Verpackungen

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Rund 80% der Bundesbürger scheinen zumindest guten Willens. Sie behaupten, aktiv zum Umweltschutz beizutragen und geben umweltfreundlichen Produkten beim Kauf angeblich den Vorzug. In der Praxis macht sich das aber nur wenig bemerkbar.

Jeder Haushalt produziert etwa 400 Kilo Müll im Jahr. Die Hälfte dieses Volumens entfällt auf Verpackungen. Davon sind 90% Getränkedosen, Joghurtbecher, Brötchentüten oder Marmeladengläser – also Verpackungen von Lebensmitteln. Den größten Aufwand für Transport und Verkauf erfordern Getränke. In Form von Flaschen, Dosen und Tüten führen sie die Verpackungshitliste mit 53% an. 20% des Verpackungsmaterials wickeln sich um Obst und Gemüse, 9% machen Milch und Milcherzeugnisse hygienisch einwandfrei und transportabel. Lediglich 6% des „Drumherums“ gehen auf das Konto von Fleisch und Fisch. Glas ist das am häufigsten verwendete Material (60%), gefolgt von Papier und Pappe (9%), Kunststoffen (7%), Verbundmaterialien (5%) und Aluminium (1,4%).

Als besonders umweltschädlich und energieaufwendig bei Herstellung und Entsorgung erweisen sich Verpackungsmaterialien aus Polystyrol (Styropor) und Polyvinylchlorid (PVC). Diese Kunststoffe werden auf Mülldeponien kaum abgebaut, und bei ihrer Verbrennung entstehen giftige Substanzen (Dioxine). Auch das vom früheren Bundesgesundheitsamt für unbedenklich erklärte Polyethylen, das für Plastiktüten verwendet wird, ist nicht ganz so harmlos. Die schwermetallhaltigen Farben, die die Tüten zu bunten Werbeträgern machen, gelangen über die Müllverbrennung in die Umwelt.

In den letzten drei Jahrzehnten hat sich die Packmittelproduktion verdreifacht. 90% werden für den einmaligen Einsatz hergestellt. Danach landen sie auf einem stetig wachsenden Müllberg. Die einzige Lösung des Problems ist die Verminderung, am besten Vermeidung von Abfall. Nur Verpackungen, die Hygiene, Transport und Haltbarkeit der Waren gewährleisten, sind sinnvoll. Vorausgesetzt: sie wurden mit wenig Energieaufwand und aus ökologischem Material gefertigt.

Das gibt’s im Naturkostladen

Der Naturkostladen erspart Ihnen eine Menge Zeit und der Umwelt viel Müll. Wenn Sie abfallarm einkaufen wollen, müssen Sie viele Supermärkte durchhecheln. Lediglich 6% aller Geschäfte, so die Verbraucherzentrale NRW, bieten die Möglichkeit, Lebensmittel umweltfreundlich verpackt einzukaufen. Davon sind 89% Bioläden. In dieser Untersuchung tun sich diese auch bezüglich Reinigungsmitteln und Kosmetika hervor. Die Verbraucher Zentrale suchte in über 2500 Geschäften nach abfallsparenden Angeboten. Nur etwa 30% der konventionellen Läden – aber alle Naturkostfachgeschäfte! – konnten damit dienen. Schlußlichter der Untersuchung sind die großen Discounter: Sie bieten kaum unverpackte Waren an und achten nicht auf deren ökologische Herkunft. Einwegverpackungen sind hier die Regel.

Der Naturkosthandel verkauft viele Waren wie Obst, Gemüse, Käse und Getreide unverpackt und lose. Wo immer es möglich ist, wird in mitgebrachte Dosen und Tüten abgefüllt. Hier finden Sie wiederbefüllbare Verpackungen wie Kaffee- und Teedosen oder Gewürzgläser. Milch, Joghurt, Wasser und Säfte stammen vorzugsweise aus der Region und sind in Mehrwegflaschen erhältlich. Mit Einwegverpackungen tut man sich hier – zu recht – schwer. Nach strengen Prüfungen werden allein Materialien zugelassen, die die Umwelt so wenig wie möglich belasten.

