Der Weg zum Einkauf belastet das Klima

Mal schnell mit dem Auto die Sonntagsbrötchen holen? Die Einkaufswege der Endverbraucher belasten das erheblich mehr als bisher angenommen. Das hat eine Studie der Justus-Liebig-Universität Gießen ergeben. Dazu hat sich die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Elmar Schlich den so genannten „Consumer Carbon Footprint“ (CFF), also den Anteil der Endverbraucher an der von Produktions- und Prozessketten, näher angesehen.

Die Auswertung aktueller statistischer Daten durch die Professur für Prozesstechnik ergibt für Deutschland einen mittleren CCF-Wert für die Einkaufswege von 280 Gramm Kohlendioxid pro Kilogramm Einkauf, erheblich mehr als bisher angenommen. Laut Statistik nutzen 83 Prozent aller Endverbraucher den privaten PKW für den Einkauf und legen dabei im Schnitt 2.600 Kilometer pro Jahr zurück. Die Studie ist in der aktuellen „ErnährungsUmschau“ veröffentlicht.
Bisherige Mitteilungen des Verbraucherministeriums sprechen laut Prof. Schlich hingegen nur von einem Endverbraucher-CO2-Fußabdruck von 107 Gramm pro Kilogramm Einkauf, gestützt auf veraltete Daten der Enquête-Kommission des Deutschen Bundestags („Vorsorge zum Schutz der Erdatmosphäre“) aus dem Jahr 1994. Eine jüngere Studie des Heidelberger Instituts für Energie und Umweltforschung schätzte 2009 auf der Basis von offenbar zu optimistischen Annahmen den CCF für den Einkauf auf 140 Gramm, halb so viel wie aktuell ermittelt. Von der Arbeitsgruppe zusätzlich ausgewertete Einkaufstagebücher, die bundesweit in 20 Haushalten über vier Wochen geführt wurden, zeigen einen mittleren CCF-Wert von 293 Gramm. Dabei schwanken die Einzelwerte aufgrund der Wahl des Verkehrsmittels, der zurückgelegten Strecke und der eingekauften Menge zwischen 0 und 8.830 Gramm, jeweils bezogen auf ein Kilogramm Einkauf.

Zudem kann der untersuchte „Fußabdruck“ individuell und regional sehr unterschiedlich sein: So zeigte eine weitere Erhebung bei 401 Endverbrauchern an Gießener Ladenkassen deutlich den Einfluss der Bevölkerungsstruktur und des gewählten Verkehrsmittels. Für die Stadt Gießen ergibt die Auswertung einen mittleren CCF von lediglich 124 Gramm pro Kilogramm Einkauf, weil hier nur 46 Prozent der befragten Personen die Einkaufswege mit dem PKW zurücklegten. Gießen weist deutschlandweit den höchsten Anteil an Studierenden in der Einwohnerschaft auf. Der aktuellen Erhebung zufolge benutzen die Gießener Studierenden klimafreundlich das Fahrrad, ihr Semesterticket oder gehen zu Fuß zum .
Verkehrsmittel, Einkaufsstrecke und -menge haben wie erwartet einen erheblichen Einfluss. Spontane Einkäufe oder das sonntägliche Brötchenholen per PKW schlagen mit hohem CCF zu Buche. Im Idealfall sollte die Einkaufsstrecke möglichst kurz und die Einkaufsmenge möglichst hoch sein. Vorratseinkäufe in Kombination mit anderen Wegen wie zum Beispiel der Fahrt zur Arbeit sind grundsätzlich von Vorteil. Die Untersuchungen deuten zudem auf einen positiven Effekt durch ein städtisches Umfeld mit guter Infrastruktur, während Bewohner ländlicher Räume längere Einkaufsstrecken zurücklegen müssen und daher höhere CO2-Emissionen aufweisen.

Im angesprochenen Forschungsfeld gibt es viele offene Fragen, die repräsentativ beantwortet werden sollen. Dazu zählen der Einfluss der Haushaltsgröße ebenso wie die angesprochenen Unterschiede zwischen Stadt- und Landbevölkerung. Aktuell wird zudem der spannenden Frage nachgegangen, ob die Kundschaft von Bioläden auch bei der Wahl der Verkehrsmittel und der Entfernung dorthin ein signifikant höheres Umweltbewusstsein aufweist. (Quelle: Pressemitteilung der Ui Gießen)

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Ein Gedanke zu „Der Weg zum Einkauf belastet das Klima“

  1. In einer vernünftigen, wirklich ökologischen Gesellschaft muss es auf dem Land gleichwertige Einkaufsmöglichkeiten für die Waren des täglichen Bedarfs geben – also wenigstens einen Discounter in jedem Dorf. Im real existierenden Kapitalismus und wohl auch in dem Ökokapitalismus, den jetzt die Grünen anstreben, rechnet sich das nicht für die Discounter und wird also nicht gemacht. Nach der volkswirtschaftlich-ökologischen Gesamtrechnung fragt kaum einer.
    In der DDR, und (mit Einschränkungen) auch in der alten Bundesrepublik, gab es in jedem Dorf einen Laden.

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