NABU zeichnet Bio-Winzer als schwalbenfreundlich aus

Foto: Andreas Braun, Freiburg
Bio-Winzer Jürgen Landmann erhält von Beate Hippchen (Nabu Freiburg) die Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“ (Foto: Andreas Braun, Freiburg)

Seit Jahrhunderten gehört die Flugakrobatik der Schwalben am Himmel zu den weitbekannten Naturphänomenen. Schwalben ernähren sich in der Luft von fliegenden Insekten und von im Luftstrom treibenden Spinnen. Sie sind Zugvögel, die die kalte Jahreszeit in Afrika verbringen.

„Im April kehren die Schwalben zu uns nach Europa zurück, um hier zu brüten. Aber die Bedingungen dafür werden immer ungünstiger“, sagt Dr. Beate Hippchen vom NABU Freiburg. Umso schöner ist es, dass es an einem Gebäude vom Bio-Weingut Landmann in Freiburg-Waltershofen etwa 30 Naturnester von Mehlschwalben gibt.

Foto: Andreas Braun, Freiburg
Foto: Andreas Braun, Freiburg

 

Der NABU hat sich jetzt für das Willkommenheißen dieser Mitbewohnerinnen mit der NABU-Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“ bedankt. Mit dieser Aktion möchte der NABU aufmerksam machen auf die Wohnungsnot der früher allgegenwärtigen Schwalben und gleichzeitig auf die Menschen, die dazu beitragen, diese Wohnungsnot zu lindern.

Mehl- und Rauchschwalben haben sich als sogenannte „Kulturfolger“ an eine vom Menschen geprägte Umgebung angepasst. Während sie früher an felsigen Steilküsten siedelten, nisten sie heute vor allem an Hauswänden (Mehlschwalben) oder in Ställen (Rauchschwalben). So blieb den Menschen ihre jährliche Rückkehr nicht verborgen, ihr Ruf als Sommerboten oder auch als Glücksboten entstand: Mehlschwalben sollen das Haus vor Brand und Blitzschlag, Rauchschwalben das Vieh im Stall vor Krankheiten schützen.

Heute sind Schwalben Sorgenkinder der Naturschützer geworden. „Die Intensivierung der Landwirtschaft und die Verwendung von Pestiziden führt zu einem Rückgang der Insekten, der Nahrungsgrundlage der Schwalben“, weiß die Schwalbenexpertin. „Und viele Menschen dulden heute ihre Nester nicht mehr an den Häusern, weil sie Verschmutzungen der Fassade durch Vogelkot befürchten. Aber dem lässt sich durch Kotbretter leicht vorbeugen.“ Manchmal werden sogar Nester entfernt, was nach dem Bundesnaturschutzgesetz verboten ist. Und immer wieder gehen Nistplätze beim Sanieren von Häusern verloren. Ein weiteres Problem ist die zunehmende Versiegelung der Landschaft. „Früher konnten die Schwalben in feuchten Pfützen und auf Feldwegen lehmiges Material für ihre Lehmnester finden.“, so Hippchen. Aktuell werden Mehl- und Rauchschwalben in Baden-Württemberg auf der Roten Liste als gefährdet eingestuft.

In Waltershofen gibt es noch Mehlschwalben, aber auch hier ist ein Haus mit 30 natürlichen Lehmnestern etwas Besonderes. Familie Landmann freut sich alljährlich, wenn „ihre Schätze“ aus dem Winterquartier zurückkehren und an ihrem Haus viel Nachwuchs bekommen.

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