Zustände in der konventionellen Geflügelmast

Das Eingeständnis des niedersächsischen Agrar-Staatssekretärs Friedrich-Otto Ripke über die Qualzucht- und Qualhaltungs-Zustände in der ist nach Einschätzung der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft () ein weiterer Erfolg des massiven Drucks von Bürgerinitiativen und Medien. Nach jahrzehntelanger Schönfärberei und Förderung der Agrarindustrie werde nun zumindest nicht mehr geleugnet, dass Masthühner und Mastputen in den Agrarfabriken massiv darunter leiden, dass ihr Herz-Kreislaufsystem und ihr Bewegungsapparat der einseitigen Zucht auf Brustfleisch nicht standhält, dass die zusammengepferchten Tiere sich kaum bewegen können, auf ihrem eigenen Kot stehen und deshalb unter schmerzhaften Fußballenentzündungen leiden müssen. Männliche Küken werden als ungeeignet für die Eiererzeugung getötet, Flugenten bekommen nicht einmal Einstreu, Puten werden durch schmerzhaftes Schnabelkürzen verstümmelt. Diese Verhältnisse beim Namen zu nennen, ist nach Ansicht der nicht mehr als eine längst fällige Selbstverständlichkeit, zumal die Europäische Lebensmittelbehörde zuvor bereits diese agrarindustriell systembedingten Skandale angeprangert hatte. Die von der niedersächsischen Landesregierung propagierte „Tierschutz-Offensive“ beschränke sich zudem auf die unverbindliche Äußerung, viele Bundes- und EU-Vorschriften seien „kritisch zu bewerten“ und vage Verspechungen, diese Verhältnisse sollten „möglichst bald“ abgestellt werden. Angesichts des Geredes vom „aufwändigen und leider nicht kurzfristig alle Probleme beseitigenden Weg der Förderung der wissenschaftlichen Kenntnisse und der Zusammenarbeit mit den Geflügelhaltern“ sei zu vermuten, dass die angekündigten Haltungs- und Tiergesundheits-Empfehlungen abermals auf Vertröstungen, unwesentliche Korrekturen und Kungelei mit der Agrarindustrie hinauslaufen sollten. “Die Landesregierung kann nicht im Ernst daran glauben“, so -Sprecher Eckehard Niemann, „dass ihr derlei Ankündigungen eine Atempause gegenüber den weiter anwachsenden Bürgerprotesten verschaffen können.“ Ob es die Landesregierung es wirklich ernst meine mit dem Tierschutz und einer artgerechten Haltung in mittelständischen, bäuerlichen Strukturen, das werde sich zu allererst daran erweisen, ob der Genehmigungsstopp der Landkreises Emsland für Großmastanlagen und dessen Forderung nach Keimverbreitungs- und Brandschutzgutachten bei Bauanträgen nunmehr zügig in allen Landkreisen zur Geltung kämen. Das Verbrennen von Zigtausenden Tieren und die Gesundheitsbelastungen der Anwohner dürften nicht weiter im Interesse einiger weniger Geflügelbarone hingenommen werden. Im Bundesrat müsse die Landesregierung das geforderte Bauverbot für Agrarfabriken unterstützen. Es sei nun unverzüglich eine Kommission mit wichtigen gesellschaftlichen Gruppen zur Überarbeitung der Tierschutz-Nutztierhaltungs-Verordnungen einzusetzen.

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