Die Haysche Trennkost: Bruch mit alten Gewohnheiten

Viele “Erfindungen” werden gemacht, wenn eine Situation ausweglos erscheint. So erging es dem amerikanischen Arzt Dr. Howard Hay, als er in den dreißiger Jahren dieses Jahrhunderts an einem für damalige Zeiten als unheilbar geltenden Nierenleiden erkrankte. In dieser Situation informierte sich Dr. Hay über die Lebens- und Eßgewohnheiten unserer Vorfahren. Ihnen waren sogenannte Zivilisationserkrankungen wie Übergewicht, Zahnverfall, Magen-, Darm-, Herz-Kreislauf-, Zucker- und Rheumaerkrankungen unbekannt. Hay stellte fest, daß sie sich ausschließlich von dem ernährten, was ihnen die Natur bot. Das waren vor allem Pflanzen, Früchte und Gräser. Nach deren Kultivierung kam Getreide als Hauptnahrungsmittel hinzu. Tierisches Eiweiß in Form von Fleisch gab es, wenn überhaupt, sehr selten und nur in geringen Mengen. Aufgrund dieser Erfahrungen kam Hay zu dem Schluß, daß sich unsere Vorfahren von einer überwiegend pflanzlichen Trennkost ernährten.

Er stellte seine Ernährungsweise entsprechend um: 70 bis 80 Prozent seiner täglichen Ernährung bestand fortan aus Obst, Gemüse, Kräutern und Salat. Die Hälfte hiervon verzehrte er in roher Form. Innerhalb einer Mahlzeit trennte er die konzentrierten Eiweiße von den konzentrierten Kohlenhydraten. Da viele Nahrungsmittel sowohl Eiweiß als auch Kohlenhydrate enthalten, war eine 100prozentige Trennung nicht möglich, und – wie der Erfolg der Trennkost zeigt – auch nicht erforderlich. Mit dieser Ernährungsweise erlangte der Trennkost-Pionier seine Gesundheit wieder.

Übersäuerung vermeiden

Seine Maxime lautete: Die einzig wahre Behandlung aller Krankheiten ist die Verhinderung ihrer Ursachen. Da alle Erkrankungen mit einer Übersäuerung des Organismus einhergehen, stellte Hay die Entsäuerung des Körpers in den Mittelpunkt seiner Überlegungen. Säurebildner sind alle stark be- und verarbeiteten Nahrungsmittel, wie: Auszugsmehl, isolierter Zucker, Süßstoff und alle daraus hergestellten Nahrungsmittel, gehärtete und raffinierte Fette, Fertig-, Diät- und Lightprodukte, Konserven, Fleisch und Wurstwaren, Fisch, Käse, getrocknete Hülsenfrüchte, gesalzene und geröstete Nüsse, erhitzte und gesüßte Säfte, Limonaden, Bohnenkaffee, Schwarztee, Alkohol sowie zu große Mengen von Vollkorngetreide und Vollkornprodukten.

Basenbildner sind alle Obst-, Gemüse- Salat- und Kräuterarten, Kartoffeln, Knoblauch und Zwiebeln.

Trennkost-Regeln

Die Empfehlungen in der Trennkost lauten:

  • Täglich sollten 70 bis 80 Prozent der Ernährung aus Obst, Gemüse und Salat bestehen – davon die Hälfte roh verzehrt. Alle Obst- und Gemüsesorten sind sehr reich an Vitaminen, Mineral- und Ballaststoffen. Sie haben einen hohen Sättigungswert bei geringer Kalorienzahl und sind nach der Verdauung basenbildend. Dies führt dazu, daß wir eher satt sind und unseren Organismus nicht unnötig belasten.
  • Innerhalb einer Mahlzeit sollten konzentrierte Kohlenhydrate und konzentrierte Eiweiße nicht gemeinsam vorkommen. Durch den getrennten Verzehr wird eine bessere Verdauung der Nährstoffe erreicht. Die Verdauungsorgane werden weniger belastet. Allerdings muß man dazu Abschied von tradionellen Kombinationen nehmen. Schinken und Brot passen schlecht zusammen, ebenso Eier und Kartoffeln oder Fleisch und Nudeln.
  • Essenpausen von drei bis vier Stunden einhalten. Dies ist nach Ansicht der Trennköstler vor allem dann wichtig, wenn von einer konzentriert eiweißhaltigen auf eine konzentriert kohlenhydrathaltige Mahlzeit gewechselt wird.

