Hoher Chemikalieneintrag – meist durch Pflanzenschutzmittel

Europaweit sind Gewässer teilweise deutlich mit Chemikalien belastet – vor allem mit Pflanzenschutzmitteln. So lautet das Fazit einer Studie des Instituts für Umweltwissenschaften Landau und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ). Die Wissenschaftler hatten Daten der behördlichen Überwachung von 223 Chemikalien und 4.000 Gewässern ausgewertet. Sie untersuchten in Einzugsgebieten großer Gewässer wie Donau und Rhein, in welchem Maße die Risikoschwellen für Fische, Wirbellose sowie Algen und Primärproduzenten in den vergangenen fünf Jahren überschritten wurden.

Das Fazit: Der Eintrag von Chemikalien ist kein lokales Problem, sondern stellt für jedes zweite Gewässer in Europa ein ökologisches Risiko dar. Bei rund 15 Prozent waren die Organismen sogar von akut toxischen Effekten bedroht. Dabei war die chemische Belastung im Norden Europas größer als im Süden. Die reale Situation ist vermutlich noch schlechter, meinen die Wissenschaftler. Denn in einigen Ländern werden die Risiken unzureichend überwacht. Der Eintrag der Chemikalien erfolgt vor allem durch die Landwirtschaft und städtische Kläranlagen. Die größte Belastung der Gewässer ging von Pflanzenschutzmitteln aus, aber auch Organozinnverbindungen, bromierte Flammschutzmittel und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe aus Verbrennungsprozessen wurden in erheblichen Konzentrationen nachgewiesen.

Die Wissenschaftler kritisieren, dass aktuelle Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerqualität die Einträge von Chemikalien nur unzureichend berücksichtigen. Viele aktuell verwendete Substanzen werden bei der Überwachung der Gewässer offenbar nicht berücksichtigt. Vermutlich sind die Wirkschwellen für einige Schadstoffe auch zu hoch angesetzt. Für einen nachhaltigen Gewässerschutz müssten generell Chemikalieneinträge in Gewässer vermieden, problematische Stoffe ersetzt und Abwässer besser geklärt werden, betonen die Wissenschaftler.
Quelle: Heike Kreutz, www.aid.de

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  • www.ufz.de

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