Bundesrat will weniger Antibiotika in der Tiermast

Der Bundesrat hat umfangreich zu einem Gesetzentwurf Stellung genommen, mit dem die Bundesregierung den Einsatz von in der reduzieren will. Ziel der Länder ist im Wesentlichen, den sorgfältigen und verantwortungsbewussten Umgang mit Antibiotika weiter zu fördern, die Überwachungsmöglichkeiten zu effektivieren und für Verbesserungen der geplanten Datenbank zu sorgen. Sie möchten den Antibiotikaeinsatz zukünftig noch weiter senken und regen an, , Länder und Wissenschaft an einen Tisch zu bringen, um weitergehende Vorschläge zu erarbeiten. Der Bundesrat sieht jedoch auch einen erheblichen Finanzierungsbedarf in den Ländern. Er fordert die Bundesregierung daher auf, die Kostenverteilung auf die Länder zu konkretisieren.

Ziel des Gesetzentwurfs ist es, die Ausbreitung gefährlicher Antibiotikaresistenzen zu vermindern und für gesunde Lebensmittel zu sorgen. Daher ist der Einsatz der Medikamente zukünftig nur noch erlaubt, wenn er aus therapeutischer Sicht unbedingt erforderlich ist. Entsprechende Kontrollen sollen verschärft werden. Zudem ist eine bundesweite Datenbank zur Überwachung der Antibiotikavergabe geplant.

BUND-Kampagne „K.O. den Tierfabriken“

Vor der Bundesratssitzung hatte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Nachbesserungen der Gesetzesvorlage gefordert. „Das dem Bundesrat vorliegende Arzneimittelgesetz wird den Antibiotika-Missbrauch in der Tierhaltung nicht wirksam bekämpfen. Für den Einsatz von Antibiotika brauchen wir ein absolutes Senkungsziel. Außerdem müssen Haltungsbedingungen, die den massiven Einsatz von Antibiotika notwendig machen, verboten werden“, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger.

Bis 2015 müsse der Antibiotika-Einsatz bei Nutztieren mindestens halbiert werden. Zur Behandlung bestimmter Krankheiten beim Menschen unverzichtbare Antibiotika dürften in der Tierhaltung nur noch in Ausnahmefällen erlaubt sein, forderte Weiger.

„In der Tierhaltung werden pro Jahr rund 1700 Tonnen Antibiotika eingesetzt, mehr als doppelt soviel wie beim Menschen. Große Mengen Antibiotika erhält vor allem das Geflügel. Sonst würde es die tierquälerischen Haltungsbedingungen bis zur Schlachtung kaum durchhalten. Nutztiere werden mehr und mehr zu Produktionsmaschinen degradiert, Schweine müssen in kürzester Zeit immer mehr Fleisch ansetzen und antibiotikaresistente Keime gefährden die Gesundheit von Landwirten und Verbrauchern“, kritisierte der BUND-Vorsitzende. „Die Landwirtschaft braucht endlich einen Richtungswechsel“, sagte Weiger.

Die derzeit laufende EU-Agrarreform müsse das Ziel haben, Subventionen nicht für neue Riesenställe und die industrielle Landwirtschaft zu vergeben, sondern für eine bäuerliche und ökologisch ausgerichtete Landwirtschaft. „Als vor einem Jahr die Erkenntnisse über den Antibiotika-Missbrauch in der Tierhaltung publik wurden, versprach Agrarministerin Aigner schnelle Abhilfe. Inzwischen verabschiedet sich die Ministerin peu á peu aus ihrem Amt, ohne ihr Versprechen eingelöst zu haben“, kritisierte der BUND-Vorsitzende.

Unter dem Motto „K.O. Den Tierfabriken“ startete der BUND jetzt eine Aufklärungs- und Unterschriftenkampagne gegen die industrielle Tierhaltung. In dem Aufruf zum Unterschreiben heißt es: „Sehr geehrte Frau Ministerin Aigner. Schützen Sie die Menschen und die Tiere. Korrigieren Sie das Arzneimittelgesetz, drosseln Sie den horrenden Antibiotika-Einsatz in der Massentierhaltung. Fördern Sie mit unseren Steuergeldern nur noch besonders artgerechte Tierhaltung und ökologisch wirtschaftende Agrarbetriebe.“

Massentierhaltung stoppen: für eine ökologische Landwirtschaft

Das Engagement für eine nachhaltige Landwirtschaft ist einer der Arbeitsschwerpunkte des BUND. Besonders am Herzen liegen uns verbesserte Haltungsbedingungen für Tiere. In industriellen Mastanlagen fristen Schweine, Hühner und andere Nutztiere ein qualvolles Dasein. Aus Kostengründen werden sie auf engstem Raum gehalten und haben kaum Bewegungsmöglichkeiten. So liegen Sauen während der Säugezeit in engen Verschlägen, die ihnen nicht einmal das Umdrehen erlauben. Der allen Schweinen angeborene Beschäftigungsdrang wird unterdrückt, was für die Tiere eine große Qual bedeutet. Bei Hühnern führt die drückende Enge oft zum gegenseitigen Auspicken der Federn. Dieses qualvolle und von Stress geprägte Leben ertragen die Tiere nur durch den massiven Einsatz von Medikamenten, insbesondere Antibiotika.

Gefahr durch Antibiotika

Im Januar 2012 deckte der BUND auf, dass Hähnchenfleisch aus Supermärkten und Discountern häufig von antibiotikaresistenten Keimen belastet ist. Diese sind auf den massiven Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung zurückzuführen. Dies bedeutet eine Gefahr für die Gesundheit der Menschen: Jahr für Jahr sterben zwischen 7.500 und 15.000 Menschen an antibiotikaresistenten Keimen, rund eine halbe Million Patienten infizieren sich damit.

Schweine leiden saumäßig

Zuchtsauen verbringen ihr Leben in Metallgitter-Boxen, in denen sie nur stehen oder liegen können. Schon ein einfaches Umdrehen ist nicht möglich, an Auslauf oder Nestbau für die Ferkelchen ist nicht zu denken. Die Ferkel beginnen ihr quavolles Leben damit, dass ihnen ohne Betäubung die Hoden aus dem Leib geschnitten werden, die Schwänze gekürzt und die Zähne abgeschliffen werden.

Mehr zum Thema

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.