Das Maß für mäßiges Essen

  • Mäßig essen. Vor jedem Mittag- und Abendessen sollte zuerst eine Frischkost beziehungsweise ein Salat gegessen werden, dann ein Hauptgericht wie etwa Champignon-Nudeln und eine kleine Nachspeise. Die Portionsgrößen je Mahlzeit und Person: Salatportion Suppentellergröße, Getreidegerichte wie Nudeln, Reis 50 bis 75 Gramm, Kartoffeln 100 bis 150 Gramm, Gemüse 250 bis 500 Gramm. Falls gelegentlich Fleisch, Fisch und Eier auf dem Speiseplan stehen: Fleisch 100 Gramm, Fisch 150 Gramm, Eier ein bis zwei je Woche.
  • Sich Zeit nehmen, jeden Bissen 20- bis 30mal kauen.
  • Vollwertig essen: Obst, Gemüse und Salat, die Hälfte in roher Form, angesäuerte Milchprodukte, Käse, Vollkorngetreide und alle daraus hergestellten Produkte.
  • Fettarm essen, 70 bis 80 Gramm pro Tag und Person. Hierzu zählen auch die versteckten Fette, wie sie in Nüssen, Salaten und Käse vorhanden sind. Nur qualitativ hochwertige Fette verwenden
  • Ausreichend trinken: Am besten Mineralwasser, Kräuter- und Früchtetee ohne Schwarzteezusatz. Morgens nach dem Aufstehen zuerst eine größere Menge Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Über den Tag verteilt sollten zwei bis drei Liter Flüssigkeit getrunken werden.
  • Auf Bohnenkaffee und Schwarztee verzichten, da beide reine Säurebildner sind.
  • Nicht zum Essen trinken. Zwanzig Minuten vor und nach dem Essen sollte möglichst nicht getrunken werden. Ansonsten, so Hay, werden die Verdauungssäfte gestört. So führe zum Beispiel die Verdünnung der Salzsäure im Magen dazu, daß die Vorverdauung des Eiweißes wird unvollständig bleibe. Es komme zu Fäulnis, Gärung und Übersäuerung.
  • Vor jedem Mittag- und Abendessen eine Frischkost. Ohne sie sind die 70 bis 80 Prozent Basenbildner nicht zu erreichen.
  • Drei Hauptmahlzeiten: Frühstück, Mittag- und Abendessen. Falls Zwischenmahlzeiten gewünscht werden, ist frisches, rohes Gemüse erlaubt, jedoch sollten auch hier Essenspausen von zwei bis drei Stunden eingehalten werden.

Aus Sicht der Vollwerternährung fällt auf, daß die Haysche Trennkost ähnlich wie die Vollwertlehre frische, naturbelassene Nahrungsmittel bevorzugt – mit einem starken Rohost-Anteil. Überspitzt könnte man sagen, in der Trennkost werde dasselbe gegessen wie in der Vollwertkost, nur eben getrennt und zeitlich versetzt. Allerdings gibt es auch ein paar Differenzen. So passen Hülsenfrüchte schlecht ins Konzept der Trennkost, da sie gleichzeitig viel Eiweiß und viel Kohlenhydrate enthalten.

Ursula Paschen, Trennkostautorin

Frühstück

Pflaumenmüsli

  • 1 El Leinsamen, ungeschrotet
  • 1 El Wasser
  • 1 Becher Vollmilchjoghurt
  • 1Tl Öl
  • 150 g Pflaumen

Am Vorabend den Leinsamen mit dem Wasser einweichen und abgedeckt im Kühlschrank quellen lassen. Am nächsten Morgen den Vollmilchjoghurt mit dem Öl und dem Leinsamen verrühren. Die Pflaumen waschen, entsteinen, zerkleinern und unter das Müsli mischen.

Butterkuchen

Für den Teig:

  • 500 g Weizenvollkornmehl
  • 190-200 ml Wasser
  • 30 ml Sahne
  • 30 g Hefe
  • 60 g Honig
  • 1 Eigelb
  • 1 Pr Vollmeersalz
  • 50 g weiche Butter

Für den Belag:

  • 100 g Mandelplättchen
  • 50 g Butter
  • 50 g Honig
  • 1 Tl Zimt

Das Wasser mit der Sahne mischen und lau erwärmen. Die Hefe vollständig in dieser Flüssigkeit auflösen.

Das Vollkornmehl in eine große Schüssel geben, mit Honig, der Prise Salz, der weichen Butter, dem Eigelb und der aufgelösten Hefe vermischen. Anschließend den Teig 10 Minuten mit den Händen oder 5 Minuten mit dem Knethaken der Küchenmaschine kneten.

Den Teig abgedeckt bei Zimmertemperatur oder im Backofen bei eingeschalteter Lampe circa 30 bis 40 Minuten gehen lassen, bis sich das Volumen verdoppelt hat. Ein Backblech mit 5 g ungehärtetem Kokosfett einpinseln oder mit Backpapier auslegen.

Den gegangenen Hefeteig kurz kneten, ausrollen und auf das vorbereitete Backblech legen.

