Zehn Jahre Bio-Siegel in Deutschland

“Wo drauf steht, ist auch drin” – mit dieser klaren Botschaft ging das 2001 in Deutschland an den Start. Heute, zehn Jahre später, gibt es im Handel mehr als 62.000 Produkte, die mit dem Label gekennzeichnet sind.

biosiegelMehr als 3.900 Unternehmen vor allem aus dem Bereich Handel und Verarbeitung haben den Sektor für sich erschlossen und verwenden das Siegel. “Bio” ist zu einem wichtigen Standbein der deutschen Land- und Ernährungswirtschaft geworden. “Die Erfolgsgeschichte des Bio-Siegels zeigt, wie Klarheit und Transparenz bei der Kennzeichnung von Lebensmitteln zum Erfolg für einen ganzen Wirtschaftszweig geworden sind”, sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner am Montag in Berlin. Kürzlich wurde der Markenschutz für das Bio-Siegel auf Initiative des Bundeslandwirtschaftsministeriums um weitere zehn Jahre verlängert. Aigner: “Ich bin mir sicher, dass dieses Siegel seinen Erfolgskurs fortsetzen wird.”

Am 5. September 2011 jährte sich die Einführung des erfolgreichen Kennzeichnungsmodells zum zehnten Mal. Die Attraktivität des Siegels bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern ist ungebrochen. Ein Erfolgsfaktor ist die hohe Bekanntheit: Rund 87 Prozent der Konsumenten kennen das Bio-Label. Wer auf Bioprodukte Wert legt, achtet beim Einkauf auf das Siegel. Es schafft Klarheit, Sicherheit und Transparenz, unabhängig vom Verkaufsort oder der jeweiligen Marke. “Wegen der Vielzahl unterschiedlicher Öko-Kennzeichen war es für Verbraucher früher nicht immer einfach, den Überblick zu behalten. Seit es das staatliche Bio-Siegel gibt, kann der Verbraucher auf den ersten Blick erkennen, welche Produkte nach den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau produziert und kontrolliert werden. Das staatliche Bio-Siegel ist eine wichtige Orientierungshilfe für Verbraucher, es ist vertrauenswürdig und verlässlich”, betonte Aigner. EU-weit gültige Rechtsvorschriften garantieren einheitliche Standards für den ökologischen Landbau. Das Bio-Siegel steht für eine ökologische Produktion und besonders artgerechte Tierhaltung.

Die deutsche Bundesregierung hat sich mit Nachdruck dafür eingesetzt, dass das deutsche Erfolgsmodell auch auf europäischer Ebene eingeführt wird: Seit 1. Juli 2010 müssen vorverpackte Bio-Lebensmittel mit dem neuen EU-Bio-Logo gekennzeichnet werden. Das deutsche Bio-Siegel stand dafür Pate – es kann unverändert auch zusammen mit dem EU-Bio-Logo weiter verwendet werden.

Das Bio-Siegel kann auch Vorbild sein für eine mögliche europäische Tierschutz-Kennzeichnung: Das Bundeslandwirtschaftsministerium setzt sich für ein Tierschutzlabel ein, das ebenso unbürokratisch und wettbewerbsneutral angewendet werden kann wie das Bio-Siegel. Gekennzeichnet werden sollen Produkte, bei denen besonders hohe Standards zum Wohle des Tieres eingehalten werden, die über die gesetzlichen Vorgaben hinaus gehen. “Auf diese Weise kann ein neuer Markt erschlossen werden”, sagte Aigner. Voraussetzung sei, dass die Standards wie bei der Bio-Produktion zuverlässig überprüft werden. “Wenn ein Verbraucher bereit ist, mehr Geld auszugeben für höhere Standards, muss der Mehrwert des Produktes klar belegt sein. Es darf sich nicht nur um einen Werbegag handeln, sondern der Verbraucher muss transparent und belegbar den Mehrwert des Produktes erkennen können. Zehn Jahre Bio-Siegel zeigen, dass dieses Prinzip funktioniert”, so Aigner.

Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft fordert mehr bio

Die Einführung des Bio-Siegels sieht auch der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) als Erfolg. Sie habe es Landwirten, Verarbeitern und Händlern erstmals ermöglicht, die zusätzlichen Leistungen des Ökolandbaus für Umwelt und Verbraucher auf ihren Produkten einheitlich sichtbar zu machen. Denn das sechseckige Siegel darf nur für Produkte verwendet werden, die nach den Richtlinien der EU-Ökoverordnung hergestellt sind. Unabhängige Kontrollen garantieren, dass tatsächlich Bio drin ist, wo das Bio-Siegel drauf steht.

In den vergangenen zehn Jahren haben sich sowohl der Umsatz mit Bioprodukten als auch der Flächenanteil der Biobetriebe und deren Anzahl verdoppelt. “Das Bio-Siegel hat einen erheblichen Beitrag zu dieser Entwicklung geleistet. Das steht außer Frage!”, sagt Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des BÖLW.

“Renate Künast setzte 2001 mit dem Bio-Siegel und der Schaffung des Bundesprogramms Ökologischer Landbau ihre Zusage um, dem Ökolandbau aus der Nische zu helfen”, beschreibt Löwenstein die Maßnahmen der damaligen Landwirtschafts- und Verbraucherministerin. Er forderte Bundeslandwirtschaftministerin Ilse Aigner auf, sich für den Ökologischen Landbau als Leitbild für die Entwicklung unserer Landwirtschaft einzusetzen und das 20-Prozent-Ziel Ökolandbaufläche entsprechend der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung durch konkrete Maßnahmen anzupacken. Angesichts einzelner Bundesländer, die aus der Umstellungsförderung ausgestiegen sind, sei ein klares Signal “wie es vor zehn Jahren von der Politik ausgesandt wurde” dringend erforderlich.

Das Bio-Siegel findet sich heute auf 62.887 Produkten und wird von 3.932 Unternehmen genutzt. Es ist das europaweit am weitesten verbreitete Prüfsiegel für Produkte aus Ökologischem Landbau. Die zusätzlichen Siegel der deutschen Anbauverbände kennzeichnen einen Standard, der über die Anforderungen der EU-Ökoverordnung hinausgeht. Sie machen zudem deutlich, dass ein Produkt von Bauern und Lebensmittelverarbeitern erzeugt wurde, die nicht anonym bleiben, sondern in ein System von Betreuung und Beratung eingebunden sind.

Hintergrundinformationen:

Deutschland ist innerhalb der Europäischen Union der größte Absatzmarkt für Bioprodukte und steht weltweit nach den USA an zweiter Stelle. Rund ein Drittel der 17,9 Milliarden Euro, die in der EU mit Bioprodukten erwirtschaftet werden (ohne Export), gehen damit auf den deutschen Umsatz mit Biowaren zurück. Dabei gilt zu berücksichtigen, dass die Versorgung des deutschen Marktes mit Bioprodukten derzeit noch auf einem relativ hohen Importanteil basiert. Die Verbraucher kaufen aber zunehmend regionale und saisonale Produkte. Dies ist eine Chance auch für die Biobranche, die nach wie vor noch großes Potenzial hat.

Die wachsende Bedeutung der Biobranche zeigt sich auch in der stetig zunehmenden Zahl der ökologisch bewirtschafteten Fläche und der ökologisch wirtschaftenden Betriebe. Im Jahr 2010 wurden in Deutschland rund 991.000 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche von 21.942 Betrieben ökologisch bewirtschaftet. Weltweit beträgt die ökologisch bewirtschaftete Fläche rund 35 Millionen Hektar.

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