Bio-Betrug mit Schweinen aufgeflogen

Der italienische Erzeuger und Verarbeiter Paolo Zaccardi hat seine Schweine trotz Aberkennung des Bio-Zertifikats noch monatelang weiter als Bio-Tiere vermarktet. Wie die taz berichtete, soll er rund 300.000 Kilogramm Schweine-Hälften im Wert von mehr als einer Million Euro an einen norddeutschen Bio-Fleischhändler verkauft haben. Dieser beliefert vor allem LEH-Verarbeiter. Doch auch der Fachhandel ist betroffen. Zaccardi steht hinter den Schinken und Salamis der Marke „Il Mazzocchino“, die von Dennree und Alnatura vertrieben wurden. Beide Handelshäuser stellten den Verkauf nach dem brancheninternen Bekanntwerden Mitte September 2010 ein.

Italienische Behörde bleibt untätig

Wie die taz ausführt, entzog die italienische Kontrollstelle CCPB Zaccardis Firma das Biozertifikat Ende April 2010, nachdem dieser den Kontrollvertrag gekündigt hatte. Kurz vor der Kündigung hätten die Inspektoren eine Kontrolle verlangt, um dem schweren Verdacht gegen Zaccardi nachzugehen, „dass er konventionelle Tiere als bio verkauft habe“, berichtete die taz. Doch von dem Entzug des Biozertifikats bekamen Zaccardis Kunden nichts mit. Der legte auf Nachfrage das aberkannte Zertifikat vor, dessen Gültigkeit ursprünglich auf ein Jahr und damit bis Ende September 2010 befristet war. Nach eigenen Angaben informierte die Kontrollstelle CCPB die Aufsichtsbehörde in Rom Ende Juni darüber, dass Zaccardi das ungültige Zertifikat benutzt habe. Doch die Beamten wurden nicht tätig. Der Betrug flog erst auf, als der deutsche Hauptabnehmer, der Biofleisch-Händler Friland J. Hansen GmbH, Verdacht schöpfte und seine Kontrollstelle ABCert informierte. Hansen versorgt vor allem größere Verarbeiter mit Teilstücken. Ob über diesen Weg konventionelles Fleisch auch in den Fachhandel gelangte, ist nicht bekannt. Betroffen war der hessisches Filialist Tegut. Gegenüber dem Branchenmagazin “BioHandel” bestätigte Tegut-Qualitätsmanager Sven Euen, dass diese Schweineteile nur zur Abdeckung von Nachfragespitzen bei Tegut selbst verwendet worden seien. Für Fachhandelskunden der Tegut-Metzgerei KFF – dazu gehört die Dennree-Eigenmarke Königshofer – habe man deutsche Verbandsware verarbeitet.

Il-Mazzocchino-Schinken aus dem Verkehr gezogen

Dennoch waren Dennree und Alnatura vom Vorgehen Zaccardis betroffen. Beide Filialisten vertrieben Schinken und Salamis der Marke „Il Mazzocchino“ und warben dafür mit Bildern freilaufender Weideschweine. Am 17. September informierte Fleischhändler Hansen seinen Kunden Tegut und dieser wiederum seine Kontrollstelle BCS. Diese gab die Information an ihre Kunden Alnatura und Dennree weiter. Die gesamte Il Mazzocchino-Ware wurde aus den Regalen geräumt. Noch in der ersten Septemberhälfte hatte Dennrees Biomarkt-Verbund die Bio-Salamis Gentile und Rusticano von Il Mazzocchino im Angebot, 2,79 für 80 Gramm. Noch sind einzelne Il Mazzocchino-Produkte in den Online-Shops einzelner Dennree-Kunden zu finden. Nachfragen durch BioHandel ergaben, dass es sich dabei um digitale Altlasten handelte. Man hatte vergessen, die Seiten zu entfernen.

Vor zwei Jahren: Probleme mit italienischem Kochschinken

Probleme mit italienischem Wurstwaren hatte es bereits vor zwei Jahren gegeben. Damals hatte Isana Naturkost (Marke Bio-Verde) in italienischen Bio-Mortadellas und Kochschinken, die im Fachhandel angeboten wurden, Nitritwerte festgestellt, die teilweise höher waren als vom Gesetzgeber zugelassen. Außerdem fand das Unternehmen Glutamate, Phosphate sowie Verdickungsmittel, die alle nicht deklariert waren. Isana stellte damals die Unterlagen den Mitbewerbern zur Verfügung und zog für sich die Konsequenz, keinen Kochschinken mehr aus Italien zu beziehen, da es keinen vertrauenswürdigen Lieferanten gebe.

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