Umweltbundesamt will Öko-Landbau

Das Umweltbundesamt hat in einem Hintergrundpapier festgestellt, dass die intensive Landwirtschaft eine Reihe an Umweltproblemen verursacht. Diese ergäben sich zum Beispiel aus dem Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln und der Intensivtierhaltung. Besonders negativ wirkten sich die so genannten Nährstoffüberschüsse aus, so das UBA, das auch die Vorteile des Öko-Landbaus darstellte.

Die Landwirtschaft ist mit mehr als 50 Prozent der mit Abstand größte Flächennutzer Deutschlands. Trotz ihres geringen Anteils am Bruttoinlandsprodukt (BIP) von unter einem Prozent ist sie ein bedeutender Wirtschaftszweig der deutschen Volkswirtschaft. Während in den letzten 30 Jahren die meisten Branchen durch Innovation und technischen Fortschritt große Erfolge bei der Reduzierung der Stoffeinträge in die Umwelt erreichen konnten, zeigen sich bei den landwirtschaftlichen Emissionen nur geringe Verbesserungen. In dem UBA-Papier heißt es:

uba hintergrundbericht„Am deutlichsten wird dies beim Stickstoff. Der nationale Stickstoffbilanzüberschuss stagniert seit Jahren auf einem hohen Niveau und übersteigt mit 97 kg N/ha im Mittel den Zielwert der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung um knapp 20 kg N/ha. Dies ist ein Grund dafür, dass die Landwirtschaft in Deutschland mit 57 Prozent die größte Quelle für Einträge von reaktivem Stickstoff in die Umwelt ist.

Für Nitratbelastungen des Grundwassers und die Nährstoffüberversorgung (Eutrophierung) von Flüssen, Seen und Meeren ist vor allem die intensive Stickstoffdüngung sowohl organisch als auch mineralisch verantwortlich. Über Dreiviertel der Stickstoffemissionen in Gewässer stammen aus diffusen Quellen und können damit hauptsächlich der Landwirtschaft zugerechnet werden.

Gefährliche Inhaltsstoffe

Pflanzenschutzmittel und in den Düngemitteln enthaltene Schwermetalle, Schadstoffe und Rückstände von Arzneimitteln aus der Intensivtierhaltung stellen weitere Gefahren für Ökosysteme an Land und im Wasser dar. Folgen sind außerdem der Verlust der Artenvielfalt und der mit Landnutzungsänderungen (vor allem Grünlandumbruch, Moornutzung und Rodung von Wäldern), der Ausbringung von Düngemitteln, der Bodenbearbeitung und Tierhaltung verbundene Ausstoß klimawirksamer Treibhausgase.

2012 emittierte die Landwirtschaft in Deutschland rund 70 Millionen Tonnen (Mio. t) Kohlendioxid (CO2)-Äquivalente. Das sind ca. 7,5 Prozent der gesamten Treibhausgas-Emissionen dieses Jahres, wobei Emissionen aus Vorleistungen (z.B. der Düngemittelherstellung), landwirtschaftlichem Verkehr und Landnutzungsänderungen an anderer Stelle berichtet werden. Die Emissionen aus der Landwirtschaft sind damit nach den energiebedingten Emissionen aus der stationären und mobilen Verbrennung (rund 84 Prozent Anteil) der zweitgrößte Verursacher von Treibhausgasen in Deutschland, gleichauf mit den prozessbedingten Emissionen der Industrieprozesse (7,2 Prozent)1.

So vielfältig wie die Umweltbelastungen der Intensivlandwirtschaft sind, so verschieden sind die Maßnahmen, mit denen sich diese mindern ließen, sowohl im konventionellen als auch im Ökolandbau.

