Kapital in zukünftige Lebensgrundlagen verwandeln

Die Zukunftsstiftung Landwirtschaft () unterstützt jedes Jahr viele landwirtschaftliche Betriebe, Schulbauernhöfe, Forschung und auch den gemeinnützigen Verein Kultursaat für Züchtungsforschung und Kulturpflanzenerhaltung auf biologisch-dynamischer Grundlange. Jetzt ist die zehn Jahre alt geworden. Sie ist angesiedelt in der GLS Treuhand im Verbund mit der GLS Bank. Mit einem Startkapital von mehr als 1,5 Millionen Euro und zusätzlichen Geldern von vielen Spenderinnen und Spendern werden viele Projekte unterstützt. Wir sprachen mit dem Geschäftsführer der Oliver Willing.

Was bewegte die GLS-Treuhand vor zehn Jahren, die Zukunftsstiftung Landwirtschaft (ZSL) ins Leben zu rufen? Wer hat maßgeblich daran mitgewirkt?

Landwirtschaft als Kulturimpuls war seit der Gründung der GLS Treuhand 1961, für diese immer ein zentrales Thema. Die Landwirtschaft ist eine wesentliche ökonomische und ökologische Grundlage unserer Gesellschaft und hat zudem auch gemeinnützige Aspekte. Mit der Gründung der Zukunftsstiftung Landwirtschaft sollten diese Anliegen stärker nach außen getragen werden. Als eine maßgebliche Gründungspersönlichkeit möchte ich Albert Fink nennen, der als Mitgestalter der GLS Treuhand 1974 auch die Gründung der GLS Bank entscheidend vorangetrieben hat. Ebenso hat er den Saatgutfonds, einen Spendensammelfonds für ökologische und gentechnikfreie Saatgutforschung, mit ins Leben gerufen.

Eine Menge Geld ist in den zehn Jahren in die biologisch-dynamische Getreide- und Gemüsezüchtung geflossen und hat durch wichtige Forschungsergebnisse und mit der Anmeldung von Sorten Erfolge erzielt. Biologisch-dynamische Sortenentwicklung müsste noch viel vehementer vorangetrieben werden, um Alternativen zu Gentechnik nahen Züchtungsmethoden zu schaffen, aber, es mangelt  an Mitteln. Warum ist die dringliche Notwendigkeit einer ökologischen und biologisch-dynamischen Züchtung so schwer zu vermitteln?

Das Thema Pflanzenzüchtung ist an sich etwas „sperrig“, zumal es nur einen Teilaspekt der Landwirtschaft berührt. Wir leben in einer Industriegesellschaft und daher hat die Saatgutfrage für viele Menschen keine Bedeutung. Obwohl jeder von uns bei jeder Mahlzeit eigentlich „“ zu sich nimmt.

Was waren für Sie persönlich die wichtigsten Erfolge der Zukunftsstiftung Landwirtschaft? Ist das Wissen über das Thema Saatgut und biologische Züchtung heute besser ausgebildet als vor zehn Jahren?

Der Erfolg hängt natürlich eng mit den von uns geförderten Projekten und den dort initiativen Menschen zusammen. Erfolge gibt es viele: Unter anderem haben wir drei  Stiftungsprofessuren in Dresden, Kassel und Münster mit auf den Weg gebracht, vielen Kindern und Jugendlichen durch Schulbauernhöfe elementare Erlebnisse vermittelt, mit unserer Kampagne Save our Seeds europaweit bis heute das Saatgut vor gentechnischer Verunreinigung bewahrt. Und natürlich sehen wir es als Erfolg, dass wir mit Hilfe unserer Spenderinnen und Spender mit über 3 Millionen.Euro in den letzten zehn Jahren entscheidend zum Auf- und Ausbau einer ökologischen und gentechnikfreien Züchtung beigetragen haben. Es hilft nicht, einfach nur gegen Gentechnik zu sein. Es ist wichtig Alternativen für das Post-Gentechnik-Zeitalter aufzeigen zu können. Erfreulicherweise nimmt das Bewusstsein und das Wissen rund um die Saatgutfrage stetig zu. Insbesondere die Gentechnik und Patentfragen lassen die Menschen nachdenklich werden.

Züchtungs- und Forschungsarbeit kann sich nicht selbst tragen, es wird immer Unterstützung notwendig sein.

Dies ist vielleicht ein ungewöhnlicher Gedanke, aber Saatgut ist eigentlich ein Commens, ein Gemeingut. Zumindest darf Saatgut, als Grundlage unserer Ernährung nicht privatisiert werden und rein ökonomischen Interessen dienen. Letztendlich führt das zu einer Pervertierung: Die Bestrebung, Saatgut, das eigentlich der Inbegriff von Fruchtbarkeit ist, durch verschiedene Züchtungstechniken (Hybridisierung, Gentechnologie) möglichst unfruchtbar zu machen, um dadurch den wirtschaftlichen Gewinn abzusichern. Aus Sicht eines Privatunternehmens ein logischer Schritt. In der Realität trägt das jedoch  nicht zur zukünftigen Ernährungssicherung bei.

Schätzen Sie die Zukunftsperspektiven der ZSL als gut ein?

Glücklicherweise wissen immer mehr Menschen, den Mehrwert einer ökologischen und multifunktionalen Landwirtschaft zu schätzen, die sich an ganzheitlichen Ansätzen orientiert,. Und sie sind bereit, für Projekte, die „nicht die Welt kosten“, Schenkgeld zur Verfügung zu stellen. So verwandelt sich monetäres Kapital in zukünftige Lebensgrundlagen z.B. in Saatgut) oder in Fähigkeiten von Menschen wie Ausbildung und Schulbauernhöfe. . Eigentlich gibt jeder von uns der Erde und zukünftigen Generationen auf diese Art etwas zurück, das zugleich zukunftsbildend wirken kann. Eine Art moderner Erntedank. Kurz gesagt: Es gibt noch viel zu tun, denn leider sind wir weit davon entfernt, dass die Ideen einer nachhaltigen, ökologischen Landwirtschaft, die sich am Kreislaufgedanke und an einer sonnenbasierten, also nicht von fossilen Energien abhängigen Bewirtschaftung orientiert, großflächig umgesetzt werden. Noch bestimmen weltweit unter anderem. tierquälerische Massentierhaltung, Bodenvernichtung, Dumpingpreise und Subventionen den landwirtschaftlichen Alltag. Meist verbunden mit einer immer stärkeren Abhängigkeit von Agrarkonzernen. Die Ökonomie (return of invest) scheint die einzig gültige Messlatte zu sein. Ein echtes, tiefergehendes Verständnis von Lebenszusammenhängen liegt noch in weiter Ferne. Dennoch bin ich zuversichtlich, denn immer mehr Menschen wollen eine nachhaltige und ökologische Landwirtschaft, die auch ethische und soziale Gesichtspunkte einbezieht. Dazu wollen wir einen Beitrag leisten. Und immer mehr Menschen wollen lieber ein Licht anzünden als über die Dunkelheit zu klagen. (Das Interview führte Karin Heinze.)

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