Interessenskonflikte bei Lebensmittelbehörde

Zwischen den Gentechnik-Experten der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA und der Industrie bestehen enge Verbindungen. Die Organisation Testbiotech hat diesen Interessenkonflikt am Beispiel Harry Kuiper nun öffentlich gemacht. Der niederländische Professor leitet das GMO Panel, die Expertengruppe, die bei der EFSA für die Prüfung der Risiken gentechnisch veränderter Pflanzen zuständig ist. Er und ein weiterer EFSA-Experte, Gijs Kleter, arbeiten seit Jahren mit dem industrienahen International Life Science Institut (ILSI) in den USA zusammen. Diese Organisation befasst sich mit Themen der Lebensmittelsicherheit und entsprechenden gesetzlichen Regelungen. Testbiotech konnte nachweisen, dass ILSI die Zulassungsregeln der EFSA wesentlich beeinflusst hat. Nach Angaben von Testbiotech arbeiteten Kuiper und sein Kollege bis 2003 für das ILSI. Sie waren Mitglieder einer Task Force, in der alle großen Gentechnik-Konzerne vertreten waren, und entwarfen Regeln zur Risikoabschätzung für gentechnisch veränderte Pflanzen. 2003 wechselte Kuiper zur EFSA und übernahm dort die Leitung des GMO Panels. Dieses legte als erstes Regeln für die Risikoabschätzung von gentechnisch veränderten Pflanzen fest. Diese glichen – wie Testbiotech aufzeigt – oft wörtlich den Vorschlägen, die Kuiper zusammen mit der ILSI Task Force ausgearbeitet hatte. Als Beleg für die erfolgreiche Beeinflussung zitiert Testbiotech den Leiter der ILSA Task Force, den Monsanto-Mitarbeiter Kevin Glenn. Textvergleiche zeigen nach Ansicht von Testbiotech-Geschäftsführer Christoph Then auch, dass ILSI die 2007 erlassenen Regeln der EFSA für Fütterungsversuche beeinflusst hat. Es sei offensichtlich, dass die EFSA einzelne Passagen eines ILSI-Reports von 2004 kopiert habe, schreibt Then und fügt hinzu: „Unser Bericht beschreibt wohl nur die Spitze des Eisbergs: Es muss befürchtet werden, dass es zwischen Experten der EFSA und der Industrie eine langjährige und systematische Zusammenarbeit gibt, die es der Behörde unmöglich macht, ihre Aufgabe einer umfassenden Risikobewertung wahrzunehmen.“ Kuiper selbst beschreibt in seiner declaration of interest auf der EFSA-Webseite seine Arbeit für ILSI als „Beiträge eines unabhängigen Experten“. Angestellt war er von 1984 bis 2006 bei der Universität Wageningen. Bereits Ende September war bekannt geworden, dass im Verwaltungsrat der EFSA eine Mitarbeiterin der ILSI, Diána Bánáti, sitzt. Diese legte nach dem Bekanntwerden ihrer Verbindungen ihre Tätigkeiten bei der ILSI nieder. In einem anderen Fall war die Leiterin der Gentechnikabteilung, Suzy Renckens, direkt von der EFSA zur Gentechnikindustrie gewechselt, ohne dass die Behörde irgendwelche Einwände erhoben hatte. Neue Vorwürfe wurden jüngst wegen Interessenskonflikten der Behörde bei der Bewertung von Chemikalien erhoben. Auch hierbei spielt ILSI eine entscheidende Rolle. Als Konsequenz fordert Testbiotech eine Neuorganisation der EFSA und ihres GMO Panels unter Einbeziehung von Umwelt- und Verbraucherorganisationen. Mehr zum Thema

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.