Dazu gehören eine kontinuierliche Verbesserung der Nährstoffeffizienz (Stickstoff und Phosphor), eine wirksame Begrenzung der Nährstoffüberschüsse, eine Flächenbindung der Tierhaltung sowie Verbesserungen beim Stallmanagement nebst emissionsarmer Lagerung und Ausbringung von Wirtschaftsdüngern. Im Bereich Pflanzenschutz umfassen diese, neben der Einhaltung erforderlicher Umweltauflagen, Maßnahmen, die insgesamt zur Minimierung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln und ihren direkten und indirekten Auswirkungen auf die Biodiversität führen. Der Nationale Aktionsplan (NAP) der Bundesregierung zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln stellt das wichtigste Instrumentarium zur Bündelung geeigneter Maßnahmen dar. Zur Minderung der Schwermetallbelastung sind cadmium- und uranarme Düngemittel zu bevorzugen. Die Antibiotikaeinsatzmengen in der Tierhaltung sollen künftig gemäß dem Antibiotika-Minimierungskonzept der 16. AMG-Novelle dokumentiert, kontrolliert und gesenkt werden.

Vorteil

Mit der Umstellung auf den ökologischen Landbau kann auf der betroffenen Fläche ein wesentlicher Beitrag zur Reduzierung umweltbelastender Stoffausträge in die Umwelt erreicht werden. Die ökologische Landwirtschaft entlastet Grund- und Oberflächengewässer, weil keine mineralischen Stickstoffdünger und Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden dürfen. Stickstoffüberschüsse werden weitestgehend vermieden, da die Tierhaltung an die vorhandene Betriebsfläche gebunden ist.

Vielfältige Fruchtfolgen und der Anbau stickstoffbindender Pflanzen fördern nicht nur die Artenvielfalt und sorgen für Humusanreicherung, sie wirken sich zusätzlich auch positiv auf das Klima aus, weil auf energieintensive Mineraldünger verzichtet wird. Auch Antibiotika werden in der Öko-Tierhaltung seltener und nur in Einzelfällen angewendet.

Die Umstellung auf und die Beibehaltung des ökologischen Landbaus werden daher im Rahmen der Agrar-Umweltmaßnahmen aus der „Zweiten Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik“ (ländliche Entwicklung) und den entsprechenden Programmen der Länder gefördert. Derzeit wächst in Deutschland die Nachfrage nach Ökoprodukten schneller als die Ökolandbaufläche, was zu steigenden Import- Anteilen führt. Wegen der zahlreichen, nicht importierbaren, Umweltvorteile sollte die Nachfrage weitestmöglich aus regionaler Produktion gedeckt werden, d. h. Die Ökolandbaufläche sollte parallel zur Nachfrage wachsen. Hierfür fehlen derzeit die Voraussetzungen. Viele Landwirte sind nur dann bereit auf eine ökologische Wirtschaftsweise umzustellen, wenn die Förderung ausreicht und verlässlich ist. Hierfür sollten entsprechende Anreize gesetzt und für Planungssicherheit gesorgt werden.

Je schneller dies geschieht, desto früher lässt sich das in der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung formulierte Ziel umsetzen, die Ökolandbaufläche in Deutschland auf 20 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche (LF) auszudehnen.“

Beitrag, den der ökologische Landbau leisten kann

Das Umweltbundesamt stellt auch Alternativen zur Intensivbewirtschaftung dar: „Mit der Umstellung auf den ökologischen Landbau kann ein wesentlicher Beitrag zur Reduzierung umweltbelastender Stoffeinträge aus der Landwirtschaft in die Umwelt erzielt werden. Unabdingbare Voraussetzung dafür ist es, die Fortsetzung und Verstärkung der Umstellungsförderung auf den Ökolandbau zu gewährleisten und Landwirten und Landwirtinnen Planungssicherheit zu geben. Dazu müssen auch die Agrarforschungsfördergelder entsprechend angehoben werden.

biosiegelIn den Betrieben, die nach den Grundsätzen des ökologischen Landbaus wirtschaften, werden eine ganze Reihe positiver Umweltleistungen erbracht. Der Verzicht auf mineralische Stickstoffdüngemittel und die Flächenbindung der Tierhaltung ermöglichen nahezu geschlossene Nährstoffkreisläufe: Im Betrieb anfallende Nährstoffe in Mist und Gülle werden auf die hofeigenen Flächen ausgebracht und können von den Pflanzen aufgenommen werden. Nährstoffüberschüsse durch Futtermittelzukauf und Mineraldüngereinsatz werden weitgehend vermieden (die meisten Ökoverbände verlangen, dass das Tierfutter vorwiegend im eigenen Betrieb angebaut wird). Das schont vor allem die Oberflächengewässer und das Grundwasser, die bei ökologischer Bewirtschaftung weniger stark durch ausgetragene Nährstoffe (insbesondere Nitrat) gefährdet sind als im konventionellen Landbau. Manche Wasserversorger, z. B. Im Bereich der Städte München und Leipzig38 sowie im Ruhrgebiet, sind daher dazu übergegangen, in ihren Wassergewinnungsgebieten auf eine Umstellung auf den ökologischen Landbau hinzuwirken. Sie können damit eine hohe Grundwasserqualität sicherstellen, die eine Gewinnung von Trinkwasser mit naturnaher Aufbereitung, insbesondere ohne Denitrifikation, ermöglicht.