Verpackungsrichtlinien der Bio-Verbände auf einen Blick:

  • Das verwendete Material muß in der Herstellung besonders umweltfreundlich sein.
  • Verpackungen von Bio-Lebensmitteln sind gesundheitlich unbedenklich und verursachen im Produkt keine Rückstände.
  • Bevor die Produkte samt Verpackungen auf den Markt kommen, werden sie von den Verbänden überprüft.
  • Der Verpackungsaufwand muß minimal sein. Die Umweltfreundlichkeit ist wichtiger als Marketing- oder Kostenvorteile für den Hersteller.
  • Alle Materialien müssen leicht zu entsorgen und zu recyceln sein. Schwer abbaubare Kunststoffe wie beispielsweise PVC und solche, die bei der Herstellung die Umwelt stark belasten, dürfen nicht verwendet werden. Umweltverträglichere Kunststoffe wie Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP) werden nur dann eingesetzt, wenn sie unvermeidbar sind.
  • Aluminium oder Verpackungen, die solches enthalten – Kombiverpackungen – sollen weitestgehend vermieden werden. Die Verbände verpflichten ihre Mitglieder, nach geeigneten Alternativen zu suchen. Sie genehmigen Verbundmaterialien nur in Ausnahmefällen.
  • Einwegverpackungen dienen nur dann als Ersatz, wenn Mehrwegverpackungen aus triftigen Gründen nicht in Frage kommen. Sie sind entweder recycelt oder recycelbar – zum Beispiel Altpapier.

Bio & Mehrweg

Zunächst die gute Nachricht: Wo immer Mehrwegverpackungen möglich sind, werden sie auch eingesetzt. Milch, Joghurt, Getränke und auch einige Honige oder Marmeladen werden in „alten“ Gläsern an die KundInnen gebracht. Die schlechte Nachricht: Das ehrgeizige Projekt „Naturkost fördert Mehrweg“ wurde aufgegeben. Die kleine Bio-Branche, mit einem Marktanteil von 2–3%, kann sich die Umsetzung schlichtweg nicht leisten. Geeignete Kisten für den Transport der Pfandgläser hätten ebenso angeschafft und teuer bezahlt werden müssen wie der Bau neuer Spülstellen. Diese wären mit den wenigen Gläsern aus den Bio-Läden aber nicht ausgelastet gewesen.

Und: Es waren zu viele kleine Gläser. Diese bestehen im Vergleich zu Großen aus sehr dickem Glas, und stehen damit in keinem guten Verhältnis zu dem geringen Inhalt. Sie sind bei Herstellung und Transport schlicht unökologisch.

Der Naturkosthandel zog die Konsequenz. Er gliedert sich zum Teil mit seinen Gläsern in das Duale System ein (Der Grüne Punkt) und sucht weiterhin intensiv nach umweltfreundlichen und alternativen Verpackungslösungen.

Praxistips für Ihren Einkauf

  • Kaufen Sie Getränke, Milch und Joghurt so oft wie möglich in Mehrwegflaschen und -verpackungen. (Eine Mehrwegflasche à 0,75 l ersetzt bis zu 84 Getränkedosen!) Achten Sie auch darauf, daß Ihr Lieblingswasser oder -saft aus der Region stammt. Denn erst kurze Transportwege machen Mehrweg ökologisch sinnvoll.
    Und: Fragen Sie oft und überall nach umweltfreundlichen Mehrwegverpackungen. So können Sie Händler und Wirtschaft von der „Nachfrage“ überzeugen.
  • Vermeiden Sie den Einkauf von mehrfach verpackter Ware. Weder Äpfel noch Zahncreme müssen im Karton oder in Folie verpackt sein. Diese dienen allein den Werbezwecken der Hersteller und sind letztendlich doch nur Müll.
  • Der Einkauf im Naturkostladen lohnt sich – auch für die Umwelt. An Verpackungsmaterial wird hier immer gespart und auch auf Umweltverträglichkeit wird geachtet.
  • Kaufen Sie bei haltbaren Produkten immer möglichst große Packungen. Das spart nicht nur Geld sondern nützt auch der Umwelt. Auch viele konventionelle Hersteller bieten mittlerweile bei Putzmitteln und Kosmetika „Nachfüllpackungen“ an.
  • Achten Sie darauf, daß Ware nicht in PVC-haltiger Folie eingeschweißt ist. Sowohl bei der Herstellung als auch Entsorgung von PVC entstehen giftige Substanzen. Weiche PVC-Folien, in denen vor allem Fleischprodukte abgepackt werden, können bedenkliche Weichmacher enthalten und an Lebensmittel abgeben. Diese Schadstoffe stehen im Verdacht, schwere Krankheiten auszulösen. Zum Glück ist die Verwendung dieser Folien stark rückläufig. Erkennen können Sie sie an der Ziffer 03 auf der Verpackung.
  • Nach Änderung des Hygienegesetzes darf jeder das eigene Behältnis für Frischwaren wie Käse und Fleisch mitbringen. Damit kann viel Verpackungsmaterial gespart werden.
  • Sie können Umverpackungen (Schachteln oder Kunststoffhüllen) im Laden zurücklassen. Laut Verpackungsordnung von 1991 sind Händler für die Entsorgung zuständig. Auch Warenverpackungen wie Gemüsetüten, Gläser und Dosen müssen zurückgenommen werden, wenn in der Region „Wertstoffe“ wie Glas, Papier und auch Kunststoffe nicht von zu Hause abgeholt oder über Container entsorgt werden können.