Chemisch-synthetische Düngung

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Die chemisch-synthetische Düngung basiert auf der wissenschaftlichen Erkenntnis, daß Pflanzen gelöste Mineralsalze aufnehmen können. Entdeckt hatte diese Fähigkeit der deutsche Chemiker Justus von Liebig vor mehr als 100 Jahren. Die heute angewendeten mineralischen Stickstoffdünger enthalten die Stoffe, von denen man weiß, daß sie sich besonders positiv auf das schnelle Pflanzenwachstum und den Ernteertrag auswirken: Stickstoff und die Mineralien Phosphor und Kalium. Bei der Stickstoffdüngung gelangt die für das Pflanzenwachstum unbedingt nötige anorganische Verbindung Nitrat in die Pflanze, wo sie in organische Substanz – essentielle Aminosäuren – umgewandelt wird.

Anders als bei dem natürlichen Prozeß der Stickstoffbindung über Mikroorganismen, erhält die Pflanze bei der Düngung mit leichtlöslichen chemisch-synthetischen Mitteln auf einen Schlag ein hohes Angebot des essentiellen Nährstoffs. Der Effekt: Schnelles üppiges Wachstum. Die Nachteile: Stickstoffdüngung bei schnellwachsenden Gemüsesorten kann zu einem unerwünscht hohen Nitratgehalt führen. Starke Stickstoffdüngung macht die Pflanzen anfälliger für Schädlingsbefall. Verändert werden die vielfältigen, aufeinander abgestimmten Synergiewirkungen der im gesunden Boden vorhandenen Mikroorganismen und Bodenlebewesen.

Biologische Qualität leidet

Obwohl die Wissenschaft heute weiß, daß Pflanzen auch komplexe organische Verbindungen aufnehmen können – der Beweiß sind zum Beispiel Rückstände von Pflanzenschutzmitteln – und viele Spurenelemente ebenso wichtig sind, setzt die Landwirtschaft nach wie vor auf das Ziel Ertragmaximierung mit Mineraldünger. Langfristig wird der Boden einseitig überdüngt während andere Stoffe wie Spurenelemente immer stärker entzogen werden. Monokulturen und eine einseitige Fruchtfolge unterstützen diesesn Prozeß. Das natürliche Nährstoff-Gleichgewicht im Boden wird empfindlich gestört. Ein Nährstoffmangel wirkt sich bei konventioneller Düngung mittelfristig nicht unbedingt am Ertrag aus, doch kann die biologische Qualität des Nahrungsmittels selbst leiden. So kann bei Gemüse und Getreide beispielsweise die Eiweiß-Zusammensetzung, insbesondere bei den essentiellen Aminosäuren verändert sein. Die Lagerfähigkeit von stark stickstoffgedüngtem Obst und Gemüse ist schlechter als die von ökologisch erzeugtem. Der Unterschied läßt sich schmecken: Die schnell gepuschten Nahrungsmittel verlieren an arttypischem Aroma.

Eine Zuführung fehlender Nährstoffe wie Mineralien und Spurenelemente über chemische Einzelkomponenten ist äußerst schwierig beziehungsweise bisher nicht möglich. Die Wissenschaft weiß noch zu wenig über das Gleichgewicht der Spurenelemente untereinander und in welcher Dosierung sie der Pflanze zur Verfügung stehen müssen. Eine zu hohe Dosierung birgt außerdem die Gefahr einer Bodenvergiftung.

Umweltschäden durch leicht lösliche Mineraldünger

Die leicht wasserlöslichen Mineraldünger werden von den landwirtschaftlichen Nutzflächen mit der Bodenerosion ausgewaschen und gelangen so in Bäche, Flüsse und schließlich Meere oder über Sickwasser ins Grundwasser. Sie führen zu einer Überdüngung der Gewässer mit übermäßigem Algenwachstum. Sauerstoffmangel in den tieferen Schichten zerstört das biologische Gleichgewicht und die Lebensgrundlage vieler Wasserlebewesen. Mit Nitrat belastetes Grundwasser gefährdet die Gesundheit von Mensch und Tier.

Energiebilanz negativ

Chemisch-synthetische Dünger werden mit hohem Energieeinsatz erzeugt. In der konventionellen Landwirtschaft entfällt der größte Teil des Energieverbrauchs auf die Produktion dieser Düngemittel. Zur Erzeugung von einem Kilo Stickstoff werden etwa zwei Liter Erdöl verbraucht.