Ein umfangreiches und persönliches Beratungsangebot, das die aktuelle betriebliche Situation der Landwirte und die Perspektiven der Umstellung auf den ökologischen Landbau betrachtet, ist dafür unverzichtbar. Eine positive Umstellungsentscheidung kommt in der Regel erst dann zustande, wenn sie vor dem Hintergrund der Erfahrungen des Landwirts begründbar und erstrebenswert erscheint und wirtschaftliche Vorteile und Sicherheit verspricht.

Auch die Atmosphäre und angrenzende Ökosysteme werden durch reduzierte Ammoniak-Emissionen (angepasste Viehbesatzdichte) und Stickstoff-Einträge (effiziente Nutzung, weil keine mineralische Zudüngung erlaubt) entlastet. Weiterhin wirkt sich der Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel positiv auf den Schutz der Biodiversität, der Böden und der Gewässer aus.

Die organische Düngung und der Anbau von stickstofffixierenden Eiweißpflanzen (Leguminosen) fördern die Humusbildung und die Bodenfruchtbarkeit. Bodenlebewesen finden gute Lebensbedingungen vor und sorgen durch ihre Aktivität für ein stabiles Bodengefüge. Der Anbau von Zwischenfrüchten und Untersaaten verringert durch die nahezu ganzjährige Bedeckung des Bodens die Gefahr des Bodenabtrags durch Erosion.

Weiterhin fördert der Ökolandbau durch vielfältige Fruchtfolgen mit Zwischenfruchtanbau die biologische Vielfalt von Pflanzen und Tieren in der Agrarlandschaft. Positiv wirken sich im Ökolandbau auch die insgesamt vielfältigere Gestaltung der Landschaftsstruktur sowie das verbesserte Nahrungsangebot für typische Agrararten aus.

Die Ergebnisse einer vom Thünen-Institut durchgeführten Literaturstudie belegen, dass die biologische Vielfalt in 327 von 396 Aussagen (83 Prozent) positiv durch den Ökolandbau beeinflusst wurde.

Öko-Landbau gut fürs Klima

Der Ökolandbau leistet durch den Verzicht auf mineralische Düngung auch einen Beitrag zum Klimaschutz. Die Herstellung von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln ist mit einem hohen Ressourcen- und Energieverbrauch und (dadurch bedingt) dem Ausstoß von Kohlendioxid verbunden.

Mit dem höheren Humusgehalt des Oberbodens werden zudem auch größere Mengen an Kohlendioxid gespeichert. Als Folge einer Umstellung von konventionellen auf ökologischen Pflanzenanbau kommt es zu einer Humusanreicherung im Boden, bis ein neues (höheres) Gleichgewicht zwischen Aufbau und Abbau eingestellt ist.

Während dieser Humusanreicherungsphase wirkt der Boden vorübergehend als Kohlenstoffsenke, d. h. Kohlendioxid wird der Atmosphäre entzogen (im Falle einer Rückumstellung auf den konventionellen Landbau laufen die umgekehrten Vorgänge ab).

Neben den positiven Umweltleistungen sind die erzeugten Bio-Produkte häufig weniger mit unerwünschten Rückständen, wie zum Beispiel Nitrat, Pflanzenschutzmittel oder Antibiotika belastet. Die Verwendung von gentechnisch veränderten Organismen ist im Ökolandbau grundsätzlich verboten.

