Die Deutsche Bank und die Spekulation mit Nahrungsmitteln

Entgegen ihrer Ankündigung entscheidet die nicht bis Ende Januar über den Ausstieg aus der . „Wir stehen erst am Anfang der von mir zugesagten Überprüfung unseres Geschäfts mit Agrar-Rohstoffen“, so Deutsche-Bank-Chef Josef in einem Brief an .

Per E-Mail teilte seine für Nachhaltigkeit zuständige Mitarbeiterin Foodwatch mit, die Deutsche Bank werde nun „in den kommenden Monaten eine umfassende Studie zum Thema“ erarbeiten. Einen konkreten Zeitpunkt für die Entscheidung nannte sie nicht mehr. Ursprünglich hatte die Deutsche Bank dagegen zugesagt, bis Ende Januar über den Ausstieg aus der Spekulation mit Nahrungsmitteln zu entscheiden. Auslöser war der Mitte Oktober 2011 veröffentlichte Foodwatch-Report „Die Hungermacher“. Darin dokumentiert Foodwatch, dass die Spekulation mit Agrar-Rohstoffen die Nahrungsmittelpreise nach oben und Menschen in den Hunger treibt. Bis heute haben mehr als 60.000 Menschen die Deutsche Bank daraufhin per E-Mail und per Post zum Ausstieg aufgefordert.

„Die Ankündigung der Deutschen Bank war offensichtlich nur ein PR-Trick, um die Öffentlichkeit zu beruhigen“, so Foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode. Einen Tag nach der Veröffentlichung des Foodwatch-Reports und tausenden Protestmails hatte Josef Ackermann in einem persönlichen Brief an Foodwatch noch versprochen, die Deutsche Bank werde den Report „gründlich prüfen“ und sich „um eine möglichst rasche und detaillierte Antwort bemühen“. „Kein Geschäft ist es wert, den guten Ruf der Deutschen Bank aufs Spiel zu setzen“, schrieb Josef Ackermann damals. Doch von einer gründlichen Prüfung könne keine Rede sein, so Thilo Bode. Bei einem Gespräch von Foodwatch mit Deutsche-Bank-Vertretern in London Mitte Dezember 2011 habe ein leitender Rohstoff-Händler sogar klipp und klar zugegeben, dass er den Foodwatch-Report nicht einmal gelesen habe.

„Während die Deutsche Bank angeblich prüft und Studien erarbeitet, sterben Menschen in den ärmsten Ländern an Hunger – auch wegen der Spekulationsgeschäfte der Deutschen Bank“, so Thilo Bode. Er forderte die Deutsche Bank auf, die Entscheidung nicht länger hinauszuzögern. „Die Tatsachen liegen auf dem Tisch, die Belege für die schädlichen Auswirkungen der Spekulation sind überwältigend. Josef Ackermann muss die Spekulationsgeschäfte mit Nahrungsmitteln jetzt unverzüglich stoppen!“ Statt von anderen den letzten Beweis für die Schädlichkeit der Geschäfte einzufordern, müsse die Deutsche Bank diese Geschäfte jetzt vorsorglich beenden – oder selbst deren Unschädlichkeit nachweisen.

Über eine E-Mail-Aktion unter dem Motto „Hände weg vom Acker, Mann!“ haben auf der gleichnamigen Internetseite www.haende-weg-vom-acker-mann.de seit Oktober mehr als 57.000 Menschen von der Deutschen Bank den Ausstieg aus der Spekulation mit Nahrungsmitteln gefordert. Per Post sind bei der Deutschen Bank in den vergangenen Tagen zusätzlich fast 4.000 Unterschriften eingegangen. Insgesamt 84 Prozent der Bundesbürger halten es für nicht akzeptabel, dass die Deutsche Bank und andere Investmentbanken mit Agrar-Rohstoffen wie Weizen oder Mais spekulieren. Das war das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im November 2011. Zwei Drittel der Befragten forderten, dass die Deutsche Bank die Spekulation mit Nahrungsmitteln beendet.

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Ein Gedanke zu „Die Deutsche Bank und die Spekulation mit Nahrungsmitteln“

  1. Mitglieder der Online-Arbeitsgruppe Occupy:Occupy haben gemeinsam mit Occupy Frankfurt die Petition “Spekulationen mit Nahrungsmitteln sind gesetzlich zu verbieten” erarbeitet und am 6.3.2012 als Sammelpetition mit 3monatiger Mitzeichnungsfrist auf der unabhängigen Petitionsplattform openPetition freigeschaltet, sowie am 7.3.2012. mit dem Sammeln von Unterschriften auf Sammelbögen begonnen. Die Mitzeichnungsfrist endet am 5.6.2012.
    Aufgrund von verstärkten Finanzspekulationen mit Nahrungsmitteln und den daraus resultierenden erheblichen Preissteigerungen von Lebensmitteln auf dem Weltmarkt traten wiederholt Hungersnöte in den Ländern auf, die ihren Bedarf an Nahrungsmitteln nicht selbsterzeugend decken können. Occupy findet es moralisch nicht tragbar, dass Banken und Privatpersonen in der Lage sind, Lebensmittelpreise so zu beeinflussen, dass dadurch Menschen ihre Grundnahrungsmittel nicht mehr bezahlen können und verhungern.

    Positionslimits oder ähnliche Ansätze sieht Occupy als schwierig an, weil ein so komplexes Konstrukt wie der Derivatemarkt zu regulieren wäre. Durch manipulative Preistreiberei oder Preisverfallswetten sind mal die Verarbeiter und Konsumenten, ein ander mal die Erzeuger in ihrer Existenz bedroht. Das haben verschiedene Organisationen (z.B. Misereor) stichhaltig nachgewiesen. Insbesondere Rohstoff-Indexfonds und bestimmte Wertpapier-Derivate fördern die Preistrend-Übertreibungen. Das Vorhandensein dieser reinen Finanzspekulationsinstrumente verdrängt also zumindest in bestimmten Börsenmarktsituationen offensichtlich eine handhabbare gemäßigte Preisentwicklung.
    Fazit: Diese Wertpapiere sind schädlich für die Weltgemeinschaft, weil dadurch die Weltmarktpreisentwicklung künstlich in Höhen getrieben wird, die in armen Ländern Lebensmittel unbezahlbar machen und Hunger auslösen können, aber auch in bislang unerreichte Tiefen, die landwirtschaftliche Existenzen zunichte machen.
    Die Aktivisten von Occupy:Occupy fordern aus diesem Grunde das sofortige Verbot von reinen Finanzpekulations-Wertpapieren zum Basiswert Nahrung.

    weitere infos finden Sie unter folgenden links:

    homepage von occupy:occupy, Initiative hinter der Petition:
    http://occupy-occupy.de/
    Misereor, Beispiel für eine der Dokumentationen zum Thema:
    http://www.misereor.de/fileadmin/redaktion/Analyse_Nahrungsmittelspekulation_111005.pdf

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