Neue Strahlen-Grenzwerte noch immer zu hoch

Brüssel hat auf die Kritik von Umweltinstitut München und Foodwatch reagiert und die hohen Grenzwerte für die Einfuhr japanischer Lebensmittel gesenkt. Doch auch die neue Regelung sei noch nicht ausreichend, sagt das Umweltinstitut München. Da in Deutschland keine radiologische Notstandssituation herrscht, fordert das Umweltinstitut München einen Importstopp für Lebensmittel, die durch die atomare Katastrophe in Fukushima verstrahlt wurden. Die EU hat die neuen Grenzwerte an die niedrigeren japanischen angeglichen. Diese findet man hier. Der Vorstand des Umweltinstituts München kritisiert jedoch die hohen Werte für Jod-131 und Strontium-90. „Auch die neue Regelung ist bei uns nicht sinnvoll, da weder in Deutschland noch in der EU eine radiologische Notstandssituation herrscht und unsere Ernährung auch ohne verstrahlte Lebensmittel gesichert ist,“ erklären Christina Hacker und Harald Nestler. Da Teile Deutschlands Jodmangelgebiete sind, ist die Aufnahme von radioaktivem Jod- 131 gefährlicher, als in Ländern ohne Jodmangel wie Japan. Die Schilddrüse kann nicht zwischen radioaktivem und nicht-radioaktivem Jod unterscheiden. Eine ungesättigte Schilddrüse nimmt radioaktives Jod gierig auf. „Damit wäre die Gefahr an Schilddrüsenkrebs zu erkranken bei uns folglich höher als in Japan“, so Hacker. Wegen der geringen Lebensmittelmenge, die aus Japan importiert wird, fordert das Umweltinstitut München einen kompletten Importstopp, mindestens bis der Jodanteil abgeklungen ist. „Jod-131 ist aufgrund seiner kurzen Halbwertzeit von acht Tagen in drei Monaten bereits auf 1/1000 der ursprünglichen Menge reduziert“, erläutert Karin Wurzbacher, Physikerin am Umweltinstitut München. Da aus den havarierten Reaktoren nach wie vor Jod-131 freigesetzt wird, ist ein Ende der Belastung jedoch nicht absehbar. Das Umweltinstitut rät deshalb, mit der Einfuhr haltbarer Lebensmittel solange zu warten, bis der Jod-Anteil abgeklungen ist und auf frische Lebensmittel aus Japan ganz zu verzichten. Auf diese Weise ließe sich diese Gefahr fast vollständig vermeiden. Auch bei Strontium-90 gelten noch die hohen Werte aus der EU-Notstandsverordnung, da Japan hierfür offenbar keine Grenzwerte eingeführt hat. Wurzbacher erklärt: „Strontium ist radiobiologisch sehr kritisch zu betrachten. Es lagert sich in den Knochen ein, verbleibt sehr lange im Körper (die biologische Halbwertzeit beträgt mindestens fünf Jahre) und schädigt so Knochenmark und blutbildende Organe.“ Deshalb fordert das Umweltinstitut München, dass Strontium-Werte nicht höher als Plutonium-Werte sein dürfen, die im Vergleich drastisch abgesenkt wurden. Inzwischen wurden in Österreich bereits 100-prozentige Lebensmittelkontrollen und die Veröffentlichung der konkreten Werte verfügt. Das Umweltinstitut München erwartet nun von Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner, dass – so lange die EU keinen Importstopp verhängt – auch die deutschen Verbraucher erfahren, wie hoch eingeführte Lebensmittel belastet sind. Dabei ist eine konkrete Bennennung der Werte unabdingbar. Verschleierungen, wie die Belastung liege „unterhalb des Grenzwertes“ oder „im natürlichen Bereich“ seien inakzeptabel. Mehr zum Thema

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