Aufgrund dieser positiven Umweltleistungen wurde der Flächenanteil des Ökologischen Landbaus als ein Indikator in die Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung übernommen. Diese hatte als Ziel für den Ökolandbau einen Anteil von 20 Prozent an der landwirtschaftlich genutzten Fläche festgesetzt. Dieses sollte ursprünglich bis 2010 erreicht werden. Im Hinblick auf die tatsächlich erreichten Zuwachsraten ist man inzwischen von diesem engen Zeithorizont abgerückt. Das Ziel der 20 Prozent gilt jetzt ohne konkrete Jahreszahl, ohne es jedoch als solches in Frage zu stellen. Zwischen 1994 und 2013 ist der Flächenanteil ökologisch bewirtschafteter Flächen an der
gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche (LF) jährlich um ca. 0,25 Prozentpunkte gestiegen. Der Flächenanteil an der LF betrug 2013 6,3 Prozent (1994: 1,6 Prozent).

Bei gleich bleibenden Wachstumsraten würde das 20 Prozent-Ziel erst im Jahr 2070 erreicht werden. Voraussetzung dafür ist auch, dass die Fördersumme, die für die Beibehaltung des ökologischen Landbaus zur Verfügung steht, parallel zur umgestellten Fläche mitwächst.

Die ökologischen Umweltleistungen werden im Rahmen der europäischen Agrarpolitik und von den Bundesländern als Agrarumweltmaßnahme gefördert und honoriert.

Unterstützung des Öko-Landbaus nötig

Insbesondere der Ein- beziehungsweise Umstieg auf eine ökologische Wirtschaftsweise erfordert in den ersten zwei bis drei Jahren der Umstellung, in denen die Erträge bereits sinken, die Produkte aber noch nicht als Öko-Ware mit entsprechend höheren Preisen verkauft werden dürfen, eine gezielte Unterstützung. Die Einführung bzw. Umstellung und die Beibehaltung des ökologischen Landbaus werden in Deutschland als ein Bestandteil der Agrarumweltprogramme nach der Verordnung (EU) Nr. 1698/2005 des Rates über die Förderung der Entwicklung des ländlichen Raums durch den Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) unterstützt.

Logo_für_alle_BioprodukteDer Bund beteiligt sich über die Bund-Länder-„Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) an der Förderung. Die Finanzierung der Förderprogramme teilen sich die Europäische Union sowie der Bund (60 Prozent) und die Länder (40 Prozent). Die EU-Gelder müssen von den Bundesländern kofinanziert werden. Das heißt, dass sie nur dann abgerufen und eingesetzt werden können, wenn die Bundesländer aus ihrem Haushalt selbst Finanzmittel aufbringen.

An diesen Mechanismen wird sich auch in den Jahren 2014 – 2020 (d. h. Im Rahmen der reformierten GAP) nichts Grundlegendes ändern, lediglich der EU-Anteil an der Förderung wird leicht erhöht.

Entsprechend dem Subsidiaritätsprinzip haben die Bundesländer bei der Umsetzung der Agrarförderprogramme Gestaltungsspielräume, um die Programme länderspezifisch auszurichten. Die Förderprämien für die Umstellung und Beibehaltung des ökologischen Landbaus sind daher in den Bundesländern unterschiedlich hoch. Die Zuständigkeit für die Förderung des ökologischen Landbaus liegt weitgehend bei den Ländern, wobei über die Hälfte der Gelder von der EU und dem Bund bereitgestellt werden.

Bedauerlich ist, dass aufgrund der Haushaltssituation einiger Bundesländer, zum Beispiel in Schleswig-Holstein 2010 sowie in Thüringen 2012/13, die Umstellungsförderung vorübergehend, teilweise oder ganz eingestellt wurde.

Im Hinblick auf die bei Ökoprodukten meist höheren Preise, die oft gegen den Ökolandbau ins Feld geführt werden, ist die Frage zu stellen, ob zwischen konventionellen und Ökoprodukten tatsächlich Wettbewerbsgerechtigkeit vorliegt.