In einer großen Pfanne die Butter mit dem Honig flüssig werden lassen, die Mandelplättchen mit dem Zimt dazugeben und alles miteinander verrühren.

Diese Masse auf den Hefeteig verteilen, mit einem Küchentuch abdecken und erneut etwa 30 Minuten gehen lassen. In der Zwischenzeit den Backofen auf 200 0C vorheizen, den gegangenen Blechkuchen auf der mittleren Schiene einschieben, die Temperatur auf 180 0C reduzieren und den Kuchen etwa 20 Minuten backen.

Mittagessen

Frischkost

  • 1 Tl Öl
  • 1El Wasser
  • 1Tl Brottrunk
  • 1Tl Kräutersalz
  • 1 Spritzer flüssige Pflanzenwürze
  • Endiviensalat
  • 1/2 Bund Radieschen

Aus dem Öl, dem Wasser, dem Brottrunk, dem Kräutersalz und der flüssigen Pflanzenwürze eine Salatsoße zubereiten. Den gewaschenen, geschleuderten und klein gerupften Salat zur Salatsoße geben.

Die unter fließendem Wasser abgebürsteten, geputzen Radieschen in Scheiben schneiden und ebenfalls zur Salatsoße geben. Alles miteinander vermischen.

Champignon-Nudeln

  • 1/2 l Wasser
  • 4-6 Tropfen Olivenöl
  • 1 Pr Vollmeersalz
  • 50 g Vollkorn-Bandnudeln
  • 250 g Champignons
  • 1 Zwiebel
  • 1 Knoblauchzehe
  • 1 Tl Gemüsebrühe
  • 1 Tl Cème fraîche
  • 1 El Wasser
  • einige Stengel frisches Basilikum
  • 1 Scheibe Schnittkäse (60% Fett i.T.)

Das Wasser mit dem Olivenöl und Salz zum Kochen bringen. Die Nudeln circa 6-7 Minuten darin bißfest kochen. In ein Sieb schütten und mit kaltem Wasser abspülen. Die Champignons unter fließendem Wasser waschen und in Scheiben schneiden. Die Zwiebel schälen und kleinhacken. Die Knoblauchzehe schälen und mit der Presse zerkleinern. Zwiebeln mit Knoblauchzehe und dem El Wasser in einem Topf unter ständigem Rühren andünsten. Die vorbereiteten Champignonscheiben dazugeben. Die granulierte Gemüsebrühe sowie den Tl Crème fraîche unterrühren und alles zusammen im abgedeckten Topf bei mittlerer Hitze circa 4-5 Minuten dünsten. Die Herdplatte abstellen. Basilikum waschen, schleudern und die Hälfte davon kleinhacken. Die andere Hälfte für abends aufbewahren. Das gehackte Basilikum sowie die kleingeschnittene Käsescheibe zu den Champignons geben. Alles abgedeckt nochmals 1-2 Minuten auf der abgeschalteten Herdplatte ziehen lassen. Dann die Champignons über die Bandnudeln verteilen.

Nachspeise: Zimtjoghurt

1 Becher Vollmilchjoghurt mit 1 Tl Zimt verrühren.

Abendessen

Frischkost

  • 1 kleine Knoblauchzehe
  • 1 Tl Olivenöl
  • 1 El Wasser
  • 1 Tl Brottrunk
  • 1 Tl Kräutersalz
  • 1 Spritzer flüssige Pflanzenwürze
  • Endiviensalat
  • 1 Tomate
  • einige Basilikumblätter

Die Knoblauchzehe schälen und in der Mitte teilen, damit die Salatschüssel ausreiben. Wer es intensiver liebt, kann die Knoblauchzehe auch mit der Presse zerkleinert in die Salatsoße geben. Aus Olivenöl, Wasser, Brottrunk, Kräutersalz und flüssiger Pfanzenwürze eine Salatsoße zubereiten.

Den gewaschenen, geschleuderten und zerkleinerten Salat in die Soße geben. Die Tomate waschen und in Scheiben schneiden, dabei den grünen Stiel entfernen. Alles miteinander vermischen und mit frisch geschnittenem Basilikum bestreuen.

Tomaten-Mozzarella-Brote

  • 2 Scheiben Vollkornbrot
  • 2 Tl Butter
  • 2 Tomaten
  • 1 Mozzarellakugel (125 g)
  • Basilikumblätter vom Mittag

Die beiden Brotscheiben mit der Butter bestreichen. Die gewaschenen Tomaten in Scheiben schneiden und den grünen Stiel entfernen. Den Mozzarellakäse in Scheiben schneiden und mit den Tomatenscheiben abwechselnd die beiden Brotscheiben belegen. Mit den Basilikumblättern garnieren.

