Neukunden in Bioläden wegen Dioxins

Nach zwei Jahren mit Steigerungsraten um die sieben Prozent konnte der Naturkostgroßhandel in Deutschland 2010 wieder ein Umsatzplus von annähernd zehn Prozent verbuchen. Das hat der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) Herstellung und Handel e.V. auf der BioFach in Nürnberg bekannt bekanntgegeben. Betrachtet man ausschließlich die und Biomärkte, die auch schon 2009 am Markt waren, ergibt sich für 2010 ein flächenbereinigter Umsatzzuwachs von 4,2 Prozent. Das zeigt der Bio-Branchen-Betriebsvergleich, dessen vorläufige Ergebnisse für 2010 die Kommunikationsberatung Klaus Braun vorlegte. „Das ist eine Bilanz, von der kaum eine andere Branche in Deutschland zu träumen wagt“, freut sich Elke Röder, Geschäftsführerin des BNN Herstellung und Handel e.V. „Immer mehr Menschen haben den Einheitsbrei mit Geschmacksverstärkern und künstlichem Aroma satt. Sie verlassen sich nicht mehr auf die schönen Versprechungen der Werbung und suchen nach gesunden und ehrlichen Alternativen.“ Klaus Braun nennt als Hauptgründe für die gute Marktposition der Bio-Fachgeschäfte ihre hochwertige Einkaufsatmosphäre, die Sortimentsvielfalt mit hohem Frischeanteil und das fachkundige Personal. Seine Auswertung kommt zu dem Ergebnis, dass jeder Kunde beim Einkauf im Bio-Fachhandel im Durchschnitt knapp 17 Euro ausgibt. Bei den großflächigen Biosupermärkten liegt dieser Wert sogar um 2,50 Euro höher. 70 solcher Märkte wurden im vergangenen Jahr neu eröffnet; ihre Bedeutung für das gesamte Marktgeschehen nimmt weiter zu. In allen Verkaufsstätten verbesserte sich die Handelsspanne 2010 erneut. Dies und die leicht reduzierten Kosten führen zu einem durchschnittlichen Betriebsergebnis von 6,6 Prozent des Jahresumsatzes. Dioxin-Skandal führt zu erhöhter Nachfrage im Bio-Fachhandel Eine besondere Dynamik brachte der jüngste Dioxin-Skandal in die Umsatzkurve. Nachdem in Januar 2011 bundesweit erhöhte Rückstände in Eiern und Fleisch bekannt geworden waren, stieg vor allem die Nachfrage nach Bio-Eiern sprunghaft. Die BNN-Bilanz für den Januar 2011 zeigt aber auch ein ungewöhnliches Umsatzplus von 20 Prozent für den gesamten . Laut einer Befragung, die Klaus Braun Anfang Februar 2011 vornahm, war im Januar jeder achte Kunde im Bio-Fachhandel ein Neukunde. Eine Umfrage, die der BNN Herstellung und Handel kurzfristig bei der Agrifood Consulting GmbH in Auftrag gegeben hat, zeigt, dass tatsächlich 11 Prozent der Befragten ihr Verhalten als Folge des Dioxinskandals geändert haben und generell mehr Bio-Produkte kaufen. Die Agrifood-Umfrage bestätigt auch, dass der Dioxin-Skandal für einen Schub neuer Kunden im Bio-Fachhandel gesorgt hat. Jeder Zehnte bezeichnete sich als Neukunde. „Der Lebensmitteleinkauf ist immer mehr eine Vertrauensfrage. Dass Naturkostfachgeschäfte in Krisensituationen nicht nur ihre Stammkunden überzeugen können, sondern sogar Neukunden gewinnen können, zeigt die besondere Glaubwürdigkeit der Branche“, erklärt Dr. Anke Zühlsdorf, Geschäftsführerin der Agrifood Consulting GmbH. In dieser Gruppe äußerte sich gut die Hälfte zufrieden über die neue Einkaufsstätte. 16 Prozent wollen sogar „auf jeden Fall“ wieder dort einkaufen. Wie nach dem BSE-Skandal vor zehn Jahren könnte ein guter Teil der neuen Käufer dem Bioladen treu bleiben. Dafür spricht, dass sich diese Neukunden stärker über Lebensmittelskandale ärgern als Kunden ohne Bio-Erfahrung und sogar stärker als die regelmäßigen Biokunden. „Diese Menschen machen sich Sorgen um ihre Gesundheit und die ihrer Familien“, sagt BNN-Geschäftsführerin Elke Röder. „Sie wollen wissen, wie und wo ihre Nahrungsmittel produziert werden. Der Weg in den Bioladen ist da nur konsequent.“

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