Bio-Landbau schützt Böden und Klima

“Der Ökologische Landbau schützt unsere Ackerböden und fördert ihre Fruchtbarkeit wie kein zweites Anbausystem”, sagt Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (), anlässlich des Internationalen Weltbodentages am 5. Dezember 2012 und erklärt: “Nur intakte Böden können dauerhaft stabile Erträge liefern und CO2 speichern. Wer die Herausforderungen Welternährung und Klimaschutz ernst nimmt, muss sich für die Ausweitung des Ökolandbaus einsetzen und Böden nachhaltig schützen.”

Der Ökolandbau fördert aktiv die Regeneration der organischen Bodensubstanz durch Ausbringen von organischem Dünger und Fruchtfolgen mit einem hohen Anteil an Fruchtbarkeit mehrenden Pflanzenarten. Das führt zu einer höheren biologischen Bodenaktivität und einem stabileren Bodengefüge und hilft daher Erosion zu verringern. Dies wird durch die für den Ökolandbau typische konsequente Bodenbedeckung (Zwischenfruchtanbau, Untersaaten, mehrjähriger Feldfutterbau) verstärkt. “Die aktive Verbesserung der Bodenqualität, der Schutz vor Erosion und die verbesserte Wasserspeicherung sind der Schlüssel für eine erfolgreiche und zukunftsfähige Landnutzung bei uns aber auch in den ärmeren Ländern des Südens,” sagt Löwenstein und warnt: “Mit mineralischem Stickstoffdünger und dem Anbau von Monokulturen wird in weiten Teilen der landwirtschaftlichen Praxis immer noch auf das falsche Pferd gesetzt. Zwar können durch diese Maßnahmen kurzfristig höhere Erträge erzielt oder durch den Umbruch von Grünland und Mooren mehr Ackerflächen geschaffen werden, die langfristig resultierende Verminderung der Bodenqualität durch Verlust an organisch aktiver Substanz und das Freisetzen von klimaschädlichen CO2 aus den umgebrochenen Flächen wirken jedoch sowohl der Sicherung stabiler Erträge als auch der Vermeidung von landwirtschaftlichen Emissionen entgegen.”

Obwohl das Potential des Ökolandbaus für den Erhalt und die Verbesserung der Bodenqualität und die beschriebenen positiven Effekte bekannt und vielfach wissenschaftlich belegt sind, werden seiner Ausdehnung von Seiten der Politik weiterhin Steine in den Weg gelegt. Die Bundesregierung müsse endlich, so Löwenstein, mit einer vorrangigen Förderung des Ökolandbaus die Umstellung auf diese bodenschonende Wirtschaftsweise forcieren und sowohl in Deutschland als auch international als landwirtschaftliches Leitbild etablieren.

Böden schützen – Siedlungsflächenrecycling vorantreiben

Eine rasche und effiziente Eindämmung des Flächenverbrauchs in Deutschland fordert Demeter-Vorstand Stephan Illi von der Politik: Täglich werden in Deutschland durch Bauaktivitäten mehr als 100 Hektar Boden zerstört. Der auf der jährlich zerstörten Fläche von 365 Quadratkilometern erzielbare Weizenertrag von etwa zwei Millionen Tonnen könnte eine Großstadt wie Bochum ernähren. „Dieser Umgang mit dem Boden und seinem Potenzial für die Lebensmittelerzeugung ist verantwortungslos“, kritisiert der Agraringenieur Stephan Illi im Namen der biodynamischen Gemeinschaft. Es gehe nicht an, sich einerseits mit Forderungen und Technologietransfer an weniger entwickelte Staaten zu profilieren und andererseits daheim die grundlegenden Hausaufgaben für eine weltweite Sicherung der Ernährung zu versäumen. Boden als endliche Ressource ist nicht wieder herstellbar, so der Demeter-Vorstand. Daher müsse er europa- und weltweit nachhaltig und konsequent  geschützt werden.

Wie das am optimalsten gelinge, zeigten gerade biodynamische Projekte etwa in Sekem, wo ägyptischer Wüstenboden dank Biologisch-Dynamischer Wirtschaftsweise fruchtbar gemacht wird. Demeter-Landwirte und -Gärtner erhöhen mit biodynamischen Maßnahmen am nachhaltigsten und erfolgreich die Bodenfruchtbarkeit. Das zeigen Langzeitstudien wie beispielsweise der  2002 in Science präsentierte DOK-Versuch. Biodynamische Landwirtschaft erzeuge so positive Effekte, die angesichts des Klimawandels modellhaft seien: der Humusaufbau ermögliche effektive CO2-Bindung oder verbesserten Hochwasserschutz durch intensivere Versickerung von Niederschlägen. Im Systemvergleich von konventioneller, ökologischer und biodynamischer Wirtschaftsweise schneidet Demeter hinsichtlich lebendiger Böden am besten ab. „An diesem Potenzial sollten sich Politik und Forschung orientieren, um sowohl die natürlichen Ressourcen wie auch die Nahrungsqualität  zu erhalten bzw. weiter zu entwickeln“,  betont der Vorstand des Demeter-Verbandes.

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Ein Gedanke zu „Bio-Landbau schützt Böden und Klima“

  1. Der Raiffeisenverband kritisierte Ende Juni 2012 den zunehmenden Maisanbau für die „Bio“gasproduktion in Deutschland. Dies verringere das übrige Getreideangebot allein in diesem Jahr um rund 4 Millionen Tonnen, sagte der Geschäftsführer des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV), Henning Ehlers. Nach der aktuellen Schätzung erwartet der DRV eine Getreideernte ohne Mais von 41,5 Millionen Tonnen. Damit werde der durchschnittliche Bedarf von 41,8 Millionen Tonnen nicht gedeckt. Ehlers beklagte eine „politisch geförderte Verknappung des Getreideangebots”, die durch mehr Importe von Getreideersatz wie Soja kompensiert werden müsse. Die Folgen seien steigende Futterkosten und damit eine geringere Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft, so der DRV-Geschäftsführer.
    Die entscheidenden Folgen, welche Herr Ehlers nicht anspricht sind steigende Kosten für Grundnahrungsmittel – nicht nur in Deutschland, sondern vor allem in den Entwicklungsländern (= weltweit steigender Hunger!)
    Nach unserer Auffassung ist ethisch nicht zu vertreten, Lebensmittel (sogenannte NawaRo = nachwachsende Rohstoffe) in “Bio“gasanlagen zur Energiegewinnung zu Vergären. Dabei ist nach Expertenmeinung hinlänglich bekannt, dass solche “Bio“gasanlagen keinen Beitrag zur Energiewende leisten (siehe Stellungnahme des wissenschaftlichen Beirats des Bundesministeriums für Landwirtschaft!!, WWF Studie: Bio Energie im großen Sti(e)l 2011, NABU Gutachten Schleswig-Holstein 2011 u.s.f). Zudem sind diese Agromethangasanlagen umweltschädlich und lediglich eine Renditemaschinerie (auf Kosten des Steuerzahlers), welche zur Verteuerung von Lebensmitteln beiträgt und somit dem Hunger in den Entwicklungsländern weltweit Vorschub leistet!
    Progoellheim protestiert gegen eine solche Energiepolitik! http://www.progoellheim.eu

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