Tierfutter-Skandal erreicht Brandenburg

Der jüngste - betrifft auch mehrere Öko-Höfe in Brandenburg. Nach Angaben des Verbraucherschutzministeriums sind 27 Bio-Betriebe mit Futter beliefert worden, das mit Pflanzenschutzmitteln verunreinigt ist. Derzeit werde geprüft, ob das Futter bereits an Tiere verfüttert wurde. Es handele sich um Mischfutter für Rinder, Schafe und Legehennen, hieß es weiter.

Am Montag war bekannt geworden, dass mehr als 3000 Tonnen verunreinigtes Tierfutter aus den Niederlanden an 50 Bio-Höfe in mehreren Ländern verteilt worden ist. Bis auf weiteres dürfen die betroffenen deutschen Landwirte nicht mehr unter dem Bio-Siegel verkaufen.

Geschichte des aktuellen Tierfutter-Skandals

3418 Tonnen kontaminierter Sonnenblumenkuchen wurden von Mitte September bis Ende November von der niederländischen Firma Doens Food aus der Ukraine importiert und weiterverkauft. Dem Fachhandel-Magazin BioHandel liegt die Liste der Empfänger vor. Sie zeigt, dass der größte Teil des Futters an niederländische und dänische Futtermittelhersteller ging. In einer Mail der niederländischen Behörden heißt es, dass die damit gefütterten Tiere weiterhin Bio bleiben.

Die Empfänger des kontaminierten Futters

Die Liste der niederländischen Lebensmittelüberwachung RVO zeigt, dass die meisten Lieferungen in regelmäßigen Abständen und Chargen von 28 bis 40 Tonnen an folgende Kunden ging:

  • Coöp De Eendracht in den Niederlanden, 700 Tonnen,
  • Vestjyllands Andel in Dänemark, knapp 600 Tonnen,
  • van Gorp Biologische voeders, 550 Tonnen.

An vier belgische Betriebe gingen zusammen rund 420 Tonnen, 220 Tonnen erhielt Danish Agro, 285 Tonnen wurden in die USA verschifft, 170 Tonnen nach Frankreich. An die Marktfrucht GmbH des EZ Fürstenhof wurden nach dieser Liste fünf Ladungen mit zusammen 146 Tonnen geliefert. Das Trockenwerk Eldena erhielt vier Lkw mit insgesamt 117 Tonnen.

Gingen weitere Lieferungen nach Deutschland?

Die großen niederländischen und dänischen Abnehmer (und vermutlich auch die anderen Kunden) sind Futtermittelhersteller, die den kontaminierten Sonnenblumenkuchen verarbeitet und ihr Mischfutter weiterverkauft haben. Bekannt ist, dass über eine der beiden dänischen Futtermühlen niedersächsische Betriebe beliefert wurden. Ob auch Betriebe in anderen Bundesländern betroffen waren, haben die Behörden bisher nicht mitgeteilt, nur NRW gab Entwarnung. Die Coöp De Eendracht ist seit kurzem an einer deutschen Futtermühle beteiligt.

In den Niederlanden blieben die Tiere Bio

Das niederländische RVO teilte kurz vor Weihnachten den Kollegen der anderen EU-Mitgliedsstaaten und der EU-Kommission folgenden Stand der Dinge mit: Die Lebensmittelbehörde habe Milch und Eier betroffener Betriebe analysiert, keine Rückstände gefunden und den Fall daher abgeschlossen. Der niederländische Zertifizierer Skal habe den Sonnenblumenkuchen und daraus hergestelltes Futter dezertifiziert, bis auf die Ebene der Bauern.

Skal habe auch entschieden, „dass Eier, Milch und Fleisch, die unter Verwendung des betreffenden Sonnenblumenkuchens erzeugt wurden, als Bio gekennzeichnet werden können und auch die Tiere ihr Bio-Label behalten.“ (Im Original: „eggs, milk and meat produced using the concerned sunflower cake can be marked as organic and the animals keep their organic label.“)

Wie Behörden und Zertifizierer in Dänemark, Belgien und Frankreich verfuhren, ist nicht bekannt.

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