Bayer mit tödlichen Pharma-Studien in Indien?

verlegt nach Angaben der Coordination gegen -Gefahren (CBG) immer mehr gefährliche Medikamenten-Versuche in arme Länder. Dort lockten ein großes Reservoir an Probanden, niedrige Preise und geringe behördliche Aufsicht. Allein in Indien sei es bei Menschenversuchen von zu mindestens 138 Todesfällen gekommen. Die Coordination gegen -Gefahren hat einen Gegenantrag zur Hauptversammlung des Konzerns eingereicht und hat vor den rund 4.000 Aktionären zum Thema gesprochen.

Immer mehr Pharma-Studien würden in Schwellenländer verlagert, so die CBG. Insbesondere Indien sei aufgrund der niedrigen Kosten, der Englischkenntnisse der Bevölkerung, der großen Masse an Probanden und der laxen behördlichen Kontrollen für die Firmen attraktiv.

Derzeit ließen westliche Unternehmen etwa 1.900 Studien mit 150.000 Probanden in Indien durchführen und zahlten hierfür jährlich etwa eine halbe Milliarde Euro. Gleichzeitig nehme die Zahl der Geschädigten zu: innerhalb von nur vier Jahren seien mehr als 1.700 Proband/innen gestorben. Allein bei den vom Bayer-Konzern in Auftrag gegebenen Studien seien nach Angaben des indischen Gesundheitsministeriums 138 Versuchspersonen ums Leben gekommen – allein vier an Nebenwirkungen des Gerinnungshemmers Xarelto. Bayer habe den Hinterbliebenen Entschädigungen von gerade mal 5.250 Dollar gezahlt.

Die (CBG) fordert Aufklärung über alle Zwischenfälle bei Pharmatests von Bayer. Zur Hauptversammlung des Konzerns am Freitag in Köln hat die CBG einen Gegenantrag eingereicht, der aber von der Mehrheit der Aktionäre abgelehnt wurde. Jan Pehrke vom Vorstand der CBG: “Pharma-Studien in Ländern des Südens müssen nach denselben Standards durchgeführt werden wie in Europa oder den USA. Geschädigte und Hinterbliebene müssen die gleichen Entschädigungen erhalten, nur dann werden gefährliche Billig-Studien unattraktiv. Der Bayer-Vorstand trägt die Verantwortung für die gefährliche Praktik, risikoreiche Studien in Schwellenländer zu verlagern. Wir werden daher in der Hauptversammlung eine Nicht-Entlastung des Managements fordern.”

Derzeit beauftrage Bayer in Indien Studien mit der Krebs-Arznei Nexavar, dem Thrombose-Präparat Xarelto und dem Diabetikum Glucobay. Kürzlich seien die Versuche mit dem Potenzmittel Levitra, dem Augen-Präparat VEGF, der Hormon-Spirale Mirena, dem Bluter-Medikament Kogenate und dem Röntgen-Kontrastmittel Gadovist abgeschlossen worden. Die Testpersonen seien überwiegend extrem arm und analphabetisch; in vielen Fällen würden Einverständniserklärungen von Dritten unterzeichnet. Die wenigsten Probanden wüssten, auf welche Gefahren sie sich einließen. Die für die Kontrolle zuständigen Ethik-Kommissionen bestünden häufig nur auf dem Papier.

Experten halten die offiziellen Zahlen nach Aussagen der CBG für viel zu niedrig. Dr. Chandra Gulhati von der Fachzeitschrift Medical Specialties, der die Entwicklung seit Jahren dokumentiert: “Es sind viel mehr, weil die meisten Toten gar nicht gemeldet werden. Die Angehörigen wissen nicht, dass die Verstorbenen Teil einer Studie waren. Es wird nicht ermittelt, es finden keine Obduktionen zur Ermittlung der Todesursache statt.” Jan Pehrke ergänzt: “Selbst wenn die offiziellen Daten unvollständig sind, so widerlegt die Aufstellung der indischen Regierung eindeutig die Aussage des ehemaligen Bayer-Chefs Werner Wenning, wonach es bei klinischen Studien zu keinen schweren Zwischenfällen gekommen sei.”

In einem Schreiben an Bayer-Chef Marijn Dekkers hatte die Coordination gegen Bayer-Gefahren kürzlich um Aufklärung gebeten. Das Unternehmen hatte eine Beantwortung nach Angaben der CBG abgelehnt.

Auch in weiteren Ländern mit großen Armutspopulationen wie Kolumbien, Pakistan, Moldawien, den Philippinen und China führt Bayer Menschenversuche durch, so die CBG. Sogar in Deutschland würden Todesfälle bei Bayer-Versuchen gemeldet: nach Angaben des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) seien im Jahr 2010 zwanzig Teilnehmer von Studien des Bayer-Konzerns gestorben.

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