Schadstoffe und Zusatzstoffe

Naturkost-ABC:
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

Inhaltsstoffe:

Es gibt die Guten und die Bösen: Zu den „good guys“ gehören die Nähr- und Vitalstoffe. Die lebensnotwendigen Kohlenhydrate, Proteine und Fette zählen ebenso dazu wie Vitamine, Mineralstoffe und die gesundheitsfördernden bioaktiven Substanzen, die Ballast- und sekundäre Pflanzenstoffe. Sind Lebensmittel zusätzlich frisch, lecker und leicht verdaulich, dann sind sie das, was man eine inhaltsreiche und gesunde Nahrung nennt.

Schad- und Fremdstoffe in unseren Lebensmitteln nennen Ökotrophologen wertmindernd und zum Teil gesundheitsschädlich. Die Natur gibt Pflanzen Stoffe mit auf den Lebensweg, die nicht für Menschen gedacht und auch nicht bekömmlich sind. So zum Beispiel die grünen Tomaten oder Kartoffeln. Sie enthalten Solanin, das wir nicht vertragen und daher herauskochen müssen. Auch durch falsche Lagerung und Zubereitung können Schadstoffe entstehen, die wir alle in Form von Pilzkulturen auf Käse oder Brot kennen. Unverträglich, sogar gefährlich giftig, sind die Aflatoxine. Andere Schimmelpilze hingegen – wie beim Camembert oder Brie – sind erwünscht und auch gesund.

Zu den natürlichen Inhaltsstoffen, die uns schaden können, kommt Bedenkliches durch den großflächigen Anbau und die industrielle Produktion, Rückstände aus der Landwirtschaft, von Dünge- bis Tierarzneimitteln, Umweltgifte aus Industrie, Verkehr und privaten Haushalten und – nicht zu vergessen – die Lebensmittelzusatzstoffe, die unser Essen haltbarer, aromatischer, dick- oder dünnflüssig oder bunter machen sollen.

Von Menschen und Giften:

Derzeit sind etwa acht Millionen von Menschen produzierte Chemikalien in der Umwelt nachweisbar. 400000 neue Substanzen werden jährlich synthetisiert, von denen 1000 in die Produktion und damit auch in die Umwelt gelangen. Über Wasch- und Reinigungsmittel, Medikamente, Lebensmittelzusatzstoffe, Pestizide, Düngemittel, Farben und Lacke kommt jeder Mensch täglich mit circa 65000 chemischen Substanzen am Tag in Berührung.

Die Gefahr für die Gesundheit geht oft weniger von der Einzelsubstanz aus. Gefährlich werden viele Stoffe erst durch die neuen chemischen Verbindungen, die sie miteinander eingehen. Unsere Umwelt ist ein chemischer Schmelztiegel, in dem wir ständig wechselnden Belastungen ausgesetzt sind. Das führt zu einer Vervielfachung der Schadwirkungen und damit des gesundheitlichen Risikos. Wir wissen schon wenig genug über die Wirkung der einzelnen Stoffe – über die Kombinationswirkungen wissen wir fast gar nichts.

Diese Lücke versucht die Wissenschaft mit Tierversuchen zu schließen. Das Vorgehen ist ebenso zweifelhaft wie die Ergebnisse. Denn was für die Maus gilt, muß noch lange nicht für den Menschen gelten. Dazu haben Chemikalien mit Sicherheit auf einen 1,80 Meter großen, 85 Kilo schweren Mann in den besten Jahren andere Auswirkungen als auf eine nur halb so alte Frau, die zudem 20 Zentimeter kleiner ist und halb soviel wiegt – von Kindern ganz zu schweigen. Zudem reagieren Menschen sehr unterschiedlich sensibel – eben individuell – auf den Chemikaliencocktail.

Gifte in der Landwirtschaft:

Seit den fünfziger Jahren haben sich Stickstoffdünger- und Pestizideinsatz vervierfacht. Gegen unerwünschte Kräuter gibt es Herbizide, Fungizide gegen Pilze, Rodentizide töten Nagetiere, Molluskizide Schnecken, und für den Fadenwurm bedeuten die Nematiziden den sicheren Tod. Etwa drei Millionen Tonnen dieser sogenannten Pflanzenschutzmittel werden jährlich weltweit verbraucht. Allein Deutschland bringt 30000 Tonnen ein.

Tiere erhalten von Antibiotika über Corticoide, Hormone bis hin zu Psychopharmaka Medikamente in bedenklich hoher Dosierung. Das ist nur deshalb notwendig, weil sie als Ware “Nutztier” angesehen werden, und unter unwürdigen Bedingungen eine Leistung erbringen sollen. Batterie-Hühner legen mehr als doppelt so viele Eier wie freilebend gezüchtete Legehennen. Hochleistungsschweine müssen täglich 800 Gramm Gewicht zulegen, um in wenigen Monaten gewinnbringend schlachtreif zu sein. Das ermöglichen nur hochspezialisierte Produktion und der massive Einsatz von Medikamenten.

