Makrobiotik zwischen Dogma und lebendiger Entwicklung

Makrobiotik (altgriechisch: groß, lang und das Leben betreffend, gesamtes Leben) ist die Bezeichnung für eine spezielle Ernährungs- und Lebensweise. Die Makrobiotik basiert auf der fernöstlichen Philosophie und lehrt, daß alles aus Energie besteht, die in China “Chi” genannt wird. Diese Energie bewegt sich ständig und fließt durch den Körper. Um den Menschen optimal ins Gleichgewicht mit diesem Fluß zu bringen, also um die körperliche und geistige Gesundheit zu fördern, betrachtet man alle Einflüsse, die den Menschen nähren: Die Luft, das Sonnenlicht, das Wasser und natürlich auch das Essen, wofür der Einzelne persönlich am meisten tun kann. Die moderne Makrobiotik der westlichen Welt ist von dem Japaner Georges Ohsawa (1893–1966) und in der Folge von seinen Schülern Aveline Kushi, Michio Kushi, Hermann Aihara und wiederum deren Schüler (Wike und Adalbert Nelissen, Thomas Nelissen) geprägt worden.

Tierische Produkte meiden

Gemäß dieser Lehre sollte die Grundnahrung aus biologischem Vollgetreide und Naturreis bestehen. Sie gelten als yang (fest, dicht, trocken) sowie aus Gemüse, das mäßig yin-betont ist (lockerer, wasserhaltiger). In kleinerer Menge sollte man dazu Hülsenfrüchte, Meeresalgen, Kerne, Nüsse, einheimisches Obst und verschiedene Würzmittel essen. Etwas tierische Nahrung gehört auch dazu, vor allem Fisch. Zurückhaltend sollte man bei tierischen Produkten (Fleisch, Käse, Eier) sein, weil sie extrem yang (kompakt) sind. Das gilt auch für Salz. Tiermilch wird gänzlich abgelehnt. Extrem yin sind folgende Lebensmittel: Zucker, Honig, schwarzer Tee, Alkohol, tropische Früchte, Kuhmilch, scharfe Gewürze und Nachtschattengewächse (Kartoffeln, Tomaten, Paprika). Der regelmäßige Konsum von diesen extremen yin oder yang-Produkten würde zu einem Ungleichgewicht von Yin und Yang führen und, so die Ansicht, langfristig zu Krankheit führen.

Yin und Yang

In der Makrobiotik spielt der ökologische Anbau von Nahrungsmitteln entsprechend den Jahreszeiten und der jeweiligen Klimazone eine große Rolle. Günstig sind demnach saisonale, regional erzeugte Lebensmittel.

Abgelehnt werden raffinierte Nahrungsmittel und Tiefkühlkost.

Michio Kushi, ebenso Herman Aihara und andere neuzeitliche Makrobioten, vertreten eine ganzheitlichere Auffassung der Makrobiotik. Sehr stark vereinfacht könne Yin als entspannend, Yang als aktivierend charakterisiert werden. Für eine ausgewogene Ernährung solle man seinen Speiseplan nach den Erkenntnissen der Makrobiotik so zusammenstellen, dass sie die individuelle Konstitution und die individuelle Kondition berücksichtigen. Die Grenzen der Verbesserung des Allgemeinbefindens seien durch die Person gegeben, die die Makrobiotik anwendet und lebt.

Durch die makrobiotische Lebensweise schaffen viele Menschen die Wiederherstellung eines dynamischen Gleichgewichtes in der Gesundheit und damit der ges

Energetisches Gleichgewicht

Die makrobiotische Kost läßt sich nicht genau definieren. Folgende Thesen geben eine Orientierung:

  1. Sie ist eine Synthese vom westlichen und östlichen Ernährungsverständnis. Es wird auf eine ausreichende Nährstoffversorgung geachtet und auch auf ein energetisches Gleichgewicht. Diese ganzheitliche Perspektive umfaßt auch andere Lebensbereiche wie körperliche Bewegung und geistige Betätigung, die auch dem universalen Gesetz von Yin-Yang-Polarität unterstehen.
  2. Sie ist eine Vollwertkost ohne die übliche Betonung der Milch und Milchprodukte. Käse, Quark und Joghurt enthalten relativ viel tierisches Eiweiß und Fett. Die Makrobiotik hinterfragt generell, ob es richtig ist, die Milch von Tieren zu einem Hauptnahrungsmittel zu machen. Kein Tier in der freien Natur nimmt die Milch von einem anderen Tier. Milchprodukte sind für ihr allergenes Potential bekannt. Deshalb erweist sich die makrobiotische Ernährung oftmals als günstig bei Allergien, Neurodermitis, Rheuma und Verdauungsbeschwerden.
  3. Kleine Portionen Meeresalgen liefern konzentrierte Mengen von Mineralstoffen und Spurenelementen wie Calcium und Selen, die unter anderem das Entgiftungssystem des Körpers kräftigen. Bei zunehmender Umweltbelastung steigt unser Bedarf an diesen Nährstoffen.
  4. Fisch als gelegentliche Abwechslung zum pflanzlichen Eiweiß liefert eine leicht bekömmliche tierische Nahrung, die auch die fettlöslichen Vitamine A und D enthält, sowie das Vitamin B12, das bei strenger Veganer-Kost nicht ohne weiteres gedeckt ist. Fisch enthält weniger Bindegewebe als Fleisch und gilt nach makrobiotischer Lehre als mäßig yang, da er weniger kompakt ist.
  5. Die überwiegend pflanzliche, saisonale und regionale Ernährung gilt als umweltfreundlich. Die Erzeugung tierischer Nahrung fordert im allgemeinen eine energieintensive Herstellung und Lagerung.

