Rüstungs-Investor stoppen! Hess natur retten!

Durch die Insolvenz des Arcandor-Konzerns (ehemals Karstadt-Quelle) steht der öko-faire Textilversand zum Verkauf. Carlyle, ein Rüstungskonzern und Private Equity Fonds von weltweitem Rang hat sich bereits sechs gesunde Firmen der Arcandor-Tochter Primondo in den Einkaufskorb gepackt. Darüber hinaus möchte der US-Finanzinvestor sich gern mit schmücken. Private Equity-Fonds dürfen beispielsweise kreditfinanzierte Ausschüttungen vornehmen und die Schulden dem gekauften Unternehmen aufbürden, das sie nach kurzer „Beteiligung“ gern ausgeplündert zurück lassen. Die Attac-Finanzmarkt-AG fordert daher seit Jahren, solchen Fonds ein Korsett politischer Regulierungen zu verpassen. Carlyle macht noch dazu im Rüstungsgeschäft Milliarden. Fast 10.000 Menschen haben daher im Internet ihren Boykott angekündigt, falls Carlyle den Ökotextilhändler kaufen sollte. Mit diesen Unterschriften im Gepäck fuhren am 28. Februar Aktive von attac, dem Netzwerk Solidarische Ökonomie und vom Betriebsrat Hess Naturs nach Berlin zur weltweiten Konferenz der Private Equity Fonds, dem sogenannten „Superreturn“ (= Superrendite!). Unter dem Motto „Am Plündern hindern! – Private Equity Fonds regulieren, Beschäftigte beteiligen“ protestierten sie, verkleidet als moderne Piraten in Anzügen, mit Transparenten lautstark gegen Carlyles Politik. Durch diese und andere Aktionen wurde eine vor der breiten Öffentlichkeit verhüllte Übernahme erfolgreich verhindert. Ob Carlyle gänzlich vom Verkaufstresen vertrieben wurde bleibt jedoch ungewiss. Anstatt ergeben auf den einen oder anderen Finanzfonds zu warten, wollen Mitglieder des Netzwerk Solidarische Ökonomie und der gleichnamigen attac AG die Chance nutzen, zu einem demokratischen Betrieb umzustricken. Sie entwickelten ein Alternativkonzept, das dem Pionierbetrieb für öko-faire Kleidung gut stehen würde: MitarbeiterInnen, KundInnen und längerfristig interessierte InvestorInnen (z.B. LieferantInnen) könnten gemeinsam als Kooperative weiterführen. Die Rechtsform der Genossenschaft (eG) bietet u.a. den Vorteil, dass KundInnen in Form einer Rückvergütung (nachträglicher Rabatt) steuerfrei am Gewinn der Firma beteiligt werden können. Denn Genossenschaften (wie übrigens auch Greenpeace Energy, EWS Schönau oder die taz eG) sind quasi wirtschaftliche Selbsthilfe-Einrichtungen. Sie dürfen zwar Gewinne machen, sind aber per Gesetz nicht primär auf Gewinn sondern auf Nutzen ausgerichtet – im Gegensatz zur unverschleierten Renditeorientierung von Private Equity Fonds. Anders als in Aktiengesellschaften gilt in Kooperativen weltweit das Demokratieprinzip: Jedes Mitglied hat eine Stimme – unanhängig von der Menge der erworbenen Anteile. Als Kooperative wäre praktisch nicht mehr übernehmbar! Der Betriebsrat von ließ sich spontan begeistern und treibt die Idee seither aktiv mit voran. „Die Genossenschaft wäre die beste Alternative für “, so Walter Strasheim-Weitz vom Betriebsrat. Darüber hinaus sind diverse ExpertInnen bzw. Beratungsorganisationen und die Kampagne für Saubere Kleidung ebenfalls aktiv mit dabei. Auch erste LieferantInnen und der IVN (Internationaler Verband der Naturtextilwirtschaft) reagierten sehr interessiert und kooperativ. Inzwischen (17.3.) wurde die hnGeno eG iG – die Genossenschaft zur Weiterführung von gegründet. Derzeit scheint nicht einmal ganz klar, wer für den Verkauf von zuständig ist. Der bisherige Verantwortliche bei Primondo, Herr Siekmann, ist beim Kauf der sechs Tochterfirmen durch Carlyle gleich selbst mit unter den Rock des Rüstungsinvestors geschlüpft. Fest steht: Der Karstadt-Quelle-Mitarbeiter-Trust (KQMT) sollte als alleiniger Gesellschafter der -Textil GmbH die Fäden in der Hand haben. Der Pensionsfonds muss die Renten ehemaliger Belegschaften von Karstadt-Quelle aufbringen. Eine Alternative zum Verkauf wäre die direkte Umwandlung der GmbH in eine Genossenschaft. Jetzt sucht die hnGeno Menschen, die Absichtserklärungen für den Kauf von Genossenschaftsanteilen (à 250,- €) über ein Treuhandkonto unterzeichnen. Käme es nicht zur Betriebsfortführung von durch die Kooperative, würde das Geld zurück überwiesen. Ab vier Anteilen werden die Einlagen nach Abschluss eines erfolgreichen Betriebsjahres verzinst (laut Satzung mit mindestens 4%). Schon wenige Tage nach der Gründung hatten ca. 1.300 Menschen und Organisationen eine online-Absichtserklärung zur Mitgliedschaft unterzeichnet! Jede Zusage hilft, bei den anstehenden Verhandlungen stärker aufzutreten. „Wenn Tausende sich gemeinsam beteiligen, gelingt es, Carlyle etwas entgegenzusetzen! Unser Ziel ist ehrgeizig aber schaffbar“, so hnGeno-Vorstandsmitglied Christina Pöttner. Aktuelle Mitmach-Infos zur hnGeno – Genossenschaft finden sich unter www.hnGeno.de. Mehr zum Thema

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