 


Rezepte entnommen aus dem Buch “Vegetarische Trennkost” und “Das Trennkost-Backbuch”, von Ursula Paschen, erschienen im Heyne-Verlag.


Fragen zum Thema Trennkost an Ursula Paschen

Ist die Trennkost auch fleischlos möglich?

Ja. Trennkost heißt zwar, Trennen der konzentrierten Eiweiße von den konzentrierten Kohlenhydraten innerhalb einer Mahlzeit. Das Eiweiß muß jedoch nicht in Form von Fleisch gegessen werden. Es können sehr wohl damit auch Fisch oder Milchprodukte in Form von Käse gemeint sein. Sollte auf Fisch und Milchprodukte verzichtet werden, ist immer noch nach den pflanzlichen Produkten zu trennen. Jene, die zur Eiweiß-, zur Kohlenhydrat- und zu der kombinierbaren Gruppe gehören.

Warum nehme ich trotz Trennkost nicht ab?

Hierfür kann es mehrere Gründe geben: Daß nicht ordnungsgemäß nach Dr. Hay getrennt wird. Daß nicht täglich 70 bis 80 Prozent Basenbildner, das heißt Obst, Gemüse und Salat, gegessen werden. Daß der Rohkostanteil unberücksichtigt bleibt. Daß trotz Trennung keine vollwertigen Nahrungsmittel, das heißt zum Beispiel Vollkornbrot, Vollkornnudeln, Naturreis, gegessen werden. Daß auf den isolierten Zucker und damit auf Süßigkeiten nicht verzichtet wird. Daß bei der Zubereitung der Mahlzeiten zuviel Fett und minderwertige Fette verwendet werden. Daß mengenmäßig zuviel gegessen wird. Beim Abnehmen mit der Trennkost sollten auch Portionsgrößen berücksichtigt werden.

Ist Schokolade unter Kohlenhydrate oder zu den Eiweißmahlzeiten einzuordnen?

Schokolade ist in der Trennkost weder zu der einen noch zu der anderen Mahlzeit einzuordnen. Wenn Schokolade gegessen wird, dann nur selten, in kleinsten Mengen, zum Beispiel Zartbitterschokolade aus dem Naturkostladen, die mit Honig gesüßt ist und keine Milch enthält. Die meisten von uns haben eine zu hohe Süßschwelle, die nicht zu senken ist, indem wir Honig gegen isolierten Zucker austauschen. Sinn und Ziel sollte sein, durch eine vollwertige Ernährungsweise das Verlangen nach Süß zu reduzieren. Heißhunger nach Süß ist immer ein Zeichen dafür, daß unserem Körper etwas fehlt. Ihm fehlen jedoch nicht die Süßigkeiten und schon gar nicht der isolierte Zucker. Nein, ihm fehlen sogenannte essentielle Inhaltsstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente. Mit einer vollwertigen Ernährung können wir unseren Körper mit diesen lebensnotwendigen Inhaltsstoffen versorgen und uns dadurch von Heißhungeranfällen befreien.

Warum zählt Obst zur Gruppe der eiweißhaltigen Nahrungsmittel?

Hier ist zu unterscheiden, um welches Obst es sich handelt. Bananen, Datteln und Feigen gehören zur Kohlenhydratgruppe. Diese Obstsorten benötigen zur optimalen Verdauung ein basisches Milieu. Die Heidelbeeren zählen zur Gruppe der kombinierbaren Nahrungsmittel, da ihre Verdauung sowohl im sauren als auch im basischen Milieu möglich ist. Alle anderen Obstsorten gehören zur Eiweißgruppe, da diese zur Verdauung ein saures Milieu brauchen.

Warum zählen Quark und Joghurt zur Gruppe der kombinierbaren Nahrungsmittel?

Die angesäuerten Milchprodukte können sowohl im sauren wie im neutralen Milieu verdaut werden.

Ich bin untergewichtig – kann ich mit der Trennkost zunehmen?

Ja. Allerdings ist zu beobachten, daß, wenn Untergewichtige sich nach der Trennkosternährung richten, diese in den ersten zwei bis vier Wochen weiter abnehmen. Spätestens jedoch nach beziehungsweise ab der vierten Woche nehmen diese Menschen langsam aber stetig zu. Durch die Ernährungsweise nach der Trennkost wird der Körper entsäuert. Unter- und Übergewicht sind immer ein Hinweis dafür, daß der Säure-Basen-Haushalt entgleist ist. Bei Unter- und Übergewicht ist jedoch zu berücksichtigen, daß sehr wahrscheinlich eine Eßverhaltensstörung vorliegt. Hier kann die Trennkost nur dann erfolgreich angewendet werden, wenn begleitend eine Therapie bei Fachleuten durchgeführt wird. Die Trennkost allein wird wohl kaum eine dauerhafte Änderung des Eßverhaltens bewirken.