Erhöhte Antibiotika-Gaben in Niedersachsen und NRW

Mehr als die Hälfte aller bundesweit an Tierärzte ausgelieferten haben Pharmahersteller 2011 an Veterinäre in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen verkauft. Das geht nach Informationen von NDR Info aus einer aktuellen Datenauswertung des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hervor.

Danach haben die Konzerne alleine 700 von insgesamt 1706 Tonnen der Medikamente an Veterinäre im Postleitzahlenbereich 49 geliefert. Hier liegen unter anderem die niedersächsischen Regionen Diepholz, Osnabrück und Vechta mit der bundesweit größten Dichte an Tierhaltungsbetrieben. In die Bereiche 26, 48 und 59 gingen jeweils noch zwischen 50 und 500 Tonnen. Dazu gehören die Regionen Oldenburg sowie die nordrhein-westfälischen Kreise Warendorf und Steinfurt. Immerhin noch bis zu 30 Tonnen haben 2011 Tierärzte im Norden Schleswig-Holsteins (PLZ-Bereich 24, 25), in den Süden Sachsen-Anhalts (PLZ-Bereich 06) und in den Südosten Bayerns (PLZ-Bereich 94) geliefert bekommen.

In seiner Auswertung kommt das BVL zwar zu dem Ergebnis, das die Statistik keinen Aufschluss darüber gibt, wo die Medikamente eingesetzt worden sind. Allerdings räumt die Behörde auch ein: “Ein Vergleich mit den bekannten Nutzungsintensitäten in den einzelnen Regionen lässt den Schluss zu, dass in Postleitzahlengebieten mit höherer Nutzungsintensität auch größere Mengen antimikrobiell wirksamer Grundsubstanz abgegeben wurden.”

Die Auswertung basiert auf Daten aus dem zentral in Köln vom Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information geführten DIMDI-Register. In dieses müssen Pharmaunternehmen seit 2011 eingeben, welche Antibiotika-Mengen sie an Veterinäre verkaufen.

Das BVL betont in seiner Auswertung außerdem, dass 2011 in den deutschen Tierhaltungsbetrieben nur wenige für die Humanmedizin wichtige Antibiotika eingesetzt worden sind: rund elf von 1706 Tonnen. Deren Verwendung bewertet die Behörde “kritisch”. Pharma-Experten betonen, dass gerade diese Präparate schon bei einer vergleichsweise sehr niedrigen Dosierung wirksam sind.

Ein Sprecher des Bundesverbraucherschutzministeriums sagte NDR Info anlässlich der BVL-Datenauswertung: “Der Einsatz von Antibiotika muss auf ein Mindestmaß gesenkt werden – in der Humanmedizin ebenso wie in der Tiermedizin. Die Gesamtmenge, die im Humanbereich, bei Haus- und Nutztieren verschrieben wird, ist einfach zu hoch.” Er verwies auf die gerade im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat verabschiedete Novelle des Arzneimittelgesetzes. Sie tritt Anfang des kommenden Jahres in Kraft und hat das Ziel, den Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung deutlich zu reduzieren.

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