Die generell höheren Umweltkosten des konventionellen Landbaus infolge negativer Humusbilanzen, erhöhter Erosionsanfälligkeit, Eutrophierung und der Verlust an Biodiversität werden in den Marktpreisen nicht berücksichtigt, sondern der Gesellschaft insgesamt als externe Kosten aufgebürdet. Weitgehende Übereinstimmung zwischen allen Akteuren (Bund, Länder, Verbände etc.) bestand bisher darin, dass eine Ausweitung des Ökolandbaus weniger durch staatlichen Druck (push), sondern parallel zur privatwirtschaftlichen Nachfrage (pull) erfolgen sollte. Weniger die Politik als vielmehr die Verbraucherinnen und Verbraucher sollten über den Ökolandbau-Anteil entscheiden. Diese setzen hier ein klares Signal.

Einheimische Bio-Produktion ankurbeln

Seit Jahren übersteigt die Nachfrage nach Ökoprodukten das Angebot aus heimischer Produktion bei weitem. Deutschland blieb 2013 der mit Abstand bedeutendste Bio-Markt in Europa mit einem Umsatz von 7,55 Mrd. €. Zum Anstieg der Ökonachfrage in Deutschland haben zum einen mehrere „Lebensmittelskandale“ im konventionellen Marktsegment beigetragen, zum anderen der in Deutschland inzwischen erreichte hohe Stand bei der Ökokontrolle und -kennzeichnung. Das Angebot aus heimischer Produktion hat mit diesem Nachfragezuwachs nicht Schritt gehalten, weil gleichzeitig durch Kürzungen in der „Zweiten Säule“ der Gemeinsamen Agrarpolitik (mittelfristige finanzielle Vorausschau 2007–2013) und Mittelknappheit auf Seiten der Länder40 die Umstellungsförderung auf den Ökolandbau verringert und in einigen Bundesländern sogar ganz eingestellt wurde. Mit einer unzureichenden Umstellungsförderung ist die mehrjährige Umstellungsphase für umstellungswillige Betriebe ökonomisch nicht zu verkraften.

Die Folge des Auseinanderdriftens von Angebot und Nachfrage im Ökolebensmittelsektor in Deutschland ist, dass Importe in den deutschen Ökomarkt zugenommen haben und weiter zunehmen. Dies wiederum führt zu zwei Entwicklungen:

  1. Die Öko-Zertifizierung ausländischer Produkte, insbesondere von solchen aus Ländern außerhalb der EU, erscheint weniger gesichert als bei deutschen Produkten, obwohl es auf EU-Ebene entsprechende Aktivitäten zur Regelung gegeben hat. Das Risiko von „Öko-Skandalen“ steigt damit. Solche sind für das Vertrauen der VerbraucherInnen in den Ökomarkt und damit für ihre Zahlungsbereitschaft kontraproduktiv; sie konterkarieren nicht nur das Ziel der Nachhaltigkeitsstrategie, sondern gefährden auch den bisher erreichten Stand auf dem Ökomarkt.
  2. Wenn einheimische Ökonachfrage mit ausländischer statt einheimischer Ökoproduktion gedeckt wird, bleiben die mit der Ökoproduktion verbundenen „ecosystem services“ (Umweltleistungen) sowie die Chancen auf Wertschöpfung im ländlichen Raum Deutschlands ungenutzt.

Um diese Entwicklung umzukehren, muss die Umstellungsförderung auf den Ökolandbau soweit erhöht werden, dass die damit verbundenen wirtschaftlichen Nachteile kompensiert werden und die Umstellung wieder attraktiver wird. Landwirten muss eine verlässliche Planungsgrundlage gegeben werden, wenn sie zur Umstellung auf ökologische Bewirtschaftung ermutigt werden sollen.

Ein weiterer Aspekt, der den Zielen der Bundesregierung beim ökologischen Landbau entgegenwirkt, ist die hohe staatliche Förderung des Energiepflanzenanbaus in den vergangenen Jahren. Diese hat zu einer starken Konkurrenz um die verfügbaren Flächen geführt. Als deren Resultat sind die Pachtpreise in einigen Regionen erheblich gestiegen. Der „Ländervergleich 2012 – Bioflächen versus Pachtpreis“ zeigt, dass dort, wo die aufgrund des hohen Biogasanlagenzuwachses höchsten Pachtpreise gezahlt werden (Nord-Westdeutschland: NI41, SH und NRW) der Anteil ökologisch bewirtschafteter Flächen unterdurchschnittlich ist.

Diese Entwicklung und die geringen Zuwachsraten des Ökolandbaus verdeutlichen, dass eine ausreichende finanzielle Förderung der ökologischen Landwirtschaft, die über die vergangenen Jahre hinaus geht, unbedingt erforderlich ist, wenn das 20 Prozent-Ziel innerhalb absehbarer Zeit erreicht werden soll. Das UBA ist in einer Studie über die Möglichkeiten zur Senkung von Treibhausgasen davon ausgegangen, dass im Jahr 2050 ein 20 Prozent-Anteil für den Ökolandbau zu realisieren ist.

Die im Herbst 2013 in Brüssel erreichte Einigung über die Reform der GAP für die Jahre 2014–2020 sehen für Deutschland eine stärkere Kürzung der Mittelausstattung für die zweite Säule als für die erste vor. Von der Möglichkeit, auf nationaler Ebene bis zu 15 Prozent der Mittel der ersten in die zweite Säule umzuschichten, soll daher nach einem Beschluss der Agrarministerkonferenz vom 04. November 2013 in maßvollem Umfang Gebrauch gemacht werden, indem 4,5 Prozent der Mittel der ersten Säule entsprechend umgeschichtet werden. Die für den Umwelt-, Klima- und Naturschutz dringend erforderlichen Agrar- Umweltmaßnahmen, einschließlich des ökologischen Landbaus, müssen weiterhin adäquat gefördert werden, wenn die definierten Umweltziele erreicht werden sollen.

Um die in Brüssel bereitgestellten Mittel via Kofinanzierung abrufen zu können, stehen aber vor allem die Länder in der Pflicht. Der Bund ist über die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) einbezogen. Er soll nach dem Willen der bereits erwähnten Agrarministerkonferenz vom November 2013 zusätzliche 200 Mio. Euro für die GAK bereitstellen.

Es mangelt in Deutschland und in der EU nicht an Programmen und Aktionsplänen für den ökologischen Landbau. Es gibt bereits seit Jahren das Bundesprogramm ökologischer Landbau und andere Formen der nachhaltigen Landwirtschaft (BÖLN) und die von der Europäischen Kommission durchgeführte Kampagne für den ökologischen Landbau „Bio. Gut für die Natur, gut für dich“. Mit diesen sollen Verbraucherinnen und Verbraucher für Ökoprodukte gewonnen werden. Dieses Ziel ist sicherlich anerkennenswert, das Vorgehen trägt aber nicht relevant zur Lösung der oben geschilderten Umstellungsproblematik bei, da es auf der Ebene der Abnehmer ansetzt und nicht bei den Produzenten.

Mehr Forschung nötig

Um die Situation des Ökolandbaus in Deutschland zu verbessern, ist es daher nicht erforderlich weitere Programme zu erarbeiten und zu verabschieden; es geht – neben der Erhöhung der Umstellungsprämie – vielmehr darum, die bereits vorhandenen Ansätze und Instrumente – einschließlich der Forschung und der dezentralen Verarbeitung und Vermarktung – finanziell besser zu stellen und konsequenter umzusetzen. Dafür sind jedoch ausreichend finanzielle Mittel notwendig. Die weitere Finanzierung des BÖLN scheint zumindest für die nähere Zukunft im Grundsatz gesichert, der Koalitionsvertrag für die Legislaturperiode sieht eine „Verstetigung“ dieses Programms vor. Die Perspektive einer Ausweitung des Ökolandbaus ist darin allerdings nicht enthalten.

Ein weiterer Schritt wäre es, die Mittel für die Ökolandbauforschung von derzeit 2,2 Prozent zumindest auf das Niveau des Ökoflächenanteils anzuheben und wenigstens rund 7 Prozent der Agrarforschungsgelder für den Ökolandbau zu verwenden. Damit würde man auch eine Voraussetzung dafür schaffen, dass gerade in weniger begünstigten ländlichen Räumen mehr Umweltschutz und Beschäftigung resultierte und dass auch im Ökolandbau und der ökologischen Lebensmittelwirtschaft über Forschung und Entwicklung zu realisierende Innovationspotenziale wirksam würden.

Mehr zum Thema

Ein Gedanke zu „Umweltbundesamt will Öko-Landbau“

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *