl: Neues aus Kolumbien

Nach dem Report-Bericht über Vertreibungen von Kleinbauern in Kolumbien haben die betroffenen Bio-Hersteller und -Händler eigene Nachforschungen angestellt. In einer Zwischenbilanz bekommen die von Daabon im Norden Kolumbiens betriebenen Bio-Palmölplantagen sehr gute Noten. Der Landkonflikt um eine Palmölplantage im Süden des Landes wird als sehr kompliziert geschildert. Von den laufenden Verhandlungen erwarten die Unternehmen eine Lösung, die auch die betroffenen Kleinbauern zufrieden stellt.

Im März hatte das Fernsehmagazin Report Mainz berichtet, dass der kolumbianische Bio--Hersteller Daabon Kleinbauern von ihrem Land im Süden Kolumbiens vertrieben habe. Die Vertreibung wurde konkret mit Produkten von Allos, Alnatura und Rapunzel in Verbindung gebracht. Daraufhin veranlassten die drei Firmen eine Überprüfung durch die Kontrollstelle Ecocert. Außerdem besuchte die Rapunzel-Rohstoffeinkäuferin Daboon, und Alnatura beauftragte zusätzlich einen Experten, der nach Unternehmensangaben mehrere Jahre in Kolumbien gelebt hat und dort in der Entwicklungshilfe im Agrarbereich tätig war.

Lösung nur mit den Bauern

Am 1. Juni trafen sich Alnatura und die Hersteller, um die Experten anzuhören und deren Ergebnisse zu bewerten. Das vorläufige Ergebnis: „Die Arbeit der Firma Daabon im Norden Kolumbiens ist nicht zu beanstanden. In der Region Süd-Bolivar (Las Pavas) stellt sich die Lage um die Landnutzungsrechte sehr komplex dar. Nur eine Verhandlungslösung der Konfliktparteien erscheint uns sinnvoll“, heißt es auf der Webseite von Alnatura. „Wir haben entschieden, die Resultate des Mediationsverfahrens zwischen Daabon und den Bauern in Las Pavas abzuwarten. Eine Stellungnahme und Bewertung der Situation vor Ort könnte den laufenden Prozess beeinflussen, was wir vermeiden möchten.“ Aus diesem Grund werde man auch die Berichte der Experten vorerst nicht veröffentlichen, erklärte Alnatura-Pressesprecherin Stefanie Neumann. „Wir haben Daabon sehr eindringlich klar gemacht, dass wir eine Verhandlungslösung erwarten, die auch die betroffenen Kleinbauern zufrieden stellt.“

Rapunzel hat eine sehr ausführliche Stellungnahme mit den Ergebnissen des Besuchs ins Netz gestellt. Zur Lösung des Landkonfliktes heißt es dort: „Wir sehen die Notwendigkeit, dass neben einer rein juristischen Bewertung auch das moralische Rechtsempfinden der Betroffenen bei einem Lösungsansatz mit berücksichtigt werden muss.“ Seit längerem versucht eine christliche Hilfsorganisation zu vermitteln. Ein Lösungsvorschlag sollte bereits im Mai vorliegen, der Termin wurde jedoch verschoben.

Bei Allos heißt es: „Wir haben an unseren Lieferanten kommuniziert, dass wir eine aktive Lösungsfindung und respektvollen Umgang mit den Bauern erwarten.“

Vorwürfe an Report: falsche Bilder verwendet

Auch Daabon hat sich noch einmal ausführlich zu Wort gemeldet und versichert, dass es zur Unternehmensphilosophie gehöre, „an jedem Standort nicht nur für ökologische und wirtschaftliche Aspekte einzutreten, sondern immer auch die sozialen Belange der Menschen vor Ort zu berücksichtigen und zu fördern.“ In der Stellungnahme und einem Anhang dazu wirft das Unternehmen Report Mainz vor, seinen Beitrag mit Bildern unterlegt zu haben, die nichts mit dem Fall Las Pavas zu tun hätten.

Auf Einladung der Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien (ASK) waren zwei Vertreter der vertriebenen Kleinbauern aus Las Pavas, Bauernführer Don Misael und die Anwältin Elizabeth Ruiz Thor, im Mai in Deutschland und der Schweiz, wobei es auch zu Gesprächen mit Alnatura, Allos und Rapunzel kam.

Weiterhin Kritik von „Rettet den Regenwald“

Kritik an Daabon kommt weiterhin von Rettet den Regenwald. Kern der Vorwürfe ist, dass Daabon sich stark im konventionellen Palmölanbau engagiere, die größte konventionelle Biodieselraffinerie Kolumbiens betreibe und in mehrere Skandale verwickelt sei. (Leo Frühschütz)

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