Die gesundheitlichen Folgen für Mensch und Umwelt sind selbst für die moderne Biowissenschaft nicht absehbar. Offensichtlicher Bumerang ist nicht allein die Belastung von Natur, Nahrung und Gesundheit. Auch die erwirtschafteten Überschüsse der Landwirtschaft schaffen neue Probleme.

Unsinnige Subventionen oder der Verkauf von Lebensmitteln zu Niedrigstpreisen ruinieren Bauernhöfe im In- wie im Ausland, schaffen finanzielle Abhängigkeiten und schrauben die Umweltzerstörungs-Spirale in eine globale Dimension. Wenn beispielsweise Burundi 96,4% seiner Exporteinnahmen aus Kaffee erzielt, dann ist absehbar, daß dieser landwirtschaftliche Zweig mit allen Mitteln – inklusive synthetischen Pflanzenschutzmitteln und Düngern – forciert wird. Der Ruin des Bodens und der Landschaft durch die einseitige und intensive Nutzung ist kaum aufzuhalten und schwer reparabel.

Der ökologische Landbau erlaubt sich in dieser hochtechnisierten und spezialisierten Welt den Luxus, umweltschonender und rücksichtsvoller zu wirtschaften. Die Absichten sind daher schlicht:

  • An Bio-Produkte kommen keine zusätzlichen Schadstoffe (die bereits in der Umwelt vorhandenen lassen sich kaum vermeiden).
  • Bio-Bauern garantieren, daß durch ihre Wirtschaftsweise weniger zusätzliche Umweltverschmutzung verursacht wird.

Lebensmittelzusatzstoffe:

Nicht immer sind Zusatzstoffe in Lebensmitteln so deutlich sichtbar wie in der knallroten Käserinde, die ihre Leuchtkraft dem Farbstoff E180 verdankt. Vieles bleibt dem Auge des Betrachters verborgen. Die Lebensmittelindustrie will sich nicht auf die Qualität ihrer Rohstoffe verlassen. Mit Farb-, Konservierungs-, Aroma- und Geruchsstoffen, Geschmacksverstärkern, Antioxidantien, Emulgatoren und Dickungsmitteln versuchen Produzenten seit jeher, ihre Produkte perfekt erscheinen zu lassen. Rund 360 Zusatzstoffe dürfen konventionellen Lebensmitteln legal zugesetzt werden. Problematisch ist dieses Vorgehen (nicht nur) für Allergiker, die auf einige dieser Substanzen sensibel reagieren.

Die meisten Zusätze sind mit E-Nummern zugelassen und auf dem Etikett aufgelistet. Das hilft nur den 34% der Deutschen, die sie entschlüsseln können. Die meisten wissen noch nicht einmal, daß das „E“ für EG/EU, aber auch für edible (eßbar) steht oder daß sich hinter den Nummern E100–E180 Farbstoffe verbergen. Wir alle wissen nicht, wie gut sie verträglich sind. Immerhin: Laut Statistik reagieren lediglich 0,2% der Bevölkerung auf die Stoffe E100–E1518 empfindlich. (Was bei 350 Millionen Menschen in der EU 700000 sind.) Welchen Dienst sie der Gesundheit erweisen, ist aufgrund der unzähligen Kombinationen, in denen sie eingesetzt werden, nicht abzusehen. Abschätzen, ob die vielen gegessenen „E“s uns tatsächlich gut bekommen, kann man nicht.

Bio & Inhaltsstoffe:

Lebensmittel aus biologischem Anbau sind etwas Besonderes: Sie sind umweltfreundlich und schadstoffarm. Ökologischer Landbau verzichtet auf Chemie, synthetische Pflanzenschutzmittel, Kunstdünger und Gentechnik (siehe Gentechnik und Lebensmittel). Auf dem Bio-Acker wächst schadstoffarmes Getreide, Gemüse und Obst. Felder voller Vielfalt, artgerechte Tierhaltung und schonende Verarbeitung der Lebensmittel gehören ebenso zum Prädikat Bio wie wertvolle und gesunde Inhaltsstoffe. Nur wenige natürliche Lebensmittelzusatzstoffe sind erlaubt.

Absolute Schadstoffreiheit kann heute niemand mehr garantieren. Trotz des Verzichts auf Chemie und Umweltgifte, das Anpflanzen von schützenden Hecken und ausreichendem Abstand zu Straßen sind Bio-Produkte nicht gefeit vor den Auswirkungen der Umweltverschmutzung. Wind und Wetter verbreiten die alltäglichen Gifte und machen leider auch vor den Öko-Höfen nicht halt.

Dennoch: Bio-Produkte sind nachweislich rückstandsärmer. Sie schneiden auch beim Gehalt an wertvollen Inhaltsstoffen besser ab als konventionelle. Und: Tests der Lagerfähigkeit und Haltbarkeit gehen fast immer zugunsten ökologisch erzeugter Produkte aus. Der Blick in einen gut sortierten Naturkostladen zeigt, daß auch ohne Chemie und Umweltbelastung eine beeindruckende Vielfalt möglich ist.