CMS-Brokkoli in Bio-Gläschen

Das ZDF-Verbrauchermagazin Wiso hat in Bio-Babynahrung von Hipp und -Brokkoli gefunden. Das Ergebnis hat das Magazin am Montag vorgestellt. Holle teilte inzwischen mit, dass es die betroffenen Gläschen aus dem Handel zurückrufen werde.

Angekündigt hat das ZDF die Sendung schon am Sonntag mit der Schlagzeile: „Gentechnisch verändertes Gemüse in Bio-Babynahrung / ZDF-Wiso wird bei Hipp und fündig“. Auf bild.de wurde daraus: „Gen-Gemüse in Bio-Babynahrung entdeckt!“ Die Wiso-Redaktion hatte laut Mitteilung „insgesamt 37 Proben von Bio-Babynahrung der Marken Hipp, , Alnatura und Bioland untersuchen lassen. Die Proben von Alnatura und Bioland waren negativ“. Als einziges Produkte wurde Holle Babynahrung Brokkoli mit Vollkornreis konkret benannt.

Holle: Brokkoli stammt aus der Ernte 2012

Holle schreibt über die betroffenen Gläschen: „Unsere Charge 08.11.2015/B wurde im November 2012 produziert. Die Chargen 11.04.2016/A und 11.04.2016/B im April 2013 hergestellt. Zu dem jeweiligen Produktionszeitraum gab es keine praktisch verfügbare Analytik für die Untersuchung der uns gelieferten Zutaten auf die Herkunft von CMS-Pflanzensorten. Wir mussten uns auf die Demeter-Verbandskontrolle und -zertifizierung verlassen.“ In Zukunft will Holle die seit Sommer 2013 vorhandene Analytik einsetzen, „um CMS-Hybrid-Sorten-Herkunft in Demeter-Zutaten auszuschließen“.

Ursprünglich wollte Holle die CMS-Gläschen nicht zurücknehmen. „Wir erachten die Vernichtung dieser Lebensmittel für ethisch nicht vertretbar“, heißt es in einer noch am Montagvormittag versandten Stellungnahme des Herstellers. Diese Haltung hatte Holle bereits am Dienstag letzter Woche dem Handel mitgeteilt. Offensichtlich reifte im Laufe des Montags bei dem Schweizer Hersteller die Einsicht, dass dieser Kurs nicht durchzuhalten sei. Mittags um 13 Uhr verschickte Demeter eine neue Stellungnahme. Darin heißt es: Da der Nachweis von CMS-Pflanzen „weder den Qualitätsansprüchen der Firma Holle noch des Demeter e. V. entspricht, hat Holle entschieden, die Ware vom Markt zu nehmen.“

Debatte: Ist Zellfusion ?

Demeter argumentiert in seiner Stellungnahme, die Behauptung von Wiso, CMS-Sorten seien Gentechnik, entbehre jeder gesetzlichen Grundlage. „Die Zellfusionstechnik bei nahe verwandten Pflanzen ist aus der Freisetzungsrichtlinie für genetisch veränderte Organismen (GVO) ausgenommen und damit nicht der Gentechnik zuzurechnen, da eine Übertragung der entsprechenden Eigenschaften auch auf natürlichem Wege möglich wäre.“

Holle verweist dazu auf die Stellungnahme des BÖLW von Anfang August 2013, als Wiso erstmals CMS-Brokkoli in einem Demeter-Produkt nachwies. Damals sagte der BÖLW-Vorsitzende Felix Prinz zu Löwenstein: „Im Ökolandbau wird keine Gentechnik eingesetzt. Die Behauptung des ZDF, CMS-Sorten seien Gentechnik, ist falsch. Die von Wiso getesteten Waren aus CMS-Sorten fallen eindeutig nicht unter das Gentechnikrecht.”

Das ZDF hingegen legt den Schwerpunkt anders: „Nach der EU-Freisetzungsrichtlinie zählt die Zellfusion zur Gentechnik. Für CMS-Hybride formuliert die Richtlinie allerdings eine Ausnahme, der zufolge konventionelle Landwirte, aber auch Bio-Bauern CMS-Hybride anbauen und vermarkten dürften. Die deutschen Bio-Verbände und die Firma Hipp lehnen CMS-Hybride jedoch strikt ab.“ Auf Initiative des BNN entsteht derzeit eine internationale Datenbank für Sorten, die ohne Zellfusion gezüchtet wurden. (leo)

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