Vandana Shiva ausgezeichnet

Das Kuratorium der Gesellschaft der Freunde und Förderer des Kasseler Bürgerpreises “Das Glas der Vernunft” hat beschlossen, in diesem Jahr die indische Wissenschaftlerin und Menschenrechtlerin Prof. Dr. zu ehren. Sie erhielt den Preis, weil sie mit kreativen Alternativen, mit Vernunft und Engagement zur Erhaltung der Lebensgrundlagen der Menschheit beiträgt.

Der Kasseler Bürgerpreis wurde 1990 aus Anlass der Vereinigung Deutschlands gestiftet. Er wird an Personen oder Institutionen vergeben, die sich für die Ideale der Aufklärung, Überwindung ideologischer Schranken, Vernunft und Toleranz gegenüber Andersdenkenden in besonderer Weise verdient gemacht haben.

Schon als Kind war Vandana Shiva mit ihren Eltern am Kampf um die Erhaltung der Wälder in ihrer Heimat beteiligt, was ihren Lebensweg bestimmen sollte. Nach einem erfolgreichen Studium der Physik in Canada kehrte sie in ihre Heimat zurück und schuf dort mehrere Institutionen, um mit ihnen wirkungsvoll theoretisch und praktisch gegen die Rodung großer Gebiete zu kämpfen. Sie engagiert sich in der ersten indischen Umweltbewegung SHIPOKO-Bewegung.

Vandana Shiva gehört zu den bedeutendsten Persönlichkeiten weltweit, die radikal die Frage nach dem Verhältnis des Menschen zur Natur stellen. „Der Wert der Natur darf nicht an einem von Menschen festgelegten finanziellen Wert gemessen werden“, fordert die promovierte Physikerin. Die moderne Gesellschaft sei dabei, die Natur zu kolonialisieren mit der Folge, dass der Mensch sich damit seiner Lebensgrundlage beraubt.

Vandana Shiva hat für Veränderungen in Praxis und Paradigmen der Landwirtschaft und Ernährung gekämpft. Geistige Eigentumsrechte, Biodiversität, Biotechnologie, Bioethik und Gentechnik gehören zu den Bereichen, in denen Shiva intellektuell und durch aktivistische Kampagnen Akzente gesetzt hat. Sie hat den „Graswurzel-Organisationen“ der grünen Bewegung in Afrika, Asien, Lateinamerika, Irland, Schweiz und Österreich mit Kampagnen gegen Gentechnik geholfen.
Im Jahr 1982 gründete sie die Research Foundation for Science, Technology and Ecology, die zur Schaffung von LED-Navdanya im Jahr 1991 geführt hat, eine internationale Bewegung zur Rettung der Vielfalt und der Integrität lebender Ressourcen, z.B. einheimischer Samen, einer Bewegung zur Förderung des ökologischen Landbaus und des fairen Handels.

Navdanya ist ein Netzwerk von lokalen Gemeinden und Organisationen in Indien, in dem viele Männer und Frauen als Bauern arbeiten. Navdanya hat die Erhaltung von mehr als 2000 Sorten Reis im ganzen Land erreicht und hat 34 Samenbanken in 13 Staaten im ganzen Land gegründet. Mehr als 70.000 Landwirte sind Mitglieder der Navdanya.
Im Jahr 2004 gründete Dr. Shiva in Zusammenarbeit mit dem Schumacher College (UK) die Bija Vidyapeeth, eine internationale Hochschule für nachhaltiges Leben in Doon-Tal.

Für die Rechte des geistigen Eigentums (Intellectual Property Rights) und die Biodiversität haben Dr. Shiva und ihr Team von der Forschungsstiftung für Wissenschaft, Technologie und Ökologie erfolgreich die Biopiraterie für Neemöl, Basmati-Reis und -Weizen kritisiert. Darüber hinaus hat sie auch mit Expertengruppen in ihrer Regierung die Probleme der biologischen Vielfalt und die IPR-Gesetze (International Property of Rights) durchgesetzt. Auch in Deutschland ist sie wiederholt in Symposien und Workshops auf Einladung aufgetreten, u.a. auf zwei evangelischen Kirchentagen.

Der Preis besteht aus einer von dem Kasseler Künstler Prof. Karl Oskar Blase entworfenen Skulptur (Prisma im Oktogon) und 10.000 Euro. Die Laudatio und Festrede hat der ehemalige Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen Professor Dr. mult. Klaus Töpfer übernommen.

Bislang wurden mit dem Kasseler Bürgerpreis geehrt:
1991 Hans-Dietrich Genscher
1992 Carl Friedrich Frhr. von Weizsäcker
1993 Yehudi Menuhin
1994 Johan Joergen Holst und Terje Roed Larsen
1995 Gyula Horn
1996 Hans Koschnik
1997 Pavel Kohout
1998 Christiaan N. Barnard
1999 Lea Rabin
2000 Christo und Jeanne-Claude
2001 Beate Langmaack, Heike Richter-Karst und Kai Wessel mit dem ZDF-Redaktionsteam
2002 Hilmar Hoffmann
2003 Hans Georg Raschbichler und Dieter Spethmann
2004 Klaus von Dohnanyi
2005 Harald Szeemann, posthum
2006 Ayaan Hirsi Ali
2007 Die Union der Komitees der Soldatenmütter Russlands – Valentina Melnikowa
2008 Wladyslaw Bartoszewski
2009 Joachim Gauck
2010 Ai Weiwei
2011 Royston Maldoom

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Ein Gedanke zu „Vandana Shiva ausgezeichnet“

  1. Und einen Tag vor der Preisverleihung hat Vandana Shiva das Milchmuhseum der Upländer Bauernmolkerei besichtigt. Ihre Meinung dazu: „So etwas sollten wir in Indien auch haben. Es ist wichtig, altes Wissen über Landwirtschaft und Lebensmittel zu erhalten“. Ansonsten hat sie einige Gemeinsamkeiten mit der Upländer Bauernmolkerei festgestellt: Kampf gegen Gentechnik, für faire fair Milchpreise und der Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft.

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