Kritik:

Dem Patientenratgeber “Bittere Naturmedizin” zufolge ist die makrobiotische Ernährung nicht frei von Risiken: Bei Kindern solle sie allenfalls unter ärztlicher Aufsicht angewendet werden, für Säuglinge und Kleinkinder sei sie lebensgefährlich. Bei Erwachsenen könne die makrobiotische Ernährungsweise zu Darmbeschwerden und Mangelerscheinungen führen, besonders bei längerer Anwendung. Daher raten Kritiker von der Befolgung der strengen Makrobiotik nach Oshawa ab.

Auch das Tumorzentrum Freiburg am Universitätsklinikum bewertet die Makrobiotik durchweg negativ, da sie bei längerer Anwendung zu einer schweren Mangelernährung führen könne. Bezüglich ihrer Wirkung auf Tumoren wird diese Ernährungsform sogar als “schädlich” eingestuft.


Fragen zum Thema Makrobiotik an Klaus Schubrink

Wenn ich Makrobiotik versuche, bekomme ich dann genug Eiweiß?

Getreide plus Hülsenfrüchte als Grundnahrungsmittel sind eine sehr wirksame pflanzliche Eiweißkombination. Sie können auch tierisches Eiweiß dazunehmen.

Makrobiotik finde ich interessant. Wo kann ich das Kochen kennenlernen?

Das Ost-West-Zentrum e.V. unter meiner Leitung organisiert immer wieder Makrobiotik-Kochkurse zu günstigen Preisen in verschiedenen Teilen Deutschlands. Außerdem druckt die Zeitschrift “Das große Leben” einen Terminkalender mit entsprechenden Informationen ab.

Makrobiotik soll ja auch bei Aids helfen. Ist da was dran?

Makrobiotik will in erster Linie zur vergrößerten Lebensfreude und Freiheit des Menschen und zum Abbau von unnatürlichen Beschränkungen wie Krankheit, materieller, seelischer Armut, Naturzerstörung und so weiter beitragen. HIV-Infektion ist ja nun eine echte Beschränkung. Makrobiotik hilft da. In meiner Beratungspraxis betreue ich einige Menschen mit dieser Entwicklung und weiß daher, daß der persönliche Zustand sich, auch medizinisch kontrolliert, ausgezeichnet verändern kann.

Diese Yin/Yang-Geschichte bei der Makrobiotik ist mir oft unklar. Gibt es da Bücher?

Sofort fällt mir ein: Georges Ohsawa: Das Einzige Prinzip – Die Philosophie der Makrobiotik – erschienen im Mahajiva-Verlag. Außerdem hat der Schauspieler Dirk Benedict einen Bericht geschrieben, in dem es vordergründig um seine Selbstheilung von Krebs geht durch Makrobiotik, aber eigentlich um Lebensstil und Veränderung, der sehr gut verständlich dieses yin/yang-Prinzip im Leben wirksam zeigt. Das Buch heißt: “Mein Leben als Kamikaze Cowboy”, auch Verlag Mahajiva. Es ist sehr amerikanisch, Sie werden es lieben oder wegschmeißen. Diese Bücher werden Sie anregen, weiter zu studieren. Oder es reicht Ihnen dann. Wäre aber schade für Ihr Verständnis des Lebens.

Allergien sind ja heute ganz schlimm. Bei mir wird es nicht besser, obwohl ich schon einige Naturkost-Methoden versucht habe. Kann ich was mit der Makrobiotik erreichen?

Sehr viel! Seit Jahren habe ich ständig mit Allergikern in der Beratung zu tun. Wer sich so sehr von der menschlichen Natur entfernt hat, daß er auch in einer ganz natürlichen Umwelt nicht mehr seines Lebens froh ist, hat auch die Möglichkeit, diese Entwicklung grundlegend umzukehren. Eine genaue Betrachtung ist dabei oft eine große Hilfe. Sehr sinnvoll wäre das Buch “Allergien und Immunsystem” von Aveline und Michio Kushi – erschienen im Ost-West-Verlag. Zum Verständnis der Wirkung der Makrobiotik ist auch sehr hilfreich das Buch des Biochemie-Ingenieurs Hubert Descamps “Hippokrates hatte recht”, ebenfalls erschienen im Ost-West-Verlag. Descamps analysiert hier ausführlich die verschiedenen Nahrungsbestandteile, Zubereitungsmethoden und vergleicht das mit den Empfehlungen der Makrobiotik.

Warum gibt es denn bei der Makrobiotik diese japanischen Produkte?

Japan hat über Jahrhunderte gezeigt, daß eine grundlegend pflanzliche Ernährung ohne Mangelerscheinungen möglich ist. Dabei entstand sogar eine besondere Vitalität und ein sehr flexibles Immunsystem. Nicht zufällig hat ein Heidelberger Forscher entdeckt, daß eine Art “Anti-Krebs-Hormon” (Genistein) bei traditioneller japanischer Ernährung mit Reis, Kohl und Miso-Suppe im Körper gebildet wird. In Makrobiotik-Gerichten genießen wir diese besondere Energie täglich als kleine Beilage oder Kochzutat zu den Grundnahrungsmitteln und sind sehr dankbar, daß einige Menschen in Japan diese Tradition lebendig gehalten haben. Gucken Sie doch mal in den Warenführer “Naturkost aus Japan” der Firma Schwarzbrot, da finden Sie viele ausführliche Erläuterungen.