Zu wenige wechseln ihren Energieversorger

Gerade einmal 14 Prozent der Verbraucher planen, ihren Energieversorger zu wechseln. Die Mehrheit droht hingegen, die Chance zu verpassen, die sich ihnen aktuell im Zuge der Preiserhöhungen bietet. Das ist das Ergebnis einer bevölkerungsrepräsentativen Umfrage des unabhängigen Ökoenergieversorgers Polarstern und des Marktforschungsinstituts GfK. Dabei sei die Masse der Verbraucher eigentlich auf der Suche nach Möglichkeiten, ihre Energiekosten zu senken. Und auch der Wille, mit dem eigenen Strombezug wirklich etwas zu verändern und die Energiewende voranzutreiben, nehme zu, berichtet Birgit Holfert, Energieexpertin bei der Verbraucherzentrale Bundesverband.

Beides ist mit dem Wechsel des Energieversorgers schnell und einfach möglich. Alles was man zum Wechseln braucht, ist die Abrechnung seines bisherigen Energieversorgers. Abhängig vom Verbrauch sind so Ersparnisse von jährlich bis zu mehreren hundert Euro möglich.2

Viel Zeit bleibt nicht

Birgit Holfert, Energieexpertin bei der Verbraucherzentrale Bundesverband, weist darauf hin, dass nach einer Preiserhöhungsmitteilung, wie sie aktuell in viele Haushalte flattert, nicht viel Zeit zum Wechseln bleibt: „Die meisten Energieversorger gewähren bei Preiserhöhungen ein Sonderkündigungsrecht. Allerdings räumen viele ihren Kunden dazu nur 14 Tage Zeit ein.“ Ob ein Sonderkündigungsgrund vorliegt, das steht in den jeweiligen Vertragsbedingungen. „In den meisten Fällen kommen die Kunden sehr gut aus ihrem Vertrag heraus.“ Und wenn sich ein Versorger querstelle, empfiehlt sie den Gang zur Rechtsberatung bei den Verbraucherzentralen. Hier erhielten die Verbraucher sachkundige Beratung sowie passende Vorlagen für das Kündigungsschreiben. Experten wie Birgit Holfert gehen davon aus, dass mittelfristig fast alle Energieversorger ihre Preise anheben werden. „Wer jetzt nicht die Preise erhöht, der macht es oft wenige Monate später“, sagt sie aus Erfahrung der letzten Jahre.

Übrigens: Wer noch in der Grundversorgung ist, der hat generell – unabhängig von Preiserhöhungen – eine 14tägige Kündigungsfrist. Und das betrifft fast die Hälfte der deutschen Privathaushalte. Sie bezieht nach wie vor Strom vom Grundversorger, obwohl dieser oft am teuersten ist. Im Vergleich zahlen Haushalte zum Beispiel in Berlin für Wirklich aus 100 Prozent Wasserkraft von Polarstern sogar weniger als beim Grundversorgertarif, bei dem der Anteil an Kohle- und Atomkraft bei rund 63 Prozent liegt.

Vor dem Wechsel Service-Hotline und Webseiten der Energieversorger prüfen

Laut Birgit Holfert von der Verbraucherzentrale gewinnen die Kriterien Sicherheit und Seriosität des Anbieters beim Wechsel stark an Bedeutung. Die großen Pleiten von Billigstromanbietern wie zum Beispiel Teldafax und Flexstrom haben diesen Trend verstärkt. Wechslern empfiehlt Birgit Holfert, auf die Webseite des Energieversorgers zu schauen, um sich einen Eindruck zu machen und Hintergrundinformationen über die Gesellschafter, das Unternehmen und seine Produkte einzuholen. „Der Blick in die Auswertung eines Vergleichsportals allein reicht nicht.“ Sie rät Verbrauchern vielmehr, einfach mal einen Test zu machen und die Service-Hotline des jeweiligen Energieversorgers anzurufen.

Auch Tests von Verbrauchermagazinen wie zum Beispiel vom Magazin Ökotest oder von Stiftung Warentest geben eine gute Orientierung. Erst im September hat Oekotest die zwölf glaubwürdigsten Ökostromanbieter ausgezeichnet, darunter Polarstern. „Wer sich heute bewusst für Ökostrom entscheidet, der möchte auch wirklichen Ökostrom beziehen“, sagt Birgit Holfert. Das sei nicht bei allen Angeboten gleichermaßen gegeben. Insgesamt gilt auch beim Ökostrom: „Wer nichts zu verbergen hat, der schreibt auf seiner Webseite sehr genau, was er tut und woher der Strom kommt.“

Die drei wichtigsten Wechsel-Tipps von Verbraucherschutzexpertin Birgit Holfert

  1. „Bonus-Hopperei bringt in der Regel nichts außer Ärger“: Oftmals ziehen die Versorger dann im zweiten Vertragsjahr die Preise stark an.
  2. „Je kürzer, umso besser“: Kurze Kündigungsfristen und idealerweise kurze Vertragslaufzeiten sind generell zu empfehlen. Und natürlich sind Vorauszahlungen jeglicher Art tabu.
  3. „Der Service-Check“: Ein guter Kundenservice macht sich immer bezahlt. Das prüft man am besten mit einem Testanruf, mit einem Blick auf die Webseite des Anbieters und in die Bewertungen anderer Kunden.

Mehr zum Thema

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *