Neues Patent auf Tomaten erteilt

Ein Monopol auf spezielle Tomaten mit einem erhöhten Gehalt an gesunden Inhaltsstoffen, sogenannten Flavonolen ist jetzt vom Europäischen Patentamt (EPA) an den Schweizer Konzern Syngenta vergeben worden. Das Patent umfasst die Pflanzen, das Saatgut und die Tomatenfrüchte. Das Patent EP1515600 beruht auf der Kreuzung von wilden Tomaten mit bereits gezüchteten Sorten. Die Pflanzen sind nicht gentechnisch verändert, sondern stammen aus der klassischen Zucht.

Die europäischen Patentgesetze verbieten Patente auf Pflanzensorten ebenso wie auf klassische Züchtungsverfahren. Doch im März 2015 hatte das EPA entschieden, dass Patente auf Pflanzen, Saatgut und deren Ernte, die mithilfe klassischer Züchtung hergestellt werden, doch patentiert werden. Das EPA, das seine Einnahmen aus der Erteilung von Patenten bezieht, ebnet mit dieser – aus Sicht vieler kritischer Organisation – inakzeptablen Auslegung des Patentrechts den Weg für seine eigenen Interessen ebenso wie für die der Industrie. Diese Entscheidung des Patentamts rief bereits verschiedene politische Reaktionen hervor: Die Niederlande kündigten eine politische Initiative auf der Ebene der EU an, die Regierungen von Deutschland und Frankreich scheinen bereit zu sein, gemeinsam gegen die Praxis des EPA vorzugehen. Bereits 2012 hatte das Europäische Parlament gefordert, die Erteilung dieser Patente zu stoppen. In Deutschland hat sich jüngst auch der Bundesrat gegen Patente auf konventionelle Züchtung positioniert.

„Mit der Erteilung dieser Patente ignoriert das EPA die Interessen der Allgemeinheit und bedient stattdessen die eigene Klientel. Wenn diese Entwicklung nicht schnell gestoppt wird, geraten wir alle in die Abhängigkeit großer Konzerne wie Monsanto, Syngenta und Dupont, die dann immer mehr Patente auf unsere Nahrungspflanzen anmelden“, sagt Christoph Then für “Keine Patente auf Saatgut!”. „Die Bundesregierung muss noch entschiedener gegen diese Aktivitäten des Patentamts einschreiten. Andernfalls kommt es Schritt für Schritt zum Ausverkauf unserer Nahrungs­grundlagen.“

Konkret soll die Bundesregierung im Verwaltungsrat des Europäischen Patentamts aktiv werden, dem einzigen politischen Kontrollgremium des Amtes. Durch eine gemeinsame Initiative mit anderen Regierungen könnte so in naher Zukunft die Erteilung weiterer derartiger Patente verhindert werden.

Ein Aufruf der internationalen Koalition “Keine Patente auf Saatgut!”, dieses Patent zu stoppen, wird bereits von mehreren hundert Organisationen unterstützt. “Keine Patente auf Saatgut!” wird von Bionext (Niederlande), der Erklärung von Bern (Schweiz) GeneWatch (Großbritannien), Greenpeace, Misereor (Deutschland), dem Entwicklungshilfe-Fond (Norwegen), Kein Patent auf Leben! (Deutschland), Red de Semillas (Spanien), Rete Semi Rurali (Italien), Reseau Semences Paysannes (Frankreich) und Swissaid (Schweiz) getragen. Die Koalition fordert ein Verbot der Patentierung von Pflanzen und Tieren.

Mehr zum Thema

14 Gedanken zu „Neues Patent auf Tomaten erteilt“

  1. Hier geht es um Gier und Machtausübung gepaart mit großer Dummheit. Und wer will schon dumm sein? Ich wünsche den Verantwortlichen Einsicht und ein wahrhaftiges Verantwortungsgefühl der Menschheit gegenüber.

  2. Ist die Macht der Industrie bereits grenzenlos? Jedenfalls wird sie es werden, wenn wir uns nicht dagegen wehren. Notfalls werden Produkte derjenigen Firmen, die es eindeutig zu weit treiben, von mir nicht gekauft – das hilft immer, wenn auch nicht viel.

  3. Patente haben bei Lebewesen , ob Pflanzen oder
    Tiere nichts zu suchen. Pflanzliche Nahrung ist
    lebendig, und Patente ethisch unwürdig. Lebensmittel,
    Pflanzen und Tiere sollten wir würdigen und wertschätzen.
    Hiermit appelliere ich an alle Verantwortlichen, bitte
    stimmt keiner Patentierung zu.
    Danke, im Namen aller Pflanzen und Tiere.

  4. Purer wahnsin , für Saatgut darf es keine Patente geben . Es ist unsere Nahrung die vielseitig und einzigartig ist . So in die Natur einzugreifen finde ich unverantwortlich auch unseren Kindern gegenüber . Die Vielfältigkeit muss unbedingt erhalten bleiben .

  5. Die Beführworter sind entweder Menschen, die spowieso schon MORGEN sterben,
    oder es sind ZAUBERWESEN, die NIE erkranben.
    ODER ES SIND SINGELS OHNE FAMILIE; DENEN AUSZER GELD NICHTS INTERESSIERT!

  6. Ich lehne solche manipulierten Tomaten ab und kann nicht verstehen, dass so was auch noch von der Politik unterstützt wird.
    Da kann man nur protestieren.
    Stemmler

  7. Nahrung ist ein elementares Grundbedürfnis. Jeder soll (sich) ausreichend mit unbehandelter Nahrung versorgen können. Manipulation von Saatgut führt zu Abhängigkeit und Landflucht (siehe Hybridreis in Indien) Da hilft nur eins, die, die es sich leisten können im Biomarkt einkaufen und mit Freunden und in der Familie darüber sprechen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.