Gentechnik vor Petitionsausschuss

„Die Risiken gentechnisch veränderter Organismen (GVO) werden vor der Zulassung weder mit der notwendigen Sorgfalt untersucht, noch gibt es funktionierende Systeme zur Überwachung gesundheitlicher und ökologischer Auswirkungen nach ihrer Zulassung“, so lautet das Ergebnis der heute anlässlich der öffentlichen Beratung der -Gentech-Petition im zuständigen Ausschuss des Bundestages veröffentlichten Studie „Risiken mit amtlichem Siegel: Mängel bei der Zulassung gentechnisch veränderter Pflanzen“.

„Das Zulassungsverfahren von Gentech-Pflanzen hält nicht, was es verspricht“, kritisiert BÖLW- Vorstandsvorsitzender Felix Prinz zu Löwenstein das EU-Verfahren. „Die Bundesregierung muss sich in Brüssel sofort für dessen Reform sowie für die Möglichkeit regionaler Anbauverbote von Gentech-Pflanzen einsetzen. Wir brauchen eine gründliche Risikoprüfung, denn einmal in die Natur entlassen, können GVO nicht wieder zurückgeholt werden.“

Die Studie zeigt auf, dass die „vergleichende Risikoprüfung“ veraltet ist, bei der die Gefahren von Gentech-Pflanzen mit herkömmlich gezüchteten grundsätzlich gleichgesetzt werden. „Die derzeitige Risikoprüfung wird den spezifischen Gefahren von Gentech-Pflanzen nicht gerecht“, sagt Studienautor Christoph Then vom Institut für unabhängige Folgenabschätzung in der Biotechnologie, Testbiotech und bemängelt außerdem die Industrienähe der zuständigen EU-Behörde EFSA. „Die Daten, die zur Zulassung anerkannt werden, genügen wissenschaftlichen Standards oft nicht und stammen zudem häufig von den Antrag stellenden Unternehmen selbst.“

Von konkreten Schäden durch den Anbau von GVO berichtet der argentinische Wissenschaftler Andrés Carrasco. Er fand heraus, dass bereits geringe Dosen der Chemikalie Glyphosat, Wirkstoff des weltweit meist verkauften Totalherbizids Roundup, Geburtsschäden und Missbildungen bei Fröschen und Hühnern verursachen können. „In Argentinien, wo Glyphosat massiv auf Felder mit herbizidtoleranter Gentech-Soja gesprüht wird, berichten Ärzte aus den betroffenen Kommunen verstärkt über die Häufung von Geburtsschäden und erhöhten Krebsraten beim Menschen.“

Derzeit warten 20 herbizidtolerante Pflanzen auf eine EU-Anbau-Zulassung. „Bundesregierung und EU müssen ihre Bürger vor den Risiken der schützen“, fordert Löwenstein. „Das Interesse der Industrie an der ist es, über Koppelgeschäfte den Absatz von Pestiziden zu sichern.“ Mehr als 100.000 Menschen haben mit der Petition gegen einmal mehr gezeigt, dass sie keine auf dem Acker und dem Teller wollen. Löwenstein: „In der öffentlichen Beratung werden wir diese Stimmen vertreten und uns für einen Zulassungsstopp von Gentech-Pflanzen